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Peugeot 207 CC: Frauenversteher - Frauenverdreher

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen. Diesen alten Werbespruch könnte sich auch Peugeot auf die Fahnen schreiben. Zumindest beim Coupé-Cabrio 207 CC. Auf den kleinen Franzosen fliegt die Damenwelt.

Schon der Vorgänger war ein Frauenversteher. Zwei Drittel der Kaufverträge für den 206 CC unterschrieben weibliche Hände, durchschnittlich waren sie 43 Jahre alt. Frauen mögen den kleinen Peugeot mit seinem Klappdach. Wohl auch deswegen, weil er keine Muskeln zur Schau stellt, nicht aggressiv, sondern freundlich wirkt, handlich und erschwinglich ist. So etwas zählt bei den Damen mehr als Spoiler, dicke Reifen und Drehmoment. Zudem verbraucht der Klappdach-Peugeot recht wenig und zur Not können auch mal drei Kinder mitgenommen können.

Damit will auch der Nachfolger punkten, der getreu der Peugeot-Nomenklatur 207 CC heißt. Ab dem 10. März steht er beim Händler und ist im Prinzip nach dem gleichen Muster gestrickt. Nur eben alles ein wenig verfeinert und verbessert. Am meisten fällt die leicht ansteigende Fensterlinie auf, ohne die störende Stufe hinter den Sitzen und die etwas peinlichen Griffleisten auf dem Heckdeckel, wie sie der 206 noch hatte. Mit 22 Zentimeter mehr Länge, jetzt 4,04 Meter, stimmen auch die Proportionen besser.

Keine Gefahr für die Fingernägel

Begrüßen werden die Kunden das vollautomatische Verdeck. Haben doch die zwei fummeligen Verriegelungen so einige Male beim Benutzer ein Autsch verursacht und manch lackierten Fingernagel lädiert. Solche Meldungen erreichten auch Peugeot in Paris. Der 207 CC wurde daher höflicher konstruiert: Den Knopf zwischen den Sitzen ziehen, und nach 25 Sekunden scheint die Sonne aufs Polster. Das klappt perfekt, auch dann, wenn der Wagen langsam fährt. Langsam heißt, weniger als zehn km/h. Damit man sehen kann, was beim Öffnen hinterm Kopf so passiert, zeigt das Display im Armaturenbrett parallel den Oben-ohne-Striptease an. Hat zurzeit kein anderer.

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Auch in Sachen Sicherheit will Peugeot sich nicht lumpen lassen. Sieben Airbags sind serienmäßig verbaut, einer davon für die Schienbeine. Er sitzt unter der Lenksäule. So etwas ist nicht billig in dieser Wagenklasse. "Verdammt viel Geld haben auch die Überrollbügel gekostet", sagt Peugeot-Pressechef Thomas Schalberger. Sie schießen innerhalb weniger Millisekunden, ähnlich wie beim Mercedes SL, nach oben, sollte sich der offene 207 tatsächlich einmal überschlagen. Und Schalberger fragt sich zu Recht, wie man eigentlich fahren muss, um das Auto (ESP ist Serien) derart zu provozieren? Zumal auch Lenkung und Fahrwerk des 207 keinen Anlass zur Kritik geben.

Nur das Beste brummt gut genug

Ebenso wenig begibt sich Peugeot bei den Motoren auf dünnes Eis. Gerade in Zeiten ständiger CO2-Diskussionen und Klima-Kollaps-Hysterie. Die Benziner sind in Zusammenarbeit mit BMW entstanden und gelten zurzeit als die modernsten und wirtschaftlichsten Otto-Aggregate ihrer Klasse, beschleunigen den 207 CC auf bis zu 210 km/h. Bei Leistungen von 120 und 150 PS verbrauchen sie im Mix lediglich 6,5 bzw. 7,2 Liter. Für den Fahrspaß, den sie bieten, ein Topwert. Noch sparsamer ist der Dieselmotor. Der 1,6-Liter ist ein hauseigenes Produkt und benötigt für seine 109 PS nur 5,2 Liter, fühlt sich aber auch nicht so leise und harmonisch an wie die Benziner. Besonders untertouriges Zockeln im Feierabendverkehr zwingt einen oft, in den ersten Gang zurückzuschalten, während man beim Benziner geschmeidig im zweiten weiterrollen kann.

Über die drei Ausstattungen Filou, Sport und Platinum und einer Vielzahl von Extras und Paketen lässt sich der 207 CC schnuckelig einrichten. Selbst eine Volllederverkleidung inklusive gesteppter Nähte auf dem Armaturenbrett steht in der Aufpreisliste. Auch die Klimaanlage dürfte für Kleincabrios einmalig sein. Die Kühlleistung passt sich dem Dach an. Liegt es im Kofferraum, ergo der Fahrer möchte frische Frühlingsluft in der Nase spüren, weiß der Klimasensor, dass er es gar nicht erst versuchen sollte, wie wild loszupusten, um die einst eingestellte Wunschtemperatur zu erreichen.

Reisen mit dem Nötigsten

Dass kleine Autos kleine Kofferräume haben, versteht sich von selbst. Dass kleine Cabrios mit Klappdach noch kleinere Kofferräume haben, ist ebenso logisch. Beim 207 CC lautet die Zahl 145 Liter, elf mehr als beim Vorgänger. Für flaches Handgepäck oder eine paar Einkaufstaschen reicht das, für Ikea gibt es Vans und Kombis. Ansonsten eignet sich für weiteres Utensil die Rückbank. Zu viel mehr taugt sie nicht. Allenfalls jüngster Nachwuchs kann dort so untergebracht werden, dass es nicht gegen die Genfer Konventionen verstößt.

Lobenswert auch, dass bei Peugeot offen fahren in einem erschwinglichen Rahmen bleibt. Der 207 CC ist das preisgünstigste Cabrio seiner Klasse und startet bei nur 18 950 Euro. Das Topmodell, der Platinum HDI FAP 110 kostet 24 750 Euro. Wer sich bis zum 30. April entschließt, bekommt den feschen Franzosen in jeder Ausstattung genau 500 Euro billiger.

Von Michael Specht

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