HOME

Volkswagen Tiguan: Ausflug mit dem Geländelurch

Eigentlich ist er nur ein aufgepimpter Golf Plus mit Allradantrieb und dennoch ist die ganze Welt verrückt nach dem Volkswagen Tiguan. Beim Tiguan gilt mal wieder das Wolfsburger Gesetz: Die letzten werden die ersten sein.

Schlüssig kann auch der Tiguan die Frage nicht beantworten, warum die Leute unbedingt einen SUV haben wollen. Mit ihm fährt man zumindest einen, ohne sich mit den Nachteilen eines echten Offroaders herumplagen zu müssen. Das optionale Geländepaket, verstärkt die ersehnte Wald- und Wiesenoptik. Kunststoffplanken bieten leichten Schutz und hochgezogene Schürzen machen Steigungen befahrbar, ohne dass gleich die Kunststoffunterlippe daran glauben muss. Für den deutschen Gebrauch – unbefestigte Waldwege und Hänger ziehen auf der nassen Wiese – sollte es hinreichen.

Volkswagen setzt Standards

Mit 170 PS und dem Zwei-Liter-TSI-Benziner ist der Tiguan mehr als ordentlich motorisiert, eben für die Familie mit dem Sinn für "mehr". Der Motor schnurrt und es ist eine Freude mit dem Wagen zu fahren. Vollbesetzt, mit Dachaufbauten und hohen Geschwindigkeiten konnten die Verbrauchsangaben erwartungsgemäß in der Praxis nicht erreicht werden, hielten sich aber doch in einem Rahmen, der den angebenen Mix-Verbrauch von 8,9 Litern als realistisch erscheinen lässt. Die Sechs-Gang-Handschaltung ist präzise und genau. Der Tiguan nimmt das Gas in allen Lebenslagen willig an und zieht durch bis zur Höchstgeschwindigkeit. Lenkung, Bremsen: Volkswagen legt eine sehr hohe Latte an. So hoch, dass nur die beiden Platzhirsche BMW X3 und Audi Q5 drüber kommen. Aber was sind das auch für Autos. Der Tiguan ist letztlich die mehrfach aufgewertete Version eines Golf und beim Q5 steckt der nagelneue A4 drunter.

Qualität und Variabilität

Neben den Fahrleistungen gefällt die Qualität der Verarbeitung. Im Innenraum merkt man nicht nur an optischen Details die Verwandtschaft zu Touran und Golf Plus. Über die Ähnlichkeit der Doppellüftungsringe wird sich nur derjenige erregen, der auch weiß, dass die gleichen Teile im Golf Plus verbaut werden. Volkswagen hingegen weiß vor allem, wie man Fahrzeugen mit normaler Größe zu ahnsehnlichen Innenräumen verhilft. Man wundert sich, was man im Tiguan alles klappen, stauen und verschieben kann. In einem "echten" Offroader ist das selten der Fall. Sicher, im Tiguan geht es nicht zu wie im Umzugwagen wie dem Q7. Kräftig gebaute Männer von 190 Zentimeter Größe werden sich auf der Rückbank eines Kompaktwagens nicht wohl fühlen. Überraschung aber auch, wenn man bemerkt, wie wenig zusätzlichen Platz die Allradlösung "4motion" benötigt. Unter dem Kofferraum befindet sich kein Reserverad mehr, dafür aber ein zusätzlicher weiterer Stauraum. Der kompakte Wagen reicht so für das Transportvolumen einer Familie vollkommen aus. Nur der Touran mit der Form eines rollenden Brotkasten bietet mehr. Allein Fahrräder und Sportgerät mussten beim Tiguan Dach verbannt werden. Wer mit kleinen Kindern reist, wird die verschiebbaren Hintersitze zu schätzen lernen. Sie schaffen im Kofferraum Platz für die Kinderkarre.

Der gute Kauf

Die Vorzüge des "weniger ist mehr" sieht man nicht zuletzt auf der Preisliste. Der gefahrene Testwagen kam in etwa auf 38.000 Euro. Wie immer gibt es in der Kalkulation kuriose Absonderlichkeiten wie den gesondert zu zahlenden herausnehmbaren Kofferraumboden. Aber alles in allem sind die Volkswagen-Preise fair. In der der Ausstattungstüte für 38.000 Euro liegen nicht nur die teuersten Felgen, sondern auch Lederausstattung, Bi-Xenon-Licht und das große Entertainment, der Einparkassistent und das Navigationssystem. Wird die edle Einkaufsliste etwas volkstümlicher zusammengestellt, sollte man auch für etwa 33.000 Euro einen hübschen Wagen zusammenbekommen.

Der Tiguan bietet viel Nutzwert und den Flair des Besonderen ohne in unerschwingliche Regionen abzugleiten. Vergleichbares kann nur der Ford Kuga aufweisen. Für Ford sicher ein schicker Wagen und ein großer Wurf, aber sicher reicht es nicht um den Tiguan hinter sich zu lassen. Möglich auch, dass der Kuga ein wenig günstiger im Kauf ist. Sicher ist hingegen, dass man beim Tiguan mit einem sehr guten Wiederverkaufspreis rechnen kann.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.