SsangYong Kyron Zu Frauen zart, im Gelände hart


Innen wartet Edel-Ambiente mit Kuschelfaktor, unten drunter lauert der Leiterrahmen für die harten Pisten des Lebens. Die Geländemarke bringt einen Offroader, der absolut Shoppingmeilen tauglich ist.
Von Gernot Kramper/Telfs

Koreaner und Design? Vor kurzem musste man bei dieser Zusammenstellung noch lachen. Ausgerechnet Ssangyong bekennt sich seit kurzem zum Ziel, das Blech besonders edel zu falten. Ssangyong? Das ist doch der Koreaner, der solche Grob-Schroter wie den Musso und Korando vom Band in schweres Gelände plumpsen lässt. Bei diesen Heavy-Duty-Oldtimern wurde der Designer mit Sicherheit eingespart. Beim neuen Kyron nicht. Bereits auf den ersten Blick weiß der Geländegänger für sich einzunehmen.

Stramme Radläufe und die spannungsreichen Seitenlinien machen ihn zum vorzeigbaren City-Fahrzeug, das sich auch auf einer Nobelmeile nicht verstecken braucht. Überdies wirkt der Kyron zarter, als er tatsächlich ist. Kleine Schwachpunkte finden sich natürlich. Das Doppel-Leckermäulchen in der Front findet Ssangyong ganz toll, dabei muss es wahrlich nicht sein und die Rückleuchten im heraldischen Ritter-Lancelot-Stil hätte man vermeiden können. Aber diese Details fallen nicht weiter ins Gewicht. Der obligatorische Heckspoiler fiel so dezent aus, dass man ihn kaum bemerkt. Ein Glück, ziert den Rodius doch noch ein Bügelbrett. Der Kyron ist in seinem Segment mit Sicherheit ein leckeres Angebot. Ihn sollten sich vor allem auch diejenigen ansehen, die über die chinesischen Modelle auf der letzten IAA Hohn und Spott ausgeschüttet haben. Seit 2004 gehört Ssangyong dem chinesischen Automobilkonzern Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC) und dürfte mit seinen Modellen und dem Händlernetz nur die Vorhut einer breiten Marktoffensive sein. Angesichts der Geschwindigkeit mit der es die Koreaner schaffen, das Niveau ihrer Modellpalette nach oben zu schrauben, dürfte sich die Konkurrenz auf einiges gefasst machen.

Nur die Harten

Frauen können sich auch im Kostüm mit dem Kyron sehen lassen. Dabei bleibt der unter dem Blech den altbewährten Offroad-Glaubenssätzen treu. Der wichtigste lautet: Nichts ist so steif wie ein Leiterrahmen. Eine selbst tragende Karosserie wäre vielleicht leichter, aber würde im Gelände-Dauereinsatz erweichen. Manuell kann der Fahrer vom spritsparenden Hinterradantrieb auf Allrad umschalten, obendrein gibt es eine Geländeuntersetzung. Auch die Bodenfreiheit von 20 Zentimeter erlaubt Ausflüge ins Gelände, Steilhangabfahrten werden von HDC unterstützt. Das heißt, der Fuß berührt weder Gas noch Bremse, die Elektronik schleicht selbst herab.

Edel-Max

Wirklich staunen darf man im Innenraum in der teuersten Ausführung. Edle Ledersitze strömen gehobenes Ambiente aus. Cockpit und Mittelkonsole arbeiten mit großen Kreisformen, in denen Bedienelemente und Schalter unorthodox, aber funktional angeordnet sind. Die Kunststoffe wirken mattiert und sehr angenehm. Wer die älteren Modelle der Marke kennt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Alle Achtung, in seiner Preisklasse macht dem Kyron gewiss niemand etwas vor. Allein das Radio wirkt wie ein Fremdkörper. Kein Wunder, das ist es auch. Kleiner Vorteil. Der Kunde muss nicht die teuren Geräte ab Werk nehmen, sondern kann sich sein Radio selbst kaufen. Für einen SUV fällt der Kyron mit einer Länger von 4,66 Metern noch "kompakt" aus, bietet aber angenehmen Raumkomfort. Die Ledersitze sehen nicht nur edel aus, sie sind auch gut konturiert und bieten angemessenen Seitenhalt. Der Kofferraum fasst 625 Liter, mit umgelegter Rückbank werden es bis zu 2.322 Liter.

Ein Auto = ein Triebwerk

Unter der Haube werkelt ein 2,0-Liter-Diesel mit Commonrail-Direkteinspritzung, der in Mercedes-Linzenz gebaut wird. Für den Vier-Zylinder gibt es zwar eine Nachrüstlösung für einen Partikelfilter, aber er schafft nur die Euro-3 Norm. Die Ingenieure von Ssangyong arbeiten zwar an einer Euro-4-Optimierung, doch zum Verkaufsstart wird sie nicht verfügbar sein. Trotz der 141 PS und eines Drehmoments von 310 Nm ist die Leistung nur "befriedigend". Subjektiv betrachtet macht der Zwei-Tonner zwar einen ganz behänden Eindruck, spätestens beim Überholen landet man aber auf dem Boden der nackten Tatsachen. Um auf 100 km/h zu kommen, benötigt der Kyron mit Automatik lange 14,2 Sekunden, mit Handschaltung werden es urzeitliche 16,2 Sekunden. Bei 166 km/h hat der behäbige Vorwärtsdrang dann ein Ende. Der Verbrauch soll bei 8,4 Liter Diesel (Automatik) liegen, die Handschaltung soll sich mit 7,7 Liter begnügen. Schaltung und Straßenlage machen dafür Freude, der Reisende wird weder unziemlich durchgeschüttelt, noch durch die Kurven geschaukelt. Mit einem PKW oder einem X3 kann der Kyron aber nicht mithalten.

Drei Varianten stehen zur Wahl, die nur an einer Achse angetriebene Basisversion gibt es für 23.900 Euro, der Allradler beginnt bei 26.900 Euro. Die serienmäßige Ausstattung ist umfangreich, die Aufpreisliste kurz. Empfehlung ist das Spitzenmodell 200 Xdi s 4x4. es steht stramm auf 18-Zoll-Felgen und es hat elektrisch verstellbare Ledersitze an Bord. Jetzt kostet der Kyron allerdings 29.400 Euro.

Muss man lieben

Unangenehm fällt beim Kyron die Euro-3-Einstufung aus. Die gedämpften Fahrleistungen kauft der Kunde bei der Entscheidung für einen Offroader mit ein. Einzige Möglichkeit, einen Zwei-Tonner sportlich zu bewegen, wäre leider ein Überangebot an Leistung. In der Preisklasse des Kyron macht es sicherlich mehr Sinn, sich mit 140 PS zu bescheiden. Die Offroad-Fähigkeiten würden einen echten Geländeeinsatz erlauben. Die Sicherheitsreserven, die heutzutage ein moderner Allradantrieb mit elektronischen Helferlein bietet, gibt es beim manuellen Umschalten freilich nicht. Weil es keinen Einstiegs-Benziner gibt, ist der Kyron nicht gerade ein Schnäppchen. Angesichts von Aussehen, Verarbeitung und Ausstattung ist der Preis fair.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker