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Peugeot RCZ: Im Dress des Supersportlers

Wer sagt, dass keine Wunder geschehen? Im Peugeot RCZ triumphieren Fantasie und Design über die Krämerseele der Vernunft. Geboren wurde der französische Sportwagen aus einer atemberaubenden Studie

Von Gernot Kramper

Die Studie fand soviel Beifall beim Publikum dass der Entwurf mit sehr geringen Änderungen den Weg in die Serienfertigung fand. nMit dem RCZ baut Peugeot einen Wagen, der tatsächlich keinem anderen ähnlich sieht. Die flache Linie, die enormen Schwünge der hinteren Kotflügel und vor allem Dach und Rückscheibe, die sich in einer Doppelhaube über den Köpfen von Fahrer wölben. Das typische Haifischmaul wurde leicht modifiziert, der Rachen auf ein erträgliches Maß gestutzt. Sehr auffallend sind die Bögen der Dachholme im Alu-Look, ein Designelement, das auch Audi gern verwendet. Manchen Betrachter soll der RCZ an den Audi TT erinnert haben, tatsächlich kann man diese Assoziation kaum nachempfinden, wenn man erst vor dem Franzosen steht.

Perfekt versteckte Abstammung

Kein Wagen verleugnet seine Abstammung damit energischer als der rassige RCZ. Wenn man ihn auf dem Asphalt lauern sieht, darf man schon mal von einem Supersportwagen träumen, und muss nicht an den biederen 308 denken – und dabei entspricht die Fahrzeugbasis im Wesentlichen dem kompakten Standardfahrzeug. Peugeot will Gefühle wecken und ohne Frage ist der RCZ ein sehr emotionales Auto. Doch heutzutage sind Sportwagenfans nicht mehr Männer mit Nehmerqualitäten wie einst Paul Newman, sondern genauso bequem wie der Rest der Welt. Folglich verlangt der RCZ seinen Insassen nichts ab. Die Türen öffnen weit, der Einstieg dürfte auch älteren Semestern leicht fallen. Die sportlichen Sitze bieten auch beleibten Insassen viel Raum. Als 2+2 Sitzer ist der RCZ eine ehrliche Haut „+2“ bedeutet „Notsitz“ und fürs Notprogramm reicht das hintere Gestühl aus. Außer kleinen, gelenkigen Kindern möchte man den Aufenthalt allerdings niemand zumuten. Doch mit zwei Personen an Bord ist der RCZ eine feine Sache. Der Kofferraum fällt mit 321 Litern schon im Normalzustand relativ üppig aus, durch Umlegen der Rücksitze gelingt es, ihn auf fast 700 Liter zu vergrößern. Das reicht für zwei Personen immer aus. Der RCZ sieht zwar nach Mittelmotor aus, entpuppt sich dann aber doch als 308-Ableger. Auch die Peugeot-Auskunft, man könne ein Fahrrad in ihm unterbringen, scheint glaubhaft, wenn man denn Vorderrad und Sattel entfernt.

Sportlich, aber nicht allzu sportlich

Die Plätze in der ersten Reihe sind großzügig, die Sitze für französische Verhältnisse sehr sportlich unterstützend geschnitten. Genauen Beobachtern fallen im Cockpit einige Entsprechungen zum 308 auf, aber der sportliche Look überwiegt. Sehr schön kann man hier das wachsende Qualitätsbewusstsein des französischen Massenherstellers bewundern.

Das Lenkverhalten ist präzise, aber auch gewohnt komfortabel. Von sportlicher Sensibilität oder Nervosität findet sich keine Spur. Wenn das Fahrwerk des RCZ insgesamt auch sportlicher abgestimmt wurde, gibt es keine Komforteinbußen. An den Vierzylindern von Peugeot gibt es in letzter Zeit nichts auszusetzen. Subjektiv bewertet macht der vorgestellte 200 PS Benziner deutlich mehr Spaß als der Diesel. Der 1,6-Liter-Motor entstammt der Kooperation mit dem BMW-Konzern. Wie die anderen Varianten des Triebwerks überzeugt auch dieser Motor. Dem Benziner fehlt es nur untenherum ein wenig an Luft, um den Alltagsverbrauch gering zu halten. Richtig munter wird der Motor, wenn er über 4500 Umdrehungen gehalten wird. Trotz des fantastischen Triebwerks benötigt der Spurt von null auf 100 7,6 Sekunden, da kommt ein ähnlich motorisierter Shiroco schneller in die Hufe. Der Normverbrauch mit 7,0 Liter wird in der Praxis sicherlich überboten, deutet aber zumindest an, nicht mit einem Schluckspecht unterwegs zu sein. Für Interessanten, die am RCZ-Design aber nicht an Autorennen interessiert sind, empfiehlt sich der Einstiegsmotor mit 156 PS, der immerhin 2.500 Euro günstiger ist. Beim 2,0-Liter-Diesel mit 163 PS und einem Preis von 28.950 Euro liegt der Dieselwumms schon im Drehzahlkeller an. Wirklich auszahlen wird sich der Diesel allerdings wegen des Minderverbrauchs nicht, typische Kilometerfresser werden kaum einen solchen Wagen wählen.

Attraktive Preise

Der RCZ ist ein extravagantes Auto zu einem sehr volkstümlichen Preis. Die Preisliste startet bei 26.450 Euro In den Preisen ist bereits eine sehr ansehnliche Ausstattung enthalten – so dass ein Interessent nicht noch mit enormen Extrakosten rechnen muss. Enthalten sind Klimaautomatik, 18-Zoll-Felgen, CD-Radio, Parksensoren fürs Heck und eine Ausstattung in einem täuschend echt wirkenden Lederimitat. Auf Audi TT und den BMW Z4 schauen, aber tatsächlich dem Scirocco Kunden abgewinnen, so sieht das Marktumfeld für den rasanten Franzosen aus. Der Wagen überzeugt mit auf sportlich getrimmten Alltagsqualitäten in einer extravaganten Hülle. Um die Hardcore-Sportfraktion zu überzeugen, müsste der RCZ allerdings eine deutliche Leistungssteigerung verabreicht bekommen. Peugeot hält sich bedeckt, aber angesichts des auffälligen Designs bietet sich der RCZ für Tuner geradezu an.

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