Neulich im Auto Das Bahnstreik-Tagebuch: Zwei Studenten auf Umwegen

Neulich im Auto: Das Bahnstreik-Tagebuch: Zwei Studenten auf Umwegen

Neulich an der Uni Essen. "Wir haben eine gute Strecke erwischt", sagt Max freudig, als wir ihn am Telefon erreichen. Er mimt den Schienenersatzverkehr für Lukas, der von der Essener Uni nach Viersen muss. Eigentlich eine Strecke von einer Stunde mit der Bahn. Die aber fährt leider wegen des Streiks nicht. Über Facebook haben sich Max, der eigentlich nach Eschweiler bei Aachen muss, und Lukas kennengelernt.

Es ist kurz nach 16 Uhr am Freitagnachmittag, als Max über seine Freisprecheinrichtung abnimmt. Lukas sitzt auf dem Beifahrersitzt. Beide scheinen sich gut zu verstehen, es wird gelacht, die Chemie stimmt. Gesprächsthemen gibt es jedenfalls genug, denn beide studieren an der Essener Uni.

Für Max ist es nichts Neues, jemanden mitzunehmen. Mehrfach schon hat er Bekannte aus der Uni mit im Auto gehabt. "Aber jemand Fremdes ist für mich neu", sagt er. "Für mich auch", wirft Lukas ein, der spürbar dankbar für die Mitfahrgelegenheit ist. Am Sonntag fahre er von Viersen nach Paris und wolle sich gleich dafür bedanken, falls jemand mitfahren möchte und von möglichen Nachwirkungen des GDL-Streiks noch betroffen ist.

Neulich im Auto: Das Bahnstreik-Tagebuch: Zwei Studenten auf Umwegen

Trotz GDL gute Stimmung

Am Freitagnachmittag haben sich GDL und Bahn auf ein vorgezogenes Streikende am Samstagabend gegen 18 Uhr geeinigt, nachdem die Bahn in zweiter Instanz mit einer Unterlassungsklage gescheitert war. Max und Lukas haben davon im Radio erfahren und sind trotzdem genervt von der GDL. "Wir müssen nicht darüber debattieren, dass die Lokführer sicherlich unterbezahlt sind und zuviel arbeiten müssen", sagt Lukas. "Aber es geht ja hier weniger darum, den Lokführern zu helfen als darum, dass die GDL ihr Durchsetzungsvermögen beweist."

Dafür habe er kein Verständnis und ist sich unsicher, aus welchen Motiven heraus die GDL den Streik frühzeitig beenden will: "Jetzt können sie in den weiteren Verhandlungen sagen, dass sie der Bahn beim letzten Streik entgegen gekommen sind." Der Stimmung im Auto tut das und der Tunnel, durch den die Verbindung kurz abbricht, trotzdem keinen Abbruch.

Ob sich Max und Lukas nochmal wiedersehen, wissen sie noch nicht. Da sie beide immer zu sehr unterschiedlichen Zeiten fahren müssen, sei es eher unwahrscheinlich, dass eine Fahrt nochmal passe. Zudem nimmt Max einen nicht unerheblichen Umweg auf sich. In Zeiten des Streiks müsse man aber zusammenhalten, sagt er. Das sei selbstverständlich.

Das Bahnstreik-Tagebuch im Überblick

Teil 1:Geschichten von Umsteigern

Teil 2:Einmal Köln-Essen und zurück, bitte

Teil 3:Buchungs-Boom bei Mitfahrportalen

Teil 6: Zwei Studenten auf Umwegen

Hinweis: Neulich im Auto gibt es auch auf Facebook und Twitter und kann per E-Mail abonniert werden.

Tobias Gillen würde nie zugeben, dass auch er Fehler beim Autofahren macht, weiß das aber insgeheim. Wenn er nicht gerade auf der A1 oder der A57 in NRW unterwegs ist, schreibt er über Medien und Technik – manchmal auchin Büchern. Im Netz ist er bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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