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Ferrari Hydroplan: Formel Nass

Wenn dieser Ferrari-Zwölfzylinder angeworfen wird, verkriechen sich die Fische im nächsten Algenwald und die Möwen gehen lieber zu Fuß. Vor 60 Jahren ließ sich der Speedboat-Racer Achille Castoldi ein exklusives Ferrari-Rennboot anfertigen. Jetzt wird die V12-Legende versteigert.

Kaum ein Wagen versprüht so pures Rennsport-Flair wie ein knallroter Ferrari-Monoposto. Und kein Boot ist so edel wie eine Riva-Motoryacht. Man füge einfach beides zusammen - fertig ist das faszinierendste Speedboat aller Zeiten. Am Morgen des 15. Oktober 1953 brach das Timossi-Ferrari Racing Hydroplan mit dem klangvollen Namen "Arno XI" auf dem Iseo See mit 241,7 km/h den Geschwindigkeitsrekord in der 800 kg-Klasse. Am Steuer saß der italienische Millionär und Speedboat-Rennfahrer Achille Castoldi. Seine Freunde und Renn-Kollegen Alberto Ascari und Luigi Villoresi jubelten, als die Arno XI mit Karacho an der Zeitmessung vorbeiraste.

Wo immer das Ferrari-Hydroplan seitdem auftaucht, versetzt es die Zuschauer in Erstaunen. Es sieht aus, als habe man einen Monoposto-Rennwagen mit einer Riva-Motoryacht und deren fugenloser Mahagoni-Beplankung gekreuzt. Die Arno XI entstand in der renommierten Timossi-Werft am Comer See, und so erklärt sich auch die Ähnlichkeit zu den schnittigen Motorboot-Legenden: Carlo Timossi war Chefkonstrukteur bei Riva gewesen, bevor er sich selbständig machte.

Der breite flache Holzrumpf der Arno XI verjüngt sich zum Heck hin, das mehr als sechs Meter lange Hydroplan erinnert ein wenig an einen urzeitlichen Panzerfisch. Eingebettet in den Rumpf liegen der Motor, das winzige Cockpit aus Ferrari-rot lackiertem Aluminium und die Stabilisierungsfinne am Heck. Das Herzstück des edlen Hydro-Renners ist natürlich sein Ferrari-Zwölfzylindermotor, der schon auf dem Land in den frühen 50er Jahren für Furore sorgte und Ferrari 1952 den Weltmeistertitel einbrachte. Der 4,5 Liter große V12, der ursprünglich nur 385 PS leistete, wird von zwei Kompressoren zwangsbeatmet und verschlang bei den Rekordversuchen Unmengen von Methanol als Treibstoff. Mit 600 PS schießt die Arno XI übers Wasser, die Schraube erreicht mehr als 10.000 Umdrehungen pro Minute.

Rennfahrer Achille Castoldi begann seine Speedboat-Karriere in den 40er Jahren mit einem Boot, das von einem Alfa Romeo-Motor befeuert wurde. Weitere Alfa-Renner und sogar ein Maserati-Boot folgten. 1951 wollte Castoldi eine neue Rekordfahrt in Angriff nehmen, und da gab es für ihn nur einen Weg – den nach Maranello. Castoldi konnte "Il Commendatore" Enzo Ferrari sofort für seine Rennboot-Leidenschaft begeistern und bekam den gewünschten Motor. Ferrari schickte sogar den Chefingenieur seines Rennteams hinterher, um der Arno XI eine Leistungsspritze zu verpassen.

Achille Castoldi beendete wenige Jahre später seine Karriere als Speedboat-Rennfahrer. Die Arno XI wurde eingelagert und 1958 schließlich an Nando Dell'Orto verkauft. Der setzte es weiter im Rennsport ein und fuhr gegen Konkurrenten mit Maserati V8-Motoren. Unter Dell'Ortos Ägide bekam das Hydroplan weitere Modifikationen wie die Stabilisierungsfinne am Heck. Nachdem sich auch Dell'Orto 1968 vom Rennsport zurückzog, verstaubte die Arno XI viele Jahre lang in einem Lagerhaus. In den 90er Jahren wurde sie dann komplett restauriert und der V12-Motor bei Ferrari generalüberholt. Nach seiner Restaurierung leistete der Motor auf dem Prüfstand sogar 700 P, wurde aber auf bleifreies Benzin mit 100 Oktan umgestellt.

Wer eine gute gefüllte Brieftasche und idealerweise vor der Haustür noch den passenden See zum Ausfahren hat, kann das voll funktionstüchtige Boot jetzt ersteigern. Das Auktionshaus RM Auctions bringt die Arno XI als Exot unter vielen Auto- und Motorrad-Highlights am 12. Mai in Monaco unter den Hammer. Der Schätzpreis liegt bei 1,5 Millionen Euro.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.