VW Polo Nesthäkchen in Pink


Der neue Polo setzt eigentlich auf innere Werte: Geringer Verbrauch und große Sicherheit. Ansonsten gibt sich der Polo eher schlicht. Für die nötige Extravaganz kaufte Volkswagen Sängerin Pink ein.
Von Peter Weyer

Ohne Weltrekord geht’s nicht. Der Polo mit "Blue Motion Paket", vermeldet Volkswagen zum Auftakt des Genfer Automobilsalons, "empfiehlt sich" als der zur Zeit "sparsamste und emissionsärmste Fünfsitzer-Diesel der Welt". Dürfte hinkommen, denn 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer und 96 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer des 90 PS starken 1,6 Liter Dieselantriebs sind stolze Werte, die allenfalls von fernöstlichen Hybrid-Autos unterboten werden.

Dennoch überkommt die Wolfsburger mitunter die Wortdrechselei. Etwa, wenn Design-Chef Walter de Silva die schlichten, schnörkellosen Linien des Kleinwagens als "La Semplicità" (Einfachheit) betitelt. Doch was der italienisch-stämmige Karosserie-Schneider verbal als "Beherrschung der Architektur und die Balance der Proportionen" hochschraubt, drückt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg kernig und einfach aus: "Ein Polo ohne Schnickschnack."

Der soll ab Ende März mit vier Diesel- und drei Benzinmotoren vor allem junge Käufer überzeugen. Nicht nur mit einem Einstiegspreis von 12.150 Euro. Stolz sind die Entwickler auch auf den sehr hohen Sicherheitsstandard des Neulings. Denn der sei "gezielt darauf abgestimmt, fünf Sterne nach der neuen, deutlich strengeren und umfassenderen "EuroNCAP-Wertung zu erreichen." Diese gemeinsamen Crashtest-Normen europäischer Hersteller, Verbraucherschutzverbände und Automobilclubs wurden jüngst drastisch verschärft und sind jetzt nur mit besonders viel Aufwand zu schaffen.

Neu ist die Vermarktungsstrategie der Verbrauchs- und Sicherheitswerte, denn die ist besonders auf die Computer-Generation getrimmt. Mit Podcasts, trendiger Sprache und speziellen Internetportalen soll sie leichter Zugang zu den Polo-Qualitäten finden als über die üblichen Hochglanzprospekte und Werbefilmchen. Knaller ist ein spezieller Polo-Song zur Radio-und Fernsehwerbung, den die US-Popgröße Pink eigens dazu schmettert.

Zusätzlich geht Volkswagen ab März mit einer neuen Broschüre namens "Viavision" in die Aufklärungsoffensive. Weil auch dem obersten Konzernlenker Martin Winterkorn inzwischen die Erkenntnis dämmert, "dass automobiles Umweltbewusstsein keine reine Modeerscheinung" ist, wollen die Wolfsburger mit der neuen Schriftenreihe Volksaufklärung betreiben. Mit gekonnter Volkshochschul-Pädagogik erklärt "Viavision" in der Erstausgabe neutral und sachlich alles, was der Autokunde zu Themen wie Energierückgewinnung, Start-Stopp-Systemen oder Euro-Abgasnormen wissen sollte.

Am Tag nach der Weltpremiere des neuen Polo setzten die Wolfsburger noch einen drauf. Sie präsentierten ihre Studie Polo Blue Motion. Dessen 75 PS Motor mit 1,2 Litern Hubraum soll nur 3,3 Liter Diesel je 100 Kilometer verbrennen und dabei 87 Gramm Kohlendioxid je Kilometer aus dem Auspuff strömen lassen. Produktionsstart Frühjahr 2010. Da gerät selbst der sonst eher kühle Entwicklungschef Ulrich Hackenberg in überschwängliche Wortwahl: "Der Polo ist wahrscheinlich der beste Kleinwagen überhaupt."

Soviel Jubel wollten Mitbewerber nicht ungetrübt lassen. Am Nachmittag nach der Polo-Premiere hielt BMW dagegen. Die Bayern brachen ein Tabu, nämliche eine Absprache unter Konkurrenten, Flottenverbräuche nur als Durchschnitt aller deutschen Hersteller anzugeben, nicht aber für einzelne Firmen offenzulegen. Die Münchener vermeldeten dennoch, ihre Autos - darunter bereits rund 1,2 Millionen "Dynamic Efficency"-Versionen - würden mit 158 Gramm Kohlendioxid zwar zwei Gramm über dem europäischen Mittelwert liegen, seien aber dennoch "weit, weit" besser als alle deutschen Mitbewerber. Daran werde auch der neue Weltmeister-Polo lange Zeit nichts ändern können, stichelte ein BMW-Manager.


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