GESPERRT Renault Koleos Softie für Matschos


Nun bietet auch Renault einen Wagen, mit dem man prima im Dreck wühlen kann. Der komfortable Koleos hat reichlich französisches Flair, obwohl seine Technik von Nissan stammt.
Frank Janßen

Globale Welt. Die Marke ist französisch, und das Design des Wagens kommt von Renault. Die Basis ist japanisch, sie stammt vom Nissan X-Trail. Und gefertigt wird der neue Renault Koleos im koreanischen Busan, wo eine Fabrik des Mischkonzerns Samsung steht, der auch Autos baut. Bei dieser Kombination könnten Skeptiker auf die Idee kommen, hier sei schlicht nach den günstigsten Synergien innerhalb eines der weltgrößten Autokonzerne gesucht worden. Dann hätten sich die Ingenieure in den Konzernregalen die passenden Komponenten zusammengesucht und mal eben ein neues Vehikel montiert, wobei der letzte Rest einer automobilen Seele verloren gegangen sein muss. So viel zu den Erwartungen.

Falsch, sagt François Laurent, der Leiter des Projekts P32M/H45 alias Koleos: "Cross Badging war nicht unser Ansatz" - jenes Prinzip also, wonach bloß verschiedene Markenembleme an das immer gleiche Fahrzeug geschraubt werden. Ein kleiner Seitenhieb auf die Kollegen von Peugeot und Citroën (PSA-Konzern), wo man sich kürzlich weitgehend ungeniert einer Mitsubishi-Entwicklung bediente.

Auch wenn die Technik des Koleos auf der des Nissan X-Trail basiert - "man ist ganz klar in einem Renault unterwegs", verspricht Projektleiter Laurent. Das lässt sich kaum widerlegen: Sowohl beim Blechkleid als auch im Cockpit ähneln die Linien stark denen von Mégane oder Clio.

Der Koleos überrascht daher. Obwohl man sich an keinen ernsthaften Versuch der Marke erinnern kann, einen Geländewagen zu bauen, passt das Design sehr gut zur übrigen Modellpalette.

Das Beste

aber: Er fährt sich irgendwie französisch. Wie eine Sänfte. Und das liegt wiederum an den Koreanern. Dort wird das Auto nicht nur gebaut, sondern in Asien liegen auch wesentliche Absatzmärkte.

Diese Kunden finden überwiegend, die Federung eines Autos sollte an Bodenunebenheiten alles ausbügeln, was im Bereich zwischen platt gefahrenen Kaugummis und mittelgroßen Felsbrocken vorstellbar ist.

"Wenn man eine Skala von sehr sportlich bis sehr komfortabel nimmt", sagt François Laurent, "dann steht der VW Tiguan Als sportlichster Konkurrent auf der einen Seite ganz außen und der Hyundai Santa Fé auf der anderen, der komfortablen. Der Koleos liegt sehr nahe am Hyundai." Diese Auslegung ist zwar nicht besonders hilfreich, wenn man schnell um bunte Hütchen herumwedeln und auf diese Weise Vergleichstests deutscher Automagazine gewinnen will - weil ein weiches Fahrwerk dabei Zeit kostet. Doch in der Praxis kommt es den Passagieren zugute, wenn die Auf- und Abwärtsbewegungen der Karosserie sanft ablaufen. Um das zu erreichen, haben die Entwickler Dummys mit Beschleunigungssensoren eingesetzt, die den Komfort erfassen können.

Der Nachzügler unter den Geländewagen, von dem es auch eine Version nur mit Frontantrieb geben wird, kommt am 12. September in den Handel. Endlich, könnte man sagen. "Renault überlegt seit zehn Jahren, dieses Segment zu bedienen", sagt François Laurent. Mit nur 28 Monaten Entwicklungszeit haben er und sein Team sich dann sehr beeilt. Und für eine Promenadenmischung ist das Projekt P32M/H45 durchaus gelungen.

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