Suzuki Swift Der Zweit-Coolste


Wer den schärfsten Wagen in seiner Preisklasse anbietet, sollte den kleinen Klassiker nicht durch Neuerungen verhunzen, sagt man sich bei Suzuki und lässt die vierte Generation seines Bestsellers Swift fast wie den Vorgänger aussehen.
Von Michael Specht

So ganz hat es nie gereicht. Gegen die britische Kult-Kiste im Retro-Look ist einfach schwer gegen anzukommen. Der Mini bleibt die coole Nummer eins. Aber danach könnet schon der Swift kommen – und dies bei sehr günstigeren Preis. Der Swift idt der einzige japanische Kleinwagen, dem man sportliches Charisma ins Blech gepresst hat. Und dies nicht erfolglos. Der Swift ist in Europa der Bestseller des Klein- und Geländewagen-Spezialisten aus Japan. Über ein halbe Million wurden europaweit seit dem Debüt 2005 abgesetzt, rund 80.000 waren es in Deutschland. Gebaut wird die Neuauflage des Swift weiterhin im ungarischen Suzuki-Werk Esztergom. Am 10. Juni startete man die Produktion. Im Oktober beginnt der Verkauf.

Außen knackig, innen großzügig

Der Swift bleibt sich treu, ist sofort wieder als Swift auszumachen. Weit außen platzierte Räder und kurze Überhänge lassen die Karosserie knackig wirken und schaffen günstige Proportionen. Steile Scheiben und schwarz lackierte A- und B- Säulen erinnern weiterhin an den Mini und lassen in Verbindung mit der ansteigenden Gürtellinie die Frontscheibe wie ein großes Helmvisier aussehen.

Mit seiner um neun Zentimeter gestreckten Karosserie (3,85 Meter) bleibt der Swift zwar noch immer rund 15 Zentimeter unter seinen deutschen Konkurrenten Polo, Corsa und Fiesta, ist aber im Innenraum gefühlt keinen Deut enger. Vorne haben auch Großgewachsene gut Platz und finden hinter dem in Höhe und Tiefe verstellbaren Lenkrad (ab Ausstattung Comfort) eine angenehme Sitzposition. Das Raumgefühl ist großzügig. Auch hinten geht das Platzangebot in Ordnung. Man darf in dieser Fahrzeugklasse halt keine Business-Class erwarten. Der Swift ist ein Kleinwagen, dessen täglicher Einsatz sich hauptsächlich in der Stadt abspielt, mit dem Mutti ihre Tochter von der Schule abholt oder mit ihrer Freundin zum Shoppen fährt. Für Letzteres hätten sich die Entwickler allerdings etwas mehr Mühe geben. Ein tiefer Kofferraum (211 Liter) mit hoher Ladekante (25 Zentimeter) sowie lediglich umklappbare Rücksitzlehnen, die eine große Stufe im Boden zurück lassen, sind nicht mehr zeitgemäß.

Downsizing zur Verbrauchssenkung

Weniger Hubraum, weniger Verbrauch, aber mehr Leistung. Mit dieser Maxime gingen die Suzuki-Ingenieure an die Überarbeitung der Motoren. Zwar zählten schon die bisherigen Antriebe im Swift zu den sparsamsten im Segment, doch kein Hersteller kann es sich heute noch leisten, ein neues Modell in den Markt zu schicken, was nicht die Werte des Vorgängers unterbietet. Der 1,3-Liter-Saugbenziner schrumpfte auf 1,2 Liter und leistet mit 94 PS zwei mehr als zuvor, verbraucht aber statt 5,8 nur noch 5,0 Liter je 100 Kilometer nach EU-Norm (116 g CO2/km). "Dies entspricht einer Reduzierung von 17 Prozent", sagt der Chefentwickler Naoyuki Takeuchi. Erreicht wurde dies durch bessere Einspritztechnik, die erstmals verwendete doppelte variable Ventilsteuerung (VVT) und der Verringerung von Reibung aller beweglichen Teile. Eine optionale erhältliche Start-Stopp-Automatik soll weitere 0,2 Liter Verbrauchsminderung bringen.

Unten rum etwas müde

Bei einer ersten Probefahrt zeigte sich der Swift zwar als recht quirliger Geselle und sein Vierzylinder dreht agil und ohne störende Vibrationen hoch, doch man merkt auch, dass die Fokussierung der Ingenieure eindeutig auf dem Verbrauch lag und mit Durchzugsschwäche im unteren Drehzahlbereich erkauft wurde. Wer flott unterwegs sein will, muss eifrig zum Schalthebel greifen.

Dennoch: Insgesamt wirkt der Swift harmonisch abgestimmt. Die Gänge lassen sich exakt und leicht wechseln, so dass zusammen mit der elektrischen Lenkung ein handliches Fahrgefühl entsteht. Mitverantwortlich sind da sicher auch die jetzt 16 Zoll (zuvor 15“) großen Räder, die Suzuki dem Swift bereits ab Werk spendiert. Auch am Komfort gibt es nichts zu mäkeln, weder von Seiten des Fahrwerks, noch von den Windgeräuschen her. "Die Karosseriesteifigkeit wurde gegenüber dem Vorgänger erheblich verbessert", sagt Takeuchi. Trotzdem geriet der Swift nicht schwerer, sondern hat sogar noch 20 Kilo abgespeckt. Auch das ist Downsizing. Als zweite Motorisierung bietet Suzuki den aus dem Splash bekannten 1,3-Liter-Diesel an, den jedoch in Deutschland nur zirka fünf Prozent kaufen. Der weiterhin 75 PS starke Selbstzünder erhielt anders geformte Brennräume und eine geringere Verdichtung, wodurch die Laufruhe zu- und der Verbrauch abnahm. 4,2 Liter, entsprechend 109 g CO2/km, sind neun Prozent weniger als zuvor.

ESP und sieben Airbags serienmäßig

Bei der Sicherheitsausstattung ging Suzuki kein Risiko ein und stattete den neuen Swift in allen Versionen mit ESP und sieben Airbags aus, inklusive Knieairbag für den Fahrer. Mehr mit dem spitzen Bleistift gerechnet wurde dafür auf der Komfortseite. Um den Einstiegspreis so niedrig wie möglich zu halten – unter 11.000 Euro – wird es den Swift erstmals in der Ausstattung Basic geben. Hier fehlen unter anderem Klimaanlage und ein verstellbares Lenkrad. Wer mehr will, muss sich mit Preisen zwischen 13.000 und 14.000 Euro anfreunden. Suzuki-Marketing-Mann Stefan Gundelach weiß aus Erfahrung, dass dies beim Swift neun von zehn Kunden auch tun.


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