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Subaru Legacy: Erster Boxer-Diesel der Welt

Kopfschütteln. Das war alles, was der Subaru-Verkäufer dem Kunden bislang bieten konnte, wenn dieser nach einem Diesel fragte. Vorbei. Ab März kommt der Legacy mit einer Selbstzünder-Sensation: dem ersten Serien-Boxer-Diesel der Welt.

Von Michael Specht

Wer zu spät kommt, den bestraft gewöhnlich das Leben. Zumindest in der hart umkämpften automobilen Mittelklasse. Wer hier keinen Diesel im Angebot hat, kann eigentlich einpacken. Denn in Europa nagelt durchschnittlich unter jeder zweiten Neuwagenhaube ein Selbstzünder. Bloß bei Subaru nicht. Der weltgrößte Allrad-Pkw-Produzent steckte in einem technischen Dilemma. Bis auf den kleinen Justy arbeiten in allen Modellen Boxermotoren. Auch ein Diesel müsste daher liegende Zylinder haben, um mit dem Antrieb zusammen zu passen. Einen solchen Motor gab es bislang weltweit nicht.

Noch nie hat ein Pkw-Hersteller den Versuch unternommen, einen Diesel-Boxer in Serie zu bauen. Als Benziner gilt diese Motorart als sehr laufruhig. Weil Massenkräfte sich aufheben, benötigt die Kurbelwelle auch keine Ausgleichswellen. Zudem hilft die flache Bauweise des Boxers, den Schwerpunkt im Auto zu senken. Dies verbessert die Fahreigenschaften in Kurven.

Carl Benz erfand Boxermotor

Erfunden wurde der Boxermotor 1896 von Carl Benz, der ihn Contra-Motor nannte. VW baute ihn millionenfach in den Käfer ein. Als Sechszylinder beschleunigt er heute Porsche-Modelle auf über 300 km/h, als Zweizylinder sitzt er in BMW-Motorrädern. Zwar kann auch Subaru beim Otto-Boxer auf eine über 40-jährige Erfahrung zurückgreifen, doch in Kombination mit einer Hochdruck-Dieseleinspritzung betreten die Japaner Neuland. Und das Niveau, das beispielsweise BMW, Volkswagen und Honda mit ihren sanft laufenden Diesel-Aggregaten vorgegeben haben, liegt extrem hoch.

In der Ruhe liegt die Kraft

Um so mehr überraschte der erste Fahreindruck im nun weltweit ersten Diesel-Boxer. Der 150 PS starke Vierzylinder im Legacy hat das Zeug, in Sachen Laufkultur neue Maßstäbe zu setzen. Nur kurz nach dem Kaltstart und beim Anfahren ist noch etwas von seinem Arbeitsprinzip zu hören. Während der Fahrt verschwinden die Motorgeräusche nahezu völlig. Selbst bis zur Höchstdrehzahl bleibt der Diesel extrem ruhig. Hinzu kommt die gute Elastizität des Diesel-Boxers. Den Verbrauch in der Stadt gibt Subaru für den Kombi mit 7,1 Liter pro 100 km an, im Mix sollen es nur 5,7 Liter sein. Für die Wagengröße ein durchaus sparsamer Wert.

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Eine Rüge nur beim Ruß

Einen Lapsus leistet sich der Allrad-Hersteller nur beim Rußpartikelfilter. Stand der Technik ist heute ein geschlossenes System. Der Legacy besitzt ein offenes und damit eine nicht so wirkungsvolle Reinigung der Abgase. Jens Becker, Geschäftsführer von Subaru-Deutschland, redet dieses Manko gar nicht erst schön: "Wir wurden während der Entwicklung des Motors von der Rußfilterdebatte in Deutschland überrascht und konnten nicht mehr rechtzeitig reagieren." Noch in diesem Jahr aber soll es ein geschlossenes System geben, verspricht Becker.

2500 Diesel plant Subaru, monatlich in Europa abzusetzen. Ein ambitioniertes Ziel, denn das wären knapp die Hälfte aller verkauften Modelle. Preislich will man sich mit dem Legacy genau zwischen Audi A4 und 3er-BMW positionieren, also bei knapp unter 30 000 Euro beginnen. Als zweite Station steht 2010 die USA auf dem Programm. Doch hierfür ist noch Einiges zu tun. Der Boxer muss "clean" werden. Zurzeit schafft er die strengen amerikanischen Abgasgesetze nicht.

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