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Automarkt China 2020 / 2021 Frisch erstarkt

BMW iX in Shanghai
BMW iX in Shanghai
© press-inform - das Pressebuero
Seit Jahren ist der Automarkt in China der mit Abstand größte auf der Welt. Da wundert es nicht, dass mit der Auto China, die wechselseitig in Shanghai und Peking stattfindet, auch die bedeutendste und größte Automesse in China stattfindet.

China hatte die Corona Pandemie vor allen anderen - wurde sie jedoch auch schneller als alle anderen wieder los. So erholte sich auch der Automarkt schneller als erwartet und das ist der Hauptgrund, weshalb es den meisten europäischen Autoherstellern so gut geht. Sie verkaufen bestens in China. Doch auch in China machte sich 2020 die Pandemie in den Verkaufszahlen bemerkbar und schon vorher ging es seitwärts mit einer leichten Abwärtstendenz. Durch den Corona-Virus fielen die Verkäufe im vergangenen Jahr erstmals wieder knapp unter die 20-Millionen-Marke.

Wer denkt, dass sich auf Chinas Straßen mittlerweile alles um Elektroautos dreht, irrt. Zwar nahm die Zahl der Fahrzeuge mit Stecker (New Energy Vehicle - NEV) von 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel (1,1 Millionen Fahrzeuge) zu, doch der absolute Marktanteil ist mit weniger als sechs Prozent immer noch vergleichsweise überschaubar. Der größte Autohersteller in China ist mit gigantischem Abstand Volkswagen. Allein im vergangenen Jahr verkauften die Wolfsburger mit ihren lokalen Kooperationspartnern SAIC und FAW fast 2,7 Millionen Fahrzeuge. Das bedeutete jedoch einen Rückgang von knapp 15 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei landeten mit Toyota und Honda und jeweils rund 1,6 Millionen Fahrzeugen zwei japanische Großkonzerne, die im Gegensatz zu Volkswagen jedoch Zugewinne verzeichnen konnten.

Erst auf Platz fünf der 2020er-Zulassungsstatistik befand sich mit etwas mehr einer Millionen Neuzulassungen mit Geely der erste chinesische Anbieter vor Changan auf Platz sieben. Das deutsche Premiumterzett aus Mercedes, BMW und Audi belegt bei den letztjährigen Verkäufen, leichten Zugewinnen und Zulassungen von jeweils mehr als 700.000 Fahrzeugen, die Ränge acht, neun und zehn. Einen gewaltigen Absturz gab es 2020 für Skoda, die mit kaum mehr als 170.000 Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr fast 40 Prozent verloren und nicht mehr unter den meistverkauften 25 Automarken in China vertreten waren.

Mit 25,76 Millionen Personen- und Nutzfahrzeugen, mehr als 400 operierenden Automobilherstellern und einem Anteil von 45 Prozent aller verkauften Fahrzeuge der fünf erfolgreichsten internationalen Automobilhersteller ist China mit Abstand der größte Automarkt der Welt. Beeindruckend dabei: dies wurde mit einer Marktdurchdringung von nur knapp 20 Prozent Autobesitz erreicht. In Deutschland sind es 59 und in den USA 84 Prozent, die ein Fahrzeug besitzen. "Mit einem beschleunigten Wandel hin zu E-Commerce, Direktvertrieb und Elektrofahrzeugen verändert sich die Automobilbranche rasant. Neue Akteure führen diesen Wandel zu einem Omnichannel- und Direktvertriebsmodell mit Elektrofahrzeugen an", erläutert Johannes Trenka, Managing Director bei Accenture, "traditionelle OEMs sollten ihr Geschäft unter Berücksichtigung eines Direktvertriebs-Modells ausrichten und die veränderten Kundenbedürfnisse, wie z.B. den Wunsch nach fixen Preisen, berücksichtigen."

Etwas überraschend ist kein Volkswagen auf Platz eins der meistverkauften Fahrzeuge in China, sondern der Nissan Sylphy, eine Stufenhecklimousine aus der ebenso günstigen wie beliebten Kompaktklasse, die sich mit Preisen von knapp unter 100.000 RMB (rund 13.000 Euro) noch vor dem einstigen Bestseller VW Lavida platzieren konnte, der im gleichen Segment antritt. Auf Platz drei mit dem Haval H6 der seit Jahren meistverkaufte SUV und das wohl begehrteste Modell auf dem Markt, der Limousinen wie Toyota Corolla, VW Bora und den Passat-Bruder VW Sagitar auf die Plätze verweisen konnte. Alle meistverkauften Fahrzeuge werden aufgrund hoher Zölle, niedriger Löhne und entsprechender Einfuhrbeschränkungen durchgängig auch in China lokal gefertigt. Insgesamt sind Elektroautos dabei beliebter als Hybriden oder Plug-In-Hybriden mit deutlich ansteigender Tendenz. Wichtiger als das Thema Antrieb ist bei vielen Hersteller jedoch das Thema autonome Fahren. Zeitnah sollen Modelle mit teilautonomen Fahrfunktionen käuflich zu erwerben sein - Ziel ist autonome Taxis.

Das meistverkaufte Elektroauto auf dem China-Markt war 2020 das Model 3 von Tesla mit rund 140.000 Zulassungen vor dem Winzlingsmodell des Wuling Hong Guang, der mit Einstiegspreisen von unter 30.000 RMB umgerechnet kaum mehr als 3.000 Euro kostet und in China allein 2020 mehr als 110.000 Mal verkauft wurde. Anders als in Europa sind in China nicht nur Limousinen und SUV verschiedener Dimensionen sehr beliebt, sondern auch Vans erfreuen sich - nicht ganz ungewöhnlich für einen asiatischen Staat - einer unverändert großen Beliebtheit. Bestseller dabei Modelle wie der Buick GL8, der Dongfeng Fengxing Lingzhi oder ein Baojun 730, die oftmals als Shuttles oder Langstreckentransportmittel genutzt werden.

Für das Jahr 2021 erwartet die chinesische Regierung bei den Zulassungen wieder einen deutlichen Sprung über 20-Millionen-Marke. Dafür soll nicht nur die Auto China in Shanghai mit ihren zahlreichen Neuvorstellungen von heimischen und internationalen Herstellern sorgen. In diesem Jahr wird ein Anstieg um 40 Prozent auf 1,8 Millionen Auslieferungen von E-Mobilen erwartet. "Dass China die Subventionen und Steuervergünstigungen für Automobile mit elektrifizierten Antrieben auslaufen lässt, ist kein Anzeichen, dass sich China aus diesem Markt verabschiedet oder sich auf alternative Antriebe konzentriert. Vielmehr ist diese Maßnahme ein klares Signal, dass China in die nächste Phase der langfristig angelegten Strategie eintritt, bei der nationale Automobilhersteller entstehen sollen, die qualitativ hochwertige Produkte anbieten", fasst KPMG-Autoexpertin Angelika Huber-Strasser zusammen. Damit sollen die Autobauer aus dem Reich der Mitte fit für das große Ziel "aus China für die Welt" gemacht werden. Zudem haben die Strategen in Peking auch erkannt, dass nicht nur eine Antriebsform das alleinig selig machende Mittel Mobilität ist.

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