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Prototyp Cyclocar – Russlands exotisches fliegendes Auto

Die Trommeln sind keine Reifen, sie sind die Rotoren.
Die Trommeln sind keine Reifen, sie sind die Rotoren.
© PR
Das Cyclocar sieht anders aus als herkömmliche Drohnen. Seine "Propeller" stecken in großen senkrecht montierten Tonnen. Das Konzept soll sicherer, leiser und sehr viel agiler sein als andere Antriebe.

Die russische Stiftung für Fortgeschrittene Studien arbeitet an einem fliegenden Auto. Ein Prototyp von etwa 60 Kilogramm Gewicht ist bereits geflogen, ein sechssitziges Cyclocar in voller Größe und mit großer Reichweite soll im Jahr 2022 abheben. An einem Fahrzeug in der vollen Größe von 6,2 x 6 Metern wurden bereits Messungen im Labor durchgeführt.

Das Besondere an diesem Modell ist der Antrieb, anders als bei vielen Drohnen werden nicht vier Rotoren mit senkrechten Rotationsachsen an die Ecken gebaut. Das Cyclocar besitzt an jeder Ecke eine waagerecht montierte "Tonne", die wie ein Breitreifen aussieht. In den rotierenden Tonnen sind Flügelblätter eingebaut, deren Winkel verstellt werden kann.

Aus Wettbewerb hervorgegangen

Dieses Konzept hatte sich 2017 in einem offenen Wettbewerb des Instituts durchgesetzt. Der Wettstreit sollte das beste Senkrechtstart- oder Ultrakurzstart- und Landeflugzeug für Urban Air Mobility (UAM) ermitteln. Die Rotation von Trommeln und Blättern erzeugt den nötigen Luftstrom. Der Anstellwinkel der Blätter kann den Schub des Triebwerks verändern, ohne dass die Drehzahl der Trommel sich entsprechend ändern muss. Dadurch ist es möglich, den Schub jeder einzelnen Trommel ohne Verzögerung anzusteuern. Die Maschine soll 250 km/h erreichen. Die Spitzengeschwindigkeit ist relativ gering, da das Cyclocar auf weitere Flügel und Auftriebsflächen verzichtet. Für die urbane Mobilität dürfte das Cyclocar allerdings schneller als erlaubt sein. Die Russen wollen einen hybriden Antrieb verbauen, Elektromotoren und Batterien werden durch einen Generator aufgeladen, so werden 500 Kilometer Reichweite möglich. Die Antriebstrommeln haben einen Durchmesser von je 1,5 Metern. Das Gefährt kann bis zu sechs Personen oder 600 Kilogramm Nutzlast befördern. Es kann autonom fliegen, als Drohne verwandt oder von einem Piloten bedient werden.

Die Trommeln besitzen eine Sicherheitsabschirmung, die Passagiere, Bodenpersonal und Passanten vor den drehenden Propellern schützt. Außerdem ist ein Fallschirm für eine Notlandung an Bord.

Wendig und kompakt

Der kleine Prototyp hat seine Wendigkeit bereits unter Beweis gestellt, unter anderem kann er auf der Stelle schweben. Anders als ein Hubschrauber kann das Cyclocar auf stark geneigten Flächen landen und sich sogar an einer senkrechten Wand "festsaugen". Der Leiter des Projekts, Yan Chibisov, sagte, dass das Antriebssystem aerodynamisch sehr komplex sei, dafür sei es aber sehr leise, kompakt und ermögliche eine schnelle Schubvektorisierung. Die bisherigen Tests hätten die Berechnungen des Teams zu Schubkraft und Energieverbrauch bestätigt. Chibisov ist zuversichtlich, dass das System innerhalb von drei Jahren seinen Weg in ein Serienmodell finden wird. Die Stiftung für Fortgeschrittene Studien ist eine Art technische Denkfabrik für den russischen Staat, daher dürfte vor allem das Militär als Abnehmer in Betracht kommen. Dennoch ist das Antriebssystem auch für zivile Fahrzeuge interessant, da es eine sehr kompakte Bauweise ermöglicht. Sollten sich Flugautos in Städten durchsetzen, werden Parkraum und Lärmentwicklung wichtige Faktoren sein.


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