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Fiat Punto Evo: Grande Evoluzione

Neue Optik, neues Cockpit, neue Motoren: Seinem Bestseller Grand Punto ließ Fiat eine umfangreiches Facelift angedeihen, um gegen Polo und Co nicht alt auszusehen. Einen neuen Namen gab’s gleich dazu: Punto Evo.

Von Michael Specht

Die Luft wird eng in der Klasse der Viermeter-Fahrzeuge, von Fachleuten B-Segment genannt. Die Konkurrenz ist groß. Weit über ein Dutzend Kandidaten beharken sich. Wer hier ganz vorne mitfahren will, muss den gestiegenen Ansprüchen der Kunden genügen - am besten sie gleich übertreffen. Denn für viele Menschen sind Autos dieser Größe längst nicht mehr nur der billige Zweitwagen für die kurze Tour in die City. Gefordert sind guter Komfort, hohe Sicherheit, niedriger Verbrauch, geringe Unterhaltskosten und natürlich attraktives Design.

Besonders der VW Polo, seit diesen Sommer im Markt, hat die Latte hoch gehängt, zumindest was Qualität und Fahrverhalten angehen. Sie entsprechen fast denen eines Golf. Da mitzuhalten, dürfte auch für die etablierte Konkurrenz schwierig sein. Fiat versucht es. Mit einem gründlichen renovierten Grande Punto, dessen neuer Name auch gleichzeitig Programm sein soll: Punto Evo. Die Kurzform steht für "evoluzione" (Evolution).

Grande Punto brachte Fiat die Wende

Der Punto hat für den italienischen Autobauer einen außergewöhnlichen Stellenwert. Nie besaß Fiat ein erfolgreicheres Modell. Sieben Millionen Einheiten liefen seit 1995 von den Bändern in Melfi (Diese Fabrik wurde sogar extra für den Punto errichtet). Kein anderer Kleinwagen in Europa kann solch hohe Absatzzahlen vorweisen. Im Grande Punto, seit 2005 im Programm und auf vier Meter gewachen, sehen viele sogar den Retter des Konzerns. Wäre sein Design nicht angekommen, hätte es düster ausgesehen um den italienischen Autobauer. Denn einzig der kleine Panda verkaufte sich damals gut - zu wenig, um zu überleben.

Mittlerweile gibt Fiat wieder mächtig Gas (kräftig geholfen hat der 500), konnte in Deutschland seine Stückzahlen nahezu verdoppeln (kräftig geholfen hat die Abwrackprämie) und erhöhte seit 2005 seinen Marktanteil von 2,5 auf 4,4 Prozent. In Europa stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von 4,8 auf 7,5 Prozent.

Das Blechkleid blieb unberührt

Der Punto Evo soll diesen Aufwärtstrend fortführen. 220 Millionen nahm Fiat für die Modellpflege insgesamt in die Hand. Das ist viel Geld, doch nicht genug, um dem Wagen ans Blech zu gehen, denn der Bau neuer Presswerkzeuge und neue Crashtests hätte höhere Summen verschlungen. So blieb der komplette Body einschließlich Haube, Heckklappe und Kotflügel mit dem Grande Punto identisch. Die Front, von vielen als kleines Maserati-Gesicht geliebt, wurde dagegen komplett neu gestaltet, das Markenlogo wanderte nach oben. Designer Roberto Giolito nennt die neue Schnauze "stylischer" und "markanter", was immer man darunter verstehen mag. Der Blick aufs Heck zeigt ebenfalls einen neuen Stoßfänger. Geändert wurde auch das Design der Rückleuchten.

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An falscher Stelle gespart

Das meiste Geld floss beim Punto Evo eindeutig in den Innenraum. Cockpit und Armaturenbrett haben nichts mehr mit dem Vorgänger zu tun. Das Design wirkt funktionell und modern, aber nicht modisch. Schade nur, dass ein paar Euro, die man sparen wollte, sich gleich negativ auf die subjektiv gefühlte Qualität auswirken. Die Kunststoffoberflächen oben auf dem Armaturenbrett sowie oben auf den Türverkleidungen sind zu hart und hinterlassen dadurch einen billigen Eindruck. Auch Kleinigkeiten wie die Integration des Tankdeckels in die Zentralverriegelung hat Fiat bei der Modellpflege versäumt. Wer will heute noch beim Tanken mit dem Schlüssel ums Auto laufen?

Einstieg ab 11.550 Euro

Preislich startet der Punto Evo als "Active" mit 65 PS als Dreitürer bei 11.550 Euro. Das hört sich zunächst einmal günstig an, zumal die Grundausstattung sieben Airbags (inklusive eines Kniebags für den Fahrer), Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn beinhaltet. Damit hat sich's aber auch schon. Der "Active" ist so etwas wie das Kassenmodell. An Bord sind weder Radio (Aufpreis 580 Euro), noch eine geteilt umlegbare Rücksitzbank (180 Euro). Und wer die Türen bequem per Fernbedienung öffnen oder verriegeln möchte, wird um weitere 110 Euro gebeten.

Die bessere Empfehlung dürfte der fünftürige 1,4-Liter mit 77 PS in der Ausstattung "Dynamic" für 14.400 Euro sein, laut Fiat mit rund 70 Prozent das Volumenmodell im Punto-Portfolio. Hier gehören eine Klima- und eine MP3-fähige Audioanlage zum Serienumfang. Spritzige Fahrleistungen sollte man allerdings von dem vom Vorgänger übernommenen Vierzylinder nicht erwarten. Zwar ist der Motor laufruhig, er wirkt jedoch beim Beschleunigen etwas zugeschnürt, muss bewusst gedreht werden, damit es voran geht. Gegen Aufpreis von 350 Euro bietet Fiat diesen Motor auch mit einem Start-Stopp-System an. Es soll 0,2 Liter je 100 Kilometer sparen, 5,7 statt 5,9.

Neue Motoren mit Start-Stopp-System

Serienmäßig an Bord hat die Start-Stopp-Automatik der neue, so genannte Multiair-Motor (geht Anfang 2010 in den Handel), bei dem statt einer Einlassnockenwelle elektromagnetische Elemente die Ventile und damit die Beatmung der Brennräume steuern. Fiat verspricht Verbrauchseinsparungen von über zehn Prozent. Den Multiair gibt es mit 105 PS als Sauger und mit 135 PS als Turbo. In beiden Fällen beträgt der Hubraum 1,4 Liter. Der Verbrauch soll bei 5,7 beziehungsweise 5,6 Liter liegen. Bezogen auf die Leistung wäre dies ein exzellenter Wert.

Dieselfreunde beglückt Fiat mit drei überarbeiten Aggregaten (genannt Multijet II) und Leistungsstufen von 75 bis 120 PS. Die Selbstzünder kosten allerdings knapp 2000 Euro Aufpreis. Wirtschaftlich ist dies nicht, weil es Mühe macht, den höheren Kaufpreis über den geringeren Verbrauch - für die schwächste Variante werden 4,1 Liter versprochen - wieder hereinzufahren. Doch Dieselfahrer blenden diesen Nachteil bewusst aus und freuen sich stattdessen am guten Durchzug des Motors sowie einer niedrigen Rechnung an der Tankstelle.

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