Subaru Impreza WRX STi Die Japan-Rakete


Subaru baut Allrad-Autos, die bei Jägern und Landwirten beliebt sind. Schlicht, praktisch und äußerst emotionslos - Und schon wieder ein Vorurteil, das sich von dieser Welt verabschiedet ...

Subaru baut treue Allrad-Autos, die bei Förstern, Jägern und Landwirten beliebt sind. Schlicht, praktisch und äußerst emotionslos - Und schon wieder ein Vorurteil, das sich von dieser Welt verabschiedet ...

Rennsport für die Straße

Von der deutschen Öffentlichkeit beinahe unbemerkt, spielt Subaru zwar auf unseren Straßen kaum, dafür aber in der Rallye-Weltmeisterschaft eine entscheidende Rolle. Richard Burns durfte in dieser Saison seinen Super-Subaru als Weltmeister direkt vor dem Siegerpodest parken. Höchste Zeit, dass sein Arbeitsgerät, der Subaru Impreza WRC, auch als »zivile« Straßenversion zu den Händlern kommt.

Erste Tests in Frankreich

Herausgekommen ist dabei der Subaru Impreza WRX STi, der auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt seine Europa-Premiere feierte. Das Signal von Journalisten und Besuchern war eindeutig: her mit diesem Auto! Eine erste Horde von Auto-Jounalisten durfte dem schicken Japaner jetzt in Frankreich auf den Zahn fühlen.

Von Understatement keine Spur

Vom Ur-Impreza ist bei der Radikalkur wenig übrig geblieben. Ein wuchtiger Frontspoiler bedeckt das ansonsten dezente Impreza-Näschen, aus der Motorhaube sprießt ein knubbelige Lufthutze und die Knopfaugen-Klarglasscheinwerfer sucht man beim Normalo-Impreza selbst auf der Aufpreisliste vergebens. Die ohnehin nicht gerade dezente Seitenline wird von riesigen Seitenschwellern und goldenen Felgen dominiert, die nur noch vom riesigen Heckspoiler und dem mächtigen Auspuffrohr am Heck übertroffen werden. Spitznamen für den Heckspoiler waren unter den Journalisten schnell gefunden: Käsemesser, F-Jugend-Fußballtor oder einfach nur »Ding« - so richtig begeistert war keiner von der protzigen Ausstattungslinie »Prodrive Style«. Wer es dezenter haben möchte, sollte sich mit dem normalen WRX STi anfreunden. Der schiebt einen dezenteren Frontspoiler vor sich her und schmückt sich am Heck nur mit einem kleinen Stummel-Flügel.

Exklusiver Vierzylinder

Wichtig ist nur, dass in beiden Super-Subarus das gleiche Herz pocht. Knapp unter dem Luftloch der Motorhaube beginnt die Vorstufe zum Motorsport. Der Vierzylinder-Boxermotor wurde exklusiv für den sportlichsten aller Imprezas entwickelt. Federführend war dabei Subaru Tecnica International (STi), ein Subaru-Tochterunternehmen, von dem der Impreza WRX auch seinen Namen hat. Dank Abgas-Turbolader und zwei Litern Hubraum schicken die horizontal angeordneten Zylinder 265 PS in Richtung Straße. Damit die Power dort auch verlustfrei ankommt, verteilen sich die 343 Newtonmeter, die ab 4000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stehen, gleichmäßig auf alle vier Antriebsräder.

Soweit die Theorie. Was die vorgenommenen Modifikationen tatsächlich auf der Straße bedeuten, zeigt sich bereits kurz nach dem Anlassen des Motors.

Sportliche Härte

Ein kurzer Dreh am Zündschlüssel, ein schnelles Fauchen und schon nehmen die vier Töpfe blubbernd ihre Arbeit auf. Die engen Sportsitze erleichtern zwar den Einstieg nicht gerade, sind aber bei diesem Motorengeräusch ein willkommener Halt für die flatternden Nerven. Ein leichtgängige Kupplung ist was für Weicheier, also verzichtet auch der Impreza WRX STi darauf. Es verlangt schon einen sportlichen Tritt, um das linke Pedal in Bewegung zu setzen. Ähnliches gilt auch für die aluminiumgeschmückte Schaltkulisse. Mit fester Hand den ersten Gang eingelegt und los geht der Ausflug in die Welt des Motorsports.

Imposante Fahrleistungen

Um es auf den Punkt zu bringen, was nach dem Start mit dem Impreza WRX STi passiert, lässt sich rational kaum erklären und von Fahranfängern schon gar nicht beherrschen. Schon ein dezenter Tritt aufs Gaspedal katapultiert das blaue Geschoss voran. Der fordernde Vierzylinderzylinder ist mit Nachdruck darauf bedacht, seine volle Leistung zu entfalten. Wer es auf die reinen Fahrleistungen anlegt, den befördert der STi in nur 5,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer (Zum Vergleich: Ein Porsche 911 benötig 5 Sekunden), die Beschleunigungsorgie ist erst im sechsten Gang und bei 238 km/h zu Ende. Für den Fall, dass es den vier Zylindern unter der langen Motorhaube zu heiß werden sollte, haben sich die japanischen Rennsport-Profis den Overboost-Knopf ausgedacht. Links unterhalb des Lenkrades betätigt, sorgt der kleine Schalter dafür, dass Wasser auf den Ladeluftkühler gespritzt wird. In Theorie und Praxis für das dazu, dass die Motortemperatur kurzfristig sinkt und die Leistung steigt.

Der, der den Magen quält

Sein ganzes Potential entfaltet der Japan-Renner aber abseits der geraden Asphalt-Pisten. Enge Landstraßen und verwinkelte Serpentinen sind das bevorzuge Impreza-Jagdrevier. Selbst brutalste Kurvenritte quittiert der Impreza mit einem gutmütigen Schieben über beide Achsen. Ein kurzes Lupfen des Gasfußes und ein fester Griff am Lenkrad genügen, schon geht es wieder wie auf Schienen durch die restliche Kurve. Spätestens in solchen Momenten ist man seinem Schöpfer für einen robusten Magen und Subaru für perfekte Sportsitze und serienmäßige 17-Zoll-Walzen dankbar. Wer schneller um eine Kurve möchte, sollte sich eine Rakete kaufen ...

Billiges Plastik

Wie jeder Suchtauslöser hat auch der Subaru Impreza WRX STi negative Seiten. Das Innenraumdesign zählt zweifelsohne dazu. Trotz Alulook und zentralem Drehzahlmesser (wer kuckt bei so viel Fahrspaß schon auf den Tacho), dominiert immer noch billiges Japan-Plastik das Armaturenbrett. Die wahre Spoiler und Knubbel-Wut der Karosserie-Designer verhilft dem STi zwar zu einem imposanten, aber auch eben auch prolligen Auftritt. Vielleicht hätten sich die Japaner mal bei einem Audi S4 anschauen sollen, wie man einen Supersportler dezent verhüllt.

Fazit

Trotzdem bleibt zu befürchten, dass die 500 Impreza WRX STi, die Subaru 2002 in Deutschland verkaufen möchte, nicht ausreichen werden. Dafür ist der Preis von 69 021 Mark (35 289 Euro) einfach zu verlockend. Für ungefähr 6000 Mark Aufpreis bekommt man dann auch, die in Frankreich vorgestellte »Prodrive«-Version mit Monster-Heckspoiler. Für ähnliche Fahrleistungen und vor allem Fahrspaß muss man in Zuffenhausen locker das Doppelte überweisen.

Von Jochen Knecht


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker