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Praxistest: Škoda Octavia 1.9 TDI: Gesunde Hausmannskost

Der Škoda Octavia ist wenig emotional. Eigentlich dröge. Aber ein guter Allrounder. Vergangenes Jahr war der Tscheche mit über 51.000 Zulassungen wieder Deutschlands beliebtestes Importauto. Ist er der bessere Passat?

Mit dem Octavia kann man die Damenwelt nur schwer begeistern. Und auch zum Eindruck schinden bei der Nachbarschaft gibt es besseres als den Importkönig. Die Zugehörigkeit zur Marke ist klar erkennbar – Motorhaube, Scheinwerfer und Kühlergrill inklusiv gefiedertem Pfeil sind typisch Škoda. Ebenso die niedrige Seitenlinie, Heckpartie und Rückleuchten.

Im Innenraum ist alles in bester Ordnung: Schalter, Hebel, Armaturen und Lüftungseinlässe stammen aus dem Konzernregal und sind gewohnt sinnvoll angeordnet. Die Instrumente im Cockpit sind klar gegliedert, übersichtlich und sehr gut ablesbar. Die Materialien fassen sich nicht hochwertig, aber durchaus gut an, alles ist ordentlich verarbeitet – lediglich in den Türen hätten etwas weniger Hartplastik sein dürfen.

Vorn sitzt man im Octavia ausgesprochen komfortabel. Die Sitze sind bequem und bieten guten Seitenhalt. Mit Hilfe des höhen- und längeneinstellbaren Lenkrades ist auch für groß gewachsene Fahrer eine optimale Sitzposition möglich. Auch die Passagiere im Fond dürfen sich dank eines Radstandes von 2,57 Metern über ausreichend Kopf- und Beinfreiheit freuen und sitzen auf allen Plätzen gut. Wirklich bequem haben es hinten jedoch allenfalls zwei Erwachsene.

Der Kofferraum ist mit 560 Litern einer der größten der Klasse und lässt sich durch Umlegen der 60:40 geteilten Rücksitze noch auf beeindruckende 1.350 Liter vergrößern. Im Normalfall 103 Zentimeter breit und 112 Zentimeter tief, ergibt sich dann ein 187 Zentimeter langer und 54 Zentimeter hoher Stauraum – leider mit einer stattlichen Schwelle von rund fünf Zentimetern und einer Ladekante von 72 Zentimetern über dem Boden. Trotzdem: In einem VW Golf stehen lediglich 350 bzw. 1.305 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung, von Beinfreiheit hinten ganz abgesehen.

Der 1.9-Liter-Turbodiesel mit Ladeluftkühler leistet 77 kW/105 PS bei 4000 U/min und scheint die ideale Basisbesetzung für den Mittelklasse-Škoda zu sein. Leise und durchzugsstark bringt er die 1,4 Tonnen schwere Limousine in 11,8 Sekunden auf Tempo 100 - und wenn gewollt, fast auf Tempo 200. Das maximale Drehmoment von 250 Nm liegt ab 1900 U/min an und verleitet zum schaltfaulen Fahren. Flott geschaltet und im Münchner Großstadtverkehr zügig gefahren verbrauchte der Testwagen mit 6,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer zwar deutlich mehr als der Hersteller angibt. Aber wer es bewusster angehen lässt, liegt in jedem Fall unter der Sechs-Liter-Marke.

Wohl aus Kostengründen baut Škoda beim Handschaltgetriebe nur fünf Gänge ein. Für einen sechsten wäre jedoch genügend Leistung vorhanden - außerdem ginge es dann oberhalb der Richtgeschwindigkeit leiser zu. Vielleicht ein Grund über die 1.500 Euro Mehrpreis für das Sechs-Gang-Direktschaltgetriebe nachzudenken.

Das Fahrwerk ist auf bekannt hohem Niveau - hier merkt man dem Octavia seine sehr gute Golf-Basis an. Der 4,57 lange Tscheche liegt ausgesprochen ruhig auf der Straße und fährt sicher, leicht untersteuernd und ohne Überraschungen durch Land und Stadt. Wer die flotte Gangart bevorzugt, wird die fein abgestimmte elektromechanische Servolenkung schätzen lernen, die mit wachsender Geschwindigkeit deutlich straffer wird.

Für Sicherheit sorgen bei der Elegance-Version unter anderem ABS, ESP, Bremsassistent, Nebelscheinwerfer, Regensensor, Fahrlichtassistent und Kopfstützen rundum. Schon im Serienpaket gibt es Klimaautomatik, Tempomat, elektrische Spiegel, elektrische Fensterheber rundum, Isofix-Kindersitzbefestigungen, Sitzheizung vorn und Parksensoren.

Mit einem Einstandspreis von 21.790 Euro ist der Škoda Octavia 1.9 TDI Elegance kein Schnäppchen mehr. Die Optionsliste ist lang und lässt mit Xenon-Scheinwerfern (faire 660 Euro), Metallic-Perleffektlack (350 Euro) bis hin zur Lederausstattung (1.490 Euro) kaum Wünsche offen. Eine Reifendrucküberwachung (50 Euro) sollte jedoch ebenso serienmäßig sein wie abblendbare Außenspiegel (290 Euro). Wer will: Als Kombiversion gibt es ihn für 2.450 Euro Aufpreis sogar mit Allradantrieb.

Pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.