HOME

Bonhams Auktionen: ... und zum Dritten

Das Portfolio der automobilen Kostbarkeiten auf einer der exklusivsten Auktionen bei Bonhams ist breit gestreut. Es reicht vom Garagenfund mit Geschichte bis zum millionenschweren Rennwagen.

Die Luft ist zum Schneiden, die Stille beängstigend - einzig die Stimme von Robert Brooks vorne auf dem Podium ist zu vernehmen. Der Chef der Auktionsfirma Bonhams betet in schneller Folge Zahlen herunter, mittlerweile im zweistelligen Millionenbereich - in Schritten zu 500.000. Pfund wohlgemerkt. Ab und zu geht ein Raunen durch die Menge der Zuschauer auf den weißen Stühlen vor ihm und derer, die keinen Sitzplatz mehr gefunden haben und die rings um die Stuhlreihen stehen. Ab und an unterbricht Brooks seine Zahlenreihe, winkt einladend mit weit ausgebreiteten Armen und ruft ein "Da ist doch noch mehr drin" in das große weiße Zelt.

Bei gut 14 Millionen Pfund steigt ein neuer Bieter unter den Zuschauern ein, hält ein paar 500.000-Pfund-Schritte mit, gibt dann aber doch auf. Gebote kommen jetzt nur noch per Telefon. Nach gut zehn Minuten ist das Spiel beendet: Brooks lässt den hölzernen Hammer in seiner Rechten auf das Pult sausen: "Sold!" Der unbekannte Bieter am Telefon hat ein neues Schmuckstück in seiner Sammlung - einen Mercedes-Benz Silberpfeil W196R in dem gleichen Zustand, in dem ihn Juan Manuel Fangio 1954 in einem Grand Prix-Rennen als Sieger über die Ziellinie katapultierte. Der nach hartem Renneinsatz vor allem am Lack ziemlich lädierte Silberpfeil mit der Fahrgestellnummer 00006/54 hat Bonhams einen satten neuen Rekordpreis beschert: 17.5 Millionen Britische Pfund, zusammen mit der Courtage für Bonhams genau 19.601.500 Pfund, umgerechnet 22.701.864 Euro. Autos wie der Silberpfeil, für dessen stilechte Präsentation Mercedes-Benz einen seiner beiden klassischen Renntransporter und ein kundiges Team seiner Klassikabteilung nach England geschickt hat, sind nicht nur Sammlerstücke, sondern auch veritable Geldanlagen. Vor drei Jahren etwa erzielte ein Ferrari auf einer Bonhams-Auktion den damaligen Rekordpreis von knapp 10,1 Millionen Pfund.

Bonhams, gegründet 1793, ist nach Sotheby\'s und Christie\'s das drittgrößte Auktionshaus der Welt. Mit Sitz in London, rund 700 Angestellten und Niederlassungen in den USA, in Australien, Hongkong und - seit Kurzem - auch in Deutschland. Etwa 700 Auktionen veranstaltet Bonhams jährlich weltweit - eine der bekanntesten Versteigerungen davon findet jeden Sommer während des Goodwood Festivals of Speed statt.

In einem langen weißen Zelt direkt hinter dem Goodwood House, dem opulenten Wohnsitz des Festivalveranstalters Earl of March, stehen die automobilen Kostbarkeiten sorgsam aufgereiht. Die "Do not touch"-Schilder an den Windschutzscheiben sind eher symbolisch gemeint. Wer es durch die Eingangskontrolle am Goodwood-Schloß geschafft hat, der kann sich hier in aller Ruhe die Autos ansehen, bei vielen Motorhauben und Seitentüren öffnen oder es sich zum Studium des dicken Versteigerungskataloges auch mal auf dem Trittbrett eines hundert Jahre alten und eine Million Euro teuren Rolls-Royce bequem machen. Vertreten ist hier so ziemlich alles aus 100 Jahren Automobilgeschichte - in unterschiedlichem Zustand und zu unterschiedlichen Einstandspreisen.

Gleich vorne in der Ecke etwa steht ein vergammelter Porsche 911 mit stumpfem Lack und von üppigem Rostfraß gezeichnet. Neben dem Garagenfund liegen in einem Holzverschlag diverse zugehörige Einzelteile, wild gestapelt und in Pappkartons verpackt. Das "Bitte nicht berühren" erscheint angesichts des jämmerlichen Zustandes eher wie Ironie. Ein Besucher nutzt das Dach des Porsche denn auch als Abstellfläche für seinen Cola-Becher. Kaum zu glauben, dass der Schrott-Porsche bei der Versteigerung für rund 30.000 Pfund weggeht. Doch wie meistens bei einem Oldtimer macht die Geschichte hinter dem Wagen einen großen Teil des Wertes aus: Das marode Porsche 911S "SWB" Coupé aus dem Jahre 1966, ursprünglich einmal weiß, ist der ersten Porsche, der als Rechtslenker auf die britische Insel geliefert wurden und diente als Testfahrzeug für die Presse.

Gleich neben dem 911er ist das optisch genaue Gegenstück geparkt: ein funkelndes, riesiges 1960er Cadillac-Cabriolet aus dem Fuhrpark des jugoslawischen Ex-Präsidenten Tito. Der Caddy war ein Geschenk der USA an den Autofan Tito. Mit ihm wollte man Tito für den Westen gewogen stimmen, nachdem er mit Stalin gebrochen hatte. Der Wagen ist mit allem erdenklichen Luxus aus gestattet - bis hin zu einem elektrischen Rasierapparat. Tito hat das Schiff anscheinend gern genutzt: Der Tacho zeigt einen Stand von 64.961 Kilometer an.

Die Bandbreite der Autos auf solch einer Bonhams-Auktion wie hier in Goodwood ist breit. Sie reicht vom praktisch fabrikneuen Jaguar E-Type für 150.000 Euro bis zu Lamborghini Diablo und Countach oder bis zum Rolls-Royce 45/50hp Silver Ghost aus dem Jahre 1913, der mit einer knappen Million Euro Einstiegspreis im Katalog zu finden ist. Der blaue Ferrari 330GT ein paar Reihen weiter gehört zwar nicht zu den schönsten Autos, die von den Italienern je gebaut wurden. Dafür adelt ihn sein langjähriger Besitzer: John Lennon. Der hatte in demselben Monat, in dem "Ticket to Ride" erschien, gerade seinen Führerschein gemacht. Als die Nachricht davon die Runde machte, drängelten sich vor den Toren seines Anwesens in Weybridge die Verkäufer diverser Luxussportwagen. Lennon kam heraus, sah sich die Autos an und entschied sich für den Ferrari.

Alles zu teuer für die eigene Portokasse? Vor der eigentlichen Fahrzeugauktion geht es auch ein paar Größenklassen kleiner: Dann stehen traditionell Spielzeugautos und Automobilia wie Poster, Fotos, Uhren oder Picnic-Koffer zur Versteigerung. Vielleicht reicht es ja zu Damon Hills Rennoverall aus dem Jahr 1998 für gut 1.800 Euro. Oder zu einem Porsche 917-Lenkrad Steve McQueens aus dem Film "Le Mans" - ab 14.000 Euro.

Press-Inform / pressinform

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.