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Opel Moonlight Roadster von 1933: Tanz im Mondschein

Vom Opel "Moonlight" Roadster wurden nur 51 Stück gebaut. Eine Fahrt in diesem offenen Prachtstück offenbart die ganze Freude des Autofahrens.

Die Werbung für den Opel Moonlight Roadster aus dem Jahre 1933

Die Werbung für den Opel Moonlight Roadster aus dem Jahre 1933

Warum in aller Welt bekommt ein Opel aus dem Jahre 1933 den Spitznamen "Moonlight" (Mondlicht). Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man über den Atlantik springen. Und zwar in die USA der 30er Jahre. Der Zeit als Alkoholtrinken während der sogenannten Prohibition offiziell verboten war und legendäre Verbrecher, wie "Scarface" Al Capone ein Regime des Schreckens führten. Dass sich die Amerikaner den Spaß an Hochprozentigem nicht nehmen ließen, ist hinlänglich bekannt.

Tanz im Mondschein
Die Werbung für den Opel Moonlight Roadster aus dem Jahre 1933

Die Werbung für den Opel Moonlight Roadster aus dem Jahre 1933

Damit zwischen New York und Los Angeles wilde Partys gefeiert werden konnten, musste der Alkohol ja irgendwie über die Grenze kommen. Damals machten die Zollbeamten die Grenzübergänge zwischen den USA und Canada mit Schlagbäumen dicht, die aber für Pferdefuhrwerke und die damals kutschenähnlichen hochaufbauenden Automobile gedacht waren. Da kommt der Opel beziehungsweise GM Roadster ins Spiel: Dank seiner niedrigen Bauweise inklusive flacher Windschutzscheibe hätte der Zweisitzer mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 95 Stundenkilometern einfach unter den geschlossenen Grenzbäumen durchtauchen können und wäre so das perfekte Gefährt für den Alkoholschmuggel, der meistens nachts stattfand, gewesen. Daher eben der Spitzname "Moonlight". Allerdings hat es der Opel Zweisitzer nie über den Atlantik geschafft.

Nichtsdestotrotz bekommt der nächtliche Ausflug im Roadster angesichts dieser Namensgebung gleich eine andere Dimension. Über ein Trittbrett und gegenläufig öffnende Türen entert man das Cockpit und sinkt in die bequemen roten Ledersitze. Das Holzlenkrad liegt dank des dicken Kranzes und des überraschend geringen Durchmessers gut in der Hand. Das Dreiganggetriebe lässt sich leichtgängig schalten, man darf nur nicht vergessen, dass der erste Gang unten links ist, wie es sich für ein sportliches Fahrzeug gehört.

Los geht\'s. Den Leerlauf eingelegt, Fuß auf die Bremse und am Zündschlüssel drehen. Mit einem leichten Schütteln erwacht der Reihensechszylinder zum Leben. Der Vergaser saugt gierig die Luft ein, um sie in die sechs Brennräume zu leiten. Klack, der erste Gang ist drin. Kupplung kommen lassen und schon rollt der Opel Roadster geschmeidig an. Alles kein Hexenwerk, der Oldtimer lässt sich erstaunlich entspannt und unproblematisch bewegen. Klack. Zweiter Gang. Das Fahren in diesem 86 Jahre altem Prachtstück ist eine Offenbarung.

In fast hundert Jahren haben sich die Prinzipien des Autobaus und worauf es wirklich ankommt, nur unwesentlich geändert. Ein sämig drehender Reihensechszylinder mit 1.8 Liter Hubraum, 34 PS kombiniert mit lediglich rund 900 Kilogramm Gewicht vermitteln einfach Spaß am Vortrieb. Downsizing ist keine Erfindung der Moderne. Denn das Triebwerk im Opel Roadster ist ein aufgrund der Weltwirtschaftskrise verkleinertes GM-Triebwerk. Das ändert nichts am seidenweichen Laufverhalten und dem vollmundigen Klang. Das Aggregat ist ein Derivat der 1931 eingeführten Motorengeneration. Allerdings mit feinen technischen Veränderungen gegen über dem ursprünglichen Serienmodell. Das beeindruckende Sprintvermögen ist ein Resultat der Leichtmetallkolben, größeren Einlassventilen und einen größeren Vergaser.

Sogar die Scheinwerfer leuchten aus verchromten Kugelgehäusen die Straße deutlich besser aus, als manche Funzeln bei Fahrzeugen, die 20 Jahre jünger sind. Ob das gute Licht Teil des Sonderausstattungspakets "Chicago" war, konnte uns keiner der Opel-Experten verraten. Für die damals stattliche Summe von 3.895 Reichsmark bekam man ein formschönes Auto mit klassischen Proportionen, einen steil im Wind stehenden Chrom-Kühlergrill, geschwungenen Kotflügeln und ein sanft abfallendes Heck samt Heckflosse. Die roten Felgen und die Zierstreifen waren Anfang der 1930er der letzte Schrei. Gefertigt wurde der Roadster von der Firma Deutsch in Köln, die auf den Leiterrahmen eine passende Karosserie aufgesetzt hat. 51 Exemplare des schicken Cabrios wurden gebaut, es existieren nur noch drei - eines davon befindet sich im Besitz von Opel.

Eine Cabrioregel lautet: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Dieser Grundsatz ist im Opel Moonlight Roadster so lebendig, wie in kaum einem anderen Auto. Der Klassiker hat so gut wie gar nichts von den modernen rollenden Aquarien, die die Umwelt so gut, wie möglich aussperren. Der Wind pfeift dank der besagten minimalistischen Frontscheibe um den Kopf und über ein modernes Windschott hätten, Al Capone und sein Nachfolger Frank Nitti so lauthals gelacht, dass das Pistolenhalfter gezittert hätte. Gut eingepackt verlieren auch niedrige Temperaturen ihren Schrecken. Ganz im Gegenteil, man erlebt die flotte Reise durch die Nacht viel unmittelbarer, ein wahres Fest für die Sinne.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.