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Peugeot 3008: Das große Rentner-Abenteuer

Hatchback, Dreitürer, Fünftürer, Kombi und Cabrio, Überleben durch Vielfalt. Peugeot lässt mit dem 308 in der wichtigen Kompaktklasse keine Nische aus. Im Herbst folgt ein Van und schon im Juni rollt ein völlig neues Konzept zu den Händlern: der Crossover 3008.

Von Michael Specht

Wer in der Kompakt-Liga erfolgreich mitspielen will, kann längst nicht mehr nur ein Modell anbieten. Das mag vor 30 Jahren mit dem VW Golf geklappt haben, heute verteilt sich der Kuchen anders. Die Konkurrenz schläft nicht und Autos dieser Klasse spülen nur Geld in Kassen der Konzerne, wenn möglichst viele Varianten auf gleicher Plattform entstehen. Peugeot scheint diese Klaviatur gut zu beherrschen. Bis zum Herbst bringt es die 308-Baureihe auf sechs Derivate. Im nächsten Jahr folgt als siebte Variante noch ein Sportwagen. Neuland betreten die Franzosen jedoch mit einem Konstrukt, das es bislang in ihrer Firmengeschichte nicht gab, dem Mix aus mehreren Autos, neudeutsch Crossover genannt. Der 3008 soll Van, SUV und Limousine in sich vereinigen und damit neue Käufer locken. Jene Personen, denen ein Van zu bieder ist und ein Geländewagen zu protzig daher kommt. "Hauptsächlich werden dies ältere Menschen sein", sagt der Geschäftsführer von Peugeot Deutschland Olivier Dardart, "sie lieben die höhere Sitzposition, das üppige Platzangebot und wirtschaftliche Antriebe." Im Fokus stehen aber auch junge Familien mit bis zu zwei Kindern.

Einstiegspreis ab 21.500 Euro

Dass man mit dem Crossover-Konzept angeblich genau den Zeitgeist trifft, untermauert Peugeot mit Zahlen. Danach soll sich die Nachfrage nach kompakten SUV seit 2000 mehr als verdreifacht haben, Vans dagegen sind leicht rückläufig. Und noch etwas macht die Franzosen so sicher, aufs richtige Pferd gesetzt zu haben: der Preis. Das Einstiegsmodell "Tendance" beginnt bei 21.500 Euro, was sich verlockend anhört. Allerdings dürfte es sich hierbei mehr um eine Version mit Symbol-Charakter handeln. Denn sie ist nur mit dem 1,6-Liter-Benziner (120 PS) kombinierbar. Zudem sind einige Komfortextras wie Einparkhilfen, Leder oder Xenonlicht für diese Version nicht erhältlich. Wer stärkere Antriebe wünscht, muss tiefer in die Tasche greifen. Mindestens 25.650 Euro sind nötig, um den Benziner mit 155 PS (gleicher Basismotor) zu fahren. Zugute halten muss man Peugeot allerdings, dass hierin das "Premium"-Paket für 2400 Euro steckt. Es enthält unter anderem ein Panorama-Glasdach sowie ein CD-Radio. Olivier Dardart glaubt, 60 Prozent der Käufer werden sich für die Premium-Linie entscheiden.

Mehrheitlich wird ein bekanntes Diesel-Herz unter der Haube schlagen. Der Zweiliter-HDi-Motor mit 150 PS und einem Drehmoment von kräftigen 340 Nm lieferte bei ersten Testfahrten eine überzeugende Vorstellung ab. Neben der guten Elastizität gefällt besonders die Laufruhe. Schon nach wenigen Kilometern ist vergessen, was da vorne die Räder antreibt. Erinnert daran wird man höchstens an der Tankstelle. 5,7 Liter verspricht Peugeot, der Bordcomputer allerdings zeigte 7,3 Liter/100 km an – trotz verhaltener Fahrweise.

Benziner vom MINI

Interessant für den 3008 dürfte auch der Downsizing-Benziner sein, der in Kooperation mit BMW entwickelt wurde und unter anderem auch im Peugeot 207 sowie im Mini steckt. Der 1,6-Liter leistet 120 oder 155 PS, später sind sogar Versionen mit bis zu 200 PS vorgesehen. Zusammen mit dem leicht zu schaltenden Sechsganggetriebe lässt sich der Crossover geschmeidig und sehr ruhig bewegen. Auch Lenkung und Fahrwerk geben keinen Anlass zu Kritik. Man fühlt sich schnell wohl in diesem Auto. Das Platzangebot ist großzügig, vorne wie hinten. Im Cockpit versprühen Chrom-Applikationen und weichen Kunststoffe einen Hauch von Luxus und durch das riesige Glasdach dringt mehr Licht zu den Insassen als zu Hause durchs Veranda-Fenster.

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Statt Allrad gibt es Grip Control

Bewusst verzichtete Peugeot beim 3008 auf einen Allradantrieb, einmal aus Kosten- und Gewichtsgründen, zum anderen, weil heute ohnehin keiner mehr mit dieser Art Autos im Gelände herumwühlt. Für nicht asphaltierte Untergründe steht dem Kunden das so genannte Grip Control zur Verfügung (Aufpreis: 200 Euro), eine Erweiterung der Antriebsschlupfregelung. Der Drehschalter auf der Mittelkonsole lässt sich auf die Positionen Schnee, Schlamm oder Sand stellen und regelt danach die Momentenverteilung und Bremseingriffe an den Vorderrädern. Wie wichtig die Peugeot-Entwickler auch das Thema Alltagspraxis genommen haben, zeigt sich im hinteren Teil des 3008. Die zweigeteilte Heckklappe bietet die Möglichkeit einer Sitzpritsche, die Rücksitzlehnen können per Minihebel vom Kofferraum aus flach gelegt werden und erweitern so das Ladevolumen von 432 auf 1241 Liter. Einen Innovationspreis jedoch verdient die Person bei Peugeot, die den herausnehmbaren Ladeboden entwickelt hat. Mit nur einer Hand lässt sich der stabile Deckel in drei unterschiedlichen Höhen arretieren. Na und? Was sich aber so simpel anhört, ist eine extrem clevere Konstruktion und ein Novum im Automobilbau. Jede Mutter mit Kind oder Einkaufstüte im Arm wird dieses Detail zu schätzen wissen.

Diesel-Hybrid ab 2011

Den 3008 wird Peugeot in Zukunft nutzen, um auch auf der Antriebsseite seine Kompetenz unter Beweis zu stellen. Anfang 2011 soll erstmals der "Hybrid4" in den Verkauf gehen, der eine ungewöhnliche Kombination von Diesel- und Elektromotor in sich trägt. Dabei erhalten die Vorderräder ihre Kraft vom HDi-Selbstzünder und an der Hinterachse sitzen zwei Elektromotoren. So entsteht ein 200 PS und 500 Nm starker Allradantrieb, ohne Verteilergetriebe, ohne Zentraldifferenzial und ohne Kardanwelle. Das spart Gewicht und Geld. Wie viel, wollte Peugeot-Chef Dardart nicht verraten. Nur: "Der 3008 Hybrid wird mit 4,1 Liter und 109 Gramm CO2 die Werte eines Kleinwagens haben."

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