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Toyota Aygo: Der Kleine für die Jungen

Mit dem Aygo will Toyota die städtische Jugend erobern. Seine Vorzüge heißen Toyota-Qualität, geringer Verbrauch und flottes Äußeres. Obendrein macht Toyota jungen Fahranfängern ein heißes Angebot.

Toyota entdeckt die Jugend, und das tut auch Not: Der durchschnittliche deutsche Toyotafahrer ist deutlich über fünfzig. Bedenkt man, dass Toyota mit dem Rav4 bereits ein sehr jugendliches Fahrzeug im Programm hat, dürfte der Rest der Toyotaflotte meistens vor Altentagesstätten parken. Neue Kunden gewinnt man mit neuen Autos, junge Kunden mit jungen Autos. Für sie baut die japanische Hochqualitätsschmiede den Aygo in einem Gemeinschaftsunternehmen, in dem ausgerechnet Citroen seinen C1 und Peugeot den 107 fertigen. Die Franzosen besorgten die Innenausstattung, die Japaner lieferten die technische Entwicklung. Unterschiede zwischen Aygo, Peugeot 107 und Citroen C 1 liegen im Design.

Toyota kann auch billig

Der Aygo startet mit taschengeldfreundlichen 8.950 Euro für den Dreitürer in der Basisausstattung und liegt damit auf dem Niveau des VW Fox. In der empfehlenswerten City-Ausstattung kommt der Dreitürer auf 9.950 Euro. Fünf Türen kosten 350 Euro mehr. Bei den Motoren gibt es zurzeit lediglich einen Benziner, aufrüsten durch mehr und teurere Leistung ist also nicht möglich. Erst später wird ein Diesel aus PSA-Produktion nachgereicht. Der dreizylindrige 1,0-Liter-Benziner mit 68 PS stammt von Toyota. Er wird auch die beiden Schwestermodelle Citroen C1 und Peugeot 107 antreiben. Im Test hinterließ der Dreizylinder einen zwiespältigen Eindruck. Sein großes Plus ist der geringe Verbrauch von unter Fünf-Litern im Mix. Im Stadtbereich kann man ihn durchaus als "quirlig" bezeichnen, wenn man bereit ist, ihn permanent über 4000 Umdrehungen zu halten. Das bedeutet, dass man innerorts den zweiten Gang nicht verlässt. Ob getreten oder gestreichelt, die drei Zylinderchen machen Rabatz für sechs. Toyotas Kleiner ist eine echte Krawallschachtel, der schwächliche Motor legt seinen Ehrgeiz in das Erzeugen einer gewaltigen Schallkulisse, das nervt bereits in der Stadt. Auf der Autobahn oder Landstrasse stößt die Motorisierung schnell an ihre Grenzen. Das bedeutet, man darf mitfahren, aber mehr ist trotz 157 km/h Spitzengeschwindigkeit nicht drin. Die Beschleunigung wirkt ab 90 km/h mehr als zäh. Für den einmaligen Ausflug aus der Stadt kann man damit sicher sehr gut leben, aber beim Einsatz auf dem flachen Land, wo auch auf der Landstraße überholt werden soll, wird man sich auf Schweißausbrüche einstellen müssen. Dafür liegt das Fahrwerk fest und ruhig auf der Bahn, nur beim Beschleunigen in Kurven zerrt der Antriebsstrang an der Lenkung. In der Innenstadt macht der übersichtliche Kleinwagen gute Laube. Mit kompakten Ausmaßen und dem hier durchaus spürbaren Temperament kann man auch dem Berufsverkehr spaßige Seiten abgewinnen.

Knuddel mich

Jung, frisch und dynamisch: Der 3,41 Meter kurze Aygo ist in der Tat ein jugendliches Fahrzeug, das viele kleine Eye-Catcher bereithält. Sehr ausdrucksvoll sind die Scheinwerfer gestaltet, die ausgestellten Radkästen wirken markant, und die tropfenförmigen Rückleuchten schließen den Wagen ab. Die ansteigende Seitenlinie, die kurzen Überhänge und die Stoßfänger und Seitenschweller geben dem Fahrzeug den richtigen Pfiff. Für einen Wagen dieser Preisklasse wirkt der Aygo durchaus begehrlich und vor allem nicht billig. Mit 130 Litern ist der Kofferraum allerdings sehr knapp gehalten. Zwei Getränkekisten lassen sich darin mit einigen Verrenkungen unterbringen. Wird die Rückbank heruntergeklappt, vergrößert sich der Stauraum auf 782 Liter. Auf den Vordersitzen sitzt man erstaunlich großzügig und bequem. Die Rücksitze ist Erwachsenen zuzumuten, aber wohl fühlen wird sich da auf Dauer niemand. Der Innenausstattung punktet mit einer soliden Qualität, ob manche Details eher "trendy" oder eher "nervig" sind, ist am Ende eine Geschmacksfrage. Nur Drehschalter und die hintergrundbeleuchtete, durchsichtige Schalteinheit der Lüftung wirken einfach nur billig. Die Sonderausstattungsliste jenseits der Ausstattungslinien ist kurz: eine Klimaanlage für 950 Euro sowie ein nettes, einfach zu bedienendes Navigationsgerät von TomTom (650 Euro).

Safety First

Anders als manche Mitbewerber lässt der Aygo seine Insassen auch beim Crash nicht in Stich. Sicherheit: Front-, Seiten- und Vorhangairbags gehören zur Serienausstattung. Eine elektronische Stabilitätskontrolle ist geplant, wird aber erst im nächsten Jahr verfügbar sein.

Ihr Kinderlein kommet

Der Aygo überzeugt mit Verbrauch, flottem Design und der guten Sicherheitsausstattung. Weniger schön ist der laute Motor, auch in Sachen Stauraum und Variabilität des Innenraums wird hier keine Meisterleistung geboten. Um junge Leute zum Kauf zu bewegen setzt Toyota aber nicht allein auf hippe Werbung, sondern auf den Satz: "Nur Bares ist Wahres". Für Führerscheinanfänger und Käufer unter dreißig wird der Aygo vom Start weg mit sehr attraktiven Versicherungs- und Finanzierungsangeboten angeboten. Bei Rabattschlachten hält sich Toyota sonst vornehm zurück, aber bei den lieben Kinderlein wird auch bei Toyota der Preis wirklich heiß.

Gernot Kramper
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.