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Weltspiegel: Mercury Grand Marquis: Franko-Amerikaner

Waren das noch Zeiten, als die drei großen der US-Autoindustrie den Markt noch weitgehend unter sich aufteilten. Aus dieser Ära stammt der ehrwürdige Mercury Grand Marquis. Die amerikanische Oberklasselimousine hat eine ebenso betagte wie treue Kundschaft.

Wer sich einmal einen Grand Marquis gekauft hat, wechselt niemalsd wieder zu einem anderen Modell. Dessen kann sich jeder Mercury-Verkäufer gewiss sein. Und so werden die zumeist überaus betagten Autointeressenten seit Jahr und Tag in den wenig charismatischen Verkaufsräumen mit Samthandschuhen angefasst. Der Mercury Grand Marquis gehört zum amerikanischen Automobilmarkt wie Corvette, Ford Mustang und Lincoln Towncar. Mit der Oberklasselimousine aus dem Ford-Konzern teilt sich der Grand Marquis eine Plattform. Und die wurde seit den 80er Jahren kaum nennenswert verändert. Die letzte nennenswerte Modellpflege gab es vor mehr als zwölf Jahren.

Der Mercury Grand Marquis fällt i erster Linie durch seinen ungewöhnlichen und alles andere amerikanischen Namen auf. Gerade nach europäischen Maßstäben lässt der französisch angehauchte Oberklasseanspruch der groß dimensionierten US-Limousine viele Wünsche offen. So verfügt der Mercury zwar über elektrische Ledersitze, Klimaautomatik und ein üppiges Raumangebot; doch das war es auch schon. In der kurzen Liste der Sonderausstattungen stehen kaum mehr als eine Handvoll Details. Neben der Farbe kann der Kunde allenfalls zwischen zwei Alufelgen wählen, das zehn Dollar teure Raucherpaket abbestellen und sich für eines der beiden alles andere als zeitgemäßen Radiosystemen entscheiden. So leicht wie beim Grand Marquis hat der Kunde es nicht wieder. Genau das lieben die Kunden.

Magerer US-Luxus

Damit ist der über fünf Meter lange Amerikaner auf dem gleichen Ausstattungsniveau wie in den späten 80er Jahren. Ergänzend gibt es allein zwei Frontairbags. Sämtliche Sicherheitsentwicklungen und Komfortdetails der letzten zwei Dekaden sind an ihm nahezu spurlos vorbeigegangen. Beheizte oder belüftete Sitze, Kopfstützen hinten oder Navigationssystem und Xenonlicht sind für den Marquis-Inhaber kaum mehr als Sagen aus dem Morgenland. Das Uralt-Radio könnte auch aus einem New-York-Taxi der frühen 80er Jahre stammen und die noch ältere Viergangautomatik wird über einen mächtigen Lenkstockhebel in die rechte Fahrstufe gebracht.

Der Klang aus den Boxen ist kaum mehr jämmerlich zu nennen und bei Dunkelheit werden die Bedienelemente derart schlecht illuminiert, dass man sich besser bei Tage damit vertraut macht. Sonst gibt es nach Sonnenuntergang ein böses Erwachen. Der Hauch von zeitgemäßer Technik kommt allein beim automatisch abblendbaren Innenspiegel oder der Funkfernbedienung auf. Gab es beides auch schon vor Jahren, aber man lernt beim Grand Marquis eine völlig neue Enthaltsamkeit. Die ebenso weichen wie konturlosen Sitze sind beim ersten Eintauchen kuschelig bequem – doch auf längeren Strecken machen sich Rücken und Beine schmerzhaft bemerkbar. Immerhin kann der Mercury notfalls bis zu sechs Personen aufnehmen. Denn nicht nur im Fond finden auf Wunsch drei Personen Platz. Auch die beiden Mittelarmlehnen auf dem Sofa in der ersten Reihe können zu einem Notsitz umfunktioniert werden.

Betagte Kunden

Wer vorne in der Mitte Platz nimmt, hat allein einen Beckengurt. Überhaupt könnte die Sicherheitsausstattung des Grand Marquis schlechter kaum sein. Frontairbags, eine Traktionskontrolle und ABS – das war es auch schon. Trotzdem rühmt sich der Grand Marquis damit, den anspruchsvollen US-Frontcrash 13 Jahre in Folge mit der Höchstwertung von fünf Sternen abgeschlossen zu haben. Für die betagten Kunden des Grand Marquis ist das ohne große Bedeutung. Der gemeine US-Luxusliner wird allenfalls von zwei Personen, meist einem älteren Ehepaar, bevölkert. Sie genießen die Ausstattung, die sie schon seit Jahrzehnten kennen. Ist es in den Hamptons oder auf den Keys brütend heiß, hilft ein Druck auf die „Auto-Tast“ der Klimaautomatik und der große Innenraum kühlt innerhalb kürzester von wenigen Sekunden auf Gefriertruhentemperatur ab. Für den Thanks-Giving-Ausflug am Wochenende muss nichts zu Hause bleiben. Der Kofferraum fasst trotz des mächtigen Ersatzrades das hinein ragt rund 500 Liter und auf der Rückbank gibt es weiteren Laderaum, um Kindern und Enkeln eine nachhaltige Freude zu machen.

Die Motorisierung ist genau so, wie man es von einer amerikanischen Limousine erwartet. Der 4,6 Liter große Achtzylinder ohne jeden technischen Schnick-Schnack leistet 162 kW / 224 PS. Die träge und mit einem allzu weichen Wandler ausgestattete Viergang-Getriebeautomatik aus längst vergangenen Zeiten sorgt dafür, dass die 350 Nm maximales Drehmoment die Passgiere nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Die Höchstgeschwindigkeit endet bei kaum mehr als 170 km/h; kurz dahinter endet auch der Tachometer. Wer es langsam angehen lässt – und das ist die einzig artgerechte Fahrweise für den Mercury – verbraucht knapp zwölf Liter Superbenzin auf 100 Kilometern. In der Innenstadt klettert der Verbrauch des knapp zwei Tonnen schweren Hecktrieblers jedoch auf deutlich über 16 Liter an. Immerhin kann die Limousine nach den letzten Triebwerksüberarbeitungen eine nahezu beliebige Mischung aus Benzin und Ethanol tanken.

Preise unter 30.000 Dollar

Trotz der anhaltenden US-Automobilkrise haben sich die Verkaufszahlen des Mercury Grand Marquis kaum nennenswert nach unten verändert. Wer einmal Grand Mercury fährt, steigt eben kaum auf ein anderes Produkt um; auch auf den einzigen direkten Konkurrenten, den Cadillac DTS, der ähnliche Kunden anspricht jedoch etwas mehr Hightech-Anspruch vermittelt. Produziert wird der Grand Marquis nicht nur auf der gleichen Plattform wie der Lincoln Towncar, sondern auch im gleichen Werk. Das alte Werk in Michigan schloss vor Jahren seine Tore und die Produktion des Dreigestirns aus Ford Crown Victoria, Lincoln Towncar und Mercury Grand Marquis zog nach Ontario / Kanada um. Neben dem großzügigen Platzangebot und fehlenden Überraschungen hat der Grand Marquis einen großen Vorteil: seinen Preis. So startet das solide ausgestattete Basismodell Grand Marquis LS bereits für 29.270 US-Dollar – elektrische Ledersitze, verstellbare Pedalerie, 17-Zoll-Alufelgen, Traktions- sowie Reifendruckkontrolle und Radio inklusive. Als er vor Jahren eingestellt werden sollte, war das Theater groß. Doch ob er die diese Krise übersteht, erscheint mehr als ungewiss.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.