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Skoda: Braves Kindchen

Ganz die Mutter. Die Autos der Marke Skoda sind grundsolide und bescheiden im Auftritt - echte Volkswagen eben. Das gilt auch für den Fabia, das neueste Modell der tschechischen Konzerntochter

Von Frank Janssen

Markenprodukte aus Tschechien sind hierzulande wenig verbreitet, haben aber unter Kennern einen eingeschworenen Freundeskreis. Das exzellente Pilsner Urquell gehört dazu, ebenso wie das Budweiser-Bier; Letzteres hat glücklicherweise mit dem gleichnamigen US-Gebräu nicht viel gemeinsam. Die Automarke Skoda (sprich: Schkoda) aus Mladá Boleslav, 60 Kilometer von Prag entfernt, genießt ebenfalls einen hervorragenden Ruf. Der neue Fabia, dies vorab, wird ihn eher festigen als aufweichen.

Zu Ostblockzeiten war Skoda ein Premiumprodukt, so etwas wie der Mercedes des Warschauer Pakts. Wer in der ehemaligen DDR einen Skoda fuhr, wurde beneidet. Die Autos waren robust und zuverlässig und verfügten außerdem über Viertaktmotoren, was gegenüber der übel qualmenden ostdeutschen Zweitakt-Konkurrenz von Trabant und Wartburg den Stand der Technik repräsentierte. Ähnlich begehrt waren nur die russischen Ladas, aber die waren politisch nicht so korrekt, denn sie galten als Dienstwagen der Stasi. Außerdem hatte Skoda eine viel längere Tradition als Fahrzeugbauer vorzuweisen als die Russen. Die Tschechen galten darüber hinaus als sehr kreativ, wenn es darum ging, trotz sozialistischer Mangelwirtschaft ordentliche Autos auf die Räder zu stellen. Zu den überlieferten Qualitäten eines Skoda zählte der Aschenbecher im Schuhkartonformat. Es hieß, selbst starke Raucher konnten von Mladá Boleslav bis Wladiwostok fahren, ohne ihn ausleeren zu müssen. Und bei der Gelegenheit, so der Volksmund, konnte man auch gleich einen Ölwechsel anschließen.

Das erste Modell, das von der Übernahme durch Volkswagen Anfang der 90er Jahre profitierte, war der Favorit. Mit mehr als 500 Verbesserungen wurde das Auto aufgebrezelt. Danach kam der Felicia, ein wiederum stark überarbeiteter Favorit, beinahe schon auf dem Niveau von Westwagen. Dessen Nachfolger, der Fabia der ersten Generation, nahm die damals neue Plattform des VW Polo vorweg, war also schon fortschrittlicher als sein Bruder aus Wolfsburg. Für VW war Skoda von Anfang an ein Glücksgriff. 2006 überstieg die Produktion erstmals die Marke von einer halben Million Autos.

In Mladá Boleslav gibt es also neben stetig wachsenden Geschäftszahlen genug Gründe für ein starkes Selbstbewusstsein. Das schlägt sich auch im Design nieder. Ohne übertrieben auf die Retro-Schiene zu setzen, gelingt Skoda eine eigenständige Linie mit nostalgischem Hauch, der beim neuen Fabia vor allem durch die steil stehende Windschutzscheibe ausgedrückt wird. Bedeutet: In einem Fabia sitzt man aufrecht und mit guter Übersicht. Wohldosierte Emotionen also - um den Pokal des jugendlichsten Autobauers können sich die anderen raufen. Und daher kann der Fabia auch auf ein knallhartes Fahrwerk verzichten - seine ausgewogene Abstimmung sorgt für guten Komfort und präzise umgesetzte Lenkmanöver.

Vernunft ist schließlich der Kern der Marke - ein gutes Raumangebot und solide Technik zu einem günstigen Tarif. Die Preise beginnen bei 9990 Euro. Das ist okay. Weniger okay ist der Verbrauch der beiden Dreizylinder-Benziner der Einstiegsmodelle. Er liegt schon als Normwert bei 5,9 Litern, und das kann in der Praxis einen Kosum von rund acht Litern bedeuten - für ein Auto der Polo-Klasse zu viel. Wer sparen will, muss leider zunächst mehr Geld in einen Diesel investieren.

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