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DAT Report 2017 Diesel-Fahrzeuge sind out: Der VW-Skandal vergrault die Käufer

Die Lust am Auto ist zumindest bei den Autofahrern ungebrochen.
Die Lust am Auto ist zumindest bei den Autofahrern ungebrochen.
© Welcomia/Gettyimages
VW hat die Axt an den Diesel gelegt. Eine Studie zeigt, wie verärgerte Kunden ihren Marken untreu werden und den Selbstzünder meiden. Anderseits wurde noch nie soviel Geld für ein neues Auto ausgegeben wie heute.

Jahrzehntelang ging es für den Diesel nur voran in Deutschland. Weder Hybrid-Fahrzeuge, noch sparsame Benziner konnten ihn vom Thron stoßen. Viele Kunden blieben auch gänzlich unbeeindruckt von der Tatsache, dass sich ein Diesel wegen der Mehrkosten beim Autokauf und der höheren Kfz-Steuer für sie gar nicht lohnt.

Diesel sackt ab

Diesen Trend hat der Volkswagenkonzern gründlich ruiniert, erstmals musste der Selbstzünder Einbußen in der Gunst der Kunden hinnehmen. Das zeigt der DAT-Report 2017. Die Deutsche Automobil Treuhand liefert mit ihrem Standardwerk auf der Basis einer Befragung von Endverbrauchern seit vier Jahrzehnten Auskünfte über die Automobilwirtschaft und das Marktverhalten deutscher Autofahrer.

Diesel-Skandal: Problem für VW

Laut dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten DAT Report hat der VW-Skandal die Wahrnehmung des Diesels massiv verändert. 15 Prozent der Neuwagen-Käufer und etwa 10 Prozent der Käufer eines Gebrauchtwagens gibt die Dieseldiskussion schwer zu denken. Das hört sich wenig an, ist aber doch eine massive Veränderung im Verhalten eines Jahres. Laut DAT sollen innerhalb der "Betroffenheitsgruppen" 35 Prozent der Neuwagen- und 40 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer aus diesem Grund die Marke gewechselt haben. Auf alle Kunden gerechnet sind das fünf Prozent, die die Marke verlassen haben und sich dann gegen einen neuen Diesel entschieden haben. 

Die Markenflucht hat vor allem Fahrzeuge des Volkswagenkonzerns getroffen. Bezogen auf den Marktanteil der VW-Marken, entsprechen fünf Prozent des Gesamtmarkts in etwa 14 Prozent der VW-Kunden. Das tut richtig weh. Der deutsche Käufer ist also nachtragender als gedacht.

Spritverbrauch ist kein Problem

In anderer Hinsicht überrascht die Toleranz des deutschen Autofahrers die Experten der DAT. Beim Spritverbrauch reagieren die Kunden nämlich ziemlich relaxt auf die Diskrepanz zwischen ihrem echten Verbrauch und den Normangaben im Prospekt. 90 Prozent der Neuwagenkäufer geben an, die Abweichungen lägen in ihrem Toleranzbereich oder sie sagen, dass mit diesen Abweichungen gerechnet hätten. Meist wurden Abweichungen von knapp einem Liter auf 100 Kilometer genannt.  Zu vermuten ist wohl auch, dass den meisten Autofahren klar sein dürfte, dass sie mit ihrem Fahrstil das Sparpotenzial der Motoren nicht ausschöpfen.

Noch nie so teuer wie heute

Gute Nachrichten für die Branche gibt es beim Ausgabeverhalten: Der deutsche Neuwagenkäufer hat die Spendierhosen an. Im Jahr 2017 ist der Durchschnittspreis des Neuwagens von 28.590 im Jahr 2016 auf 29.650 Euro gestiegen. "Die Leute wollen ein sparsames und effizientes Auto, aber keine rollende Verzichtserklärung", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann bei der Vorstellung der Studie. Die Faszination "Auto" ist zumindest bei den Autofahrern ungebrochen. Trotz der hohen Preise gaben 25 Prozent als Kaufgrund an, sie hätten einfach "Lust auf ein neues Fahrzeug" gehabt. 

Man sollte aber auch wissen, dass noch nie so viele Tageszulassungen, Halb- und Ganzjahreswagen in den Markt gedrückt werden wie heute. Sparsamere Käufer finden ein riesigeres Angebot von fast neuen Fahrzeugen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Der Anteil der Privatpersonen bei den Neuzulassungen liegt daher auch nur bei 35 Prozent. 

Vorgestellt wurde von der DAT eine Vorabversion, der ganze DAT Report 2017 ist Mitte Februar verfügbar.

DAT Report 2017: Diesel-Fahrzeuge sind out: Der VW-Skandal vergrault die Käufer

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