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Tesla-Qualität Elon Musk lässt sich von seinem schärfsten Kritiker grillen und gibt ihm sogar recht

Musk stellte sich 50 Minuten dem Tech-Talk.
Musk stellte sich 50 Minuten dem Tech-Talk.
© Munro / PR
Sandy Munro ließ kein gutes Haar an der Qualität des Model 3 - schlimmer als ein alter Kia lautete sein Urteil. Nun stellte sich Musk dem Fertigungsspezialisten – erstaunlicherweise kam es zu keinem Streit, beide waren sich einig.

Der Autoexperte und Fertigungsspezialist Sandy Munro gehört zu den schärfsten Tesla-Kritikern. Über die Branche hinaus wurde er bekannt, als er die Fertigungsqualität von Teslas Mittelklassewagen Model 3 mit einem Kia aus den 1990er-Jahren verglich. Und Munro haute damals nicht einfach einen Spruch raus, er konnte sein rabiates Urteil im Detail belegen.

Nun trafen sich Elon Musk und Munro von Angesicht zu Angesicht. Ein Treffen mit einer explosiven Mischung, denn Elon Musk ist dafür bekannt, dass er auf Kritik auch mal dünnhäutig und beleidigend reagieren kann. Dazu kam es überraschenderweise nicht. Schon gleich zu Beginn räumte der Tesla-Boss ein: "Ich denke, dass Ihre Kritikpunkte korrekt waren."

Enormer Erfolgsdruck

Musk selbst sind die Anlaufschwierigkeiten des Model 3 bewusst. Damals ging es darum, Probleme im Produktionsprozess "auszubügeln", aber gleichzeitig bestand ein enormer Druck, die Stückzahlen endlich hochzufahren. Die Zukunft der ganzen Firma stand auf dem Spiel. Tesla verlor in jedem Quartal hohe Beträge, nur wenn das Model 3 einigermaßen im Plan blieb, konnte Musk darauf hoffen, immer neues frisches Kapital zu bekommen.

Heute gibt er zu, dass nur die allerersten Model 3 und dann die späten Exemplare eine gute Qualität hatten. Dazwischen haperte es gewaltig . Eine Beobachtung, die Munro schon auf der Straße machen konnten. Er konnte mit bloßem Auge enorme Qualitätsunterschiede bei Autos der gleichen Reihe feststellen, je nachdem, wann sie vom Band gelaufen waren. "Wir haben tatsächlich die Spalt- und Lackqualität gegen Ende des letzten Jahres ziemlich verbessert", gibt Musk zu. Die sogenannten Spaltmaße geben an, wie viel Raum zwischen den einzelnen Bauteilen liegt. Je geringer umso besser, große Maße deuten an, dass in der Produktion viel Spiel gelassen wird, damit auch minderwertige Teile noch irgendwie passen.

"Auto-Produktion ist die Hölle"

Musk nimmt in dem Interview kein Blatt vor den Mund. Er gibt zu, sehr viel Druck ausgeübt zu haben. So sehr, dass nicht einmal der Lack Zeit gehabt hätte, richtig durchzutrocknen. Die Verbindung der einzelnen Teile erinnere an "eine Frankenstein-Situation" so Musk. "Die Auto-Produktion ist die Hölle", fasst er die Phase zusammen. Damals arbeitete er rund um die Uhr und übernachtete in der Fabrik. Später identifizierte er diese "Mehr Druck"-Methode als seinen größten Fehler.

Beim Anlaufen des Model 3 zeigte sich, dass Tesla exzellente Wissenschaftler besitzt, aber Probleme hat, deren Forderungen mit einer möglichst einfachen Konstruktion zu verbinden. "Fehler in der Organisationsstruktur zeigen sich später im Produkt", sagt Musk. "Wir haben bei Tesla das wahrscheinlich beste Materialwissenschaftsteam der Welt. Die Ingenieure fragen sich, was ist das beste Material für diesen Zweck? Dann bekommen Sie ungefähr 50 verschiedene Antworten. Und die sind alle einzeln richtig, aber kollektiv zusammen stimmte es nicht."

Cashflow darf nicht explodieren

Im Ganzen ist das Interview sehr technisch. Es geht um Materialien, Legierungen, Schweißpunkte und Abdichtungen. Interessant ist eine Ankündigung in Sachen Karosseriedesign und Batterien. In Zukunft müssten Batteriepakete als Strukturelement und nicht als Ballast in das Design integriert werden, so Musk. "Diese Zellen werden heute in jedem Auto herumgetragen wie ein Sack Kartoffeln. Sie haben eigentlich einen negativen strukturellen Wert." Erstaunlich ist die Offenheit. Musk gibt zu, dass er das Model 3 etwa in Sachen Karosseriestruktur dringend verbessern müsste, er es aber in der laufenden Produktion leider nicht kann. "Es ist schwer, die Räder am Bus zu wechseln, wenn er mit 80 km/h die Autobahn hinunterfährt", so Musk. Das Model 3 sei so bedeutend für Tesla, dass er keine Fabrik umrüsten könne, "ohne den Cashflow in die Luft zu jagen".

Quelle: Munro Live  

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