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Kommentar

Luftverschmutzung: Paris wirft alle alten Autos raus und schafft die Zwei-Klassen-City

Frankreich verbannt alle alten Autos aus den Straßen von Paris. Das soll die Luft sauberer machen. Im Zukunft müssen die Armen zu Fuß gehen und für die Reichen ändert sich gar nichts.

Bislang versuchte man in Paris mit autofreien Tagen, den Smog zu verringern.

Bislang versuchte man in Paris mit autofreien Tagen, den Smog zu verringern.

Paris hat so ziemlich die schlechteste Luft in ganz Europa. Was tun? Schwerindustrie gibt es in der City nicht, und die Zeiten der Kohleöfen sind auch vorbei. Also verbannt man die Blechlawine aus der City. Das Ziel lautet, den Auto-Verkehr um die Hälfte zu reduzieren. Bislang hat man zu den üblichen Methoden gegriffen, einzelne Straßen gesperrt und zugleich autofreie Tage ausgerufen.

Nur noch neue Wagen in Paris

Aber nun kommt etwas ganz Neues: Paris schmeißt alle alten Autos raus. Ab dem ersten Juli 2016 dürfen Autos, die vor 1997 und Motorräder die vor 2000 zugelassen wurden, nicht mehr in die Stadt. Der Bann wird in Stufen verstärkt, ab 2020 dürfen nur Autos in Paris fahren, die nicht älter als zehn Jahren sind.  Was bedeutet das? Im ersten Schritt sind vornehmlich Young- und Oldtimer betroffen und Sonderfahrzeuge wie Wohnmobile, die lange gehalten werden. Das mag noch zu verschmerzen sein und trifft nur Autoliebhaber. 

Aber spätestens sobald die Grenze von zehn Jahre erreicht wird, zeigt sich die soziale Dimension der Maßnahme. In der Praxis dürften dann nur die Besserverdiener ihre Autos behalten. In Deutschland liegt das Durchschnittsalter der Fahrzeugflotte bei fast zehn Jahren. Der ärmere Teil der Bevölkerung fährt in der Regel die billigeren Autos und das sind meist auch die älteren. Autos, die für weniger als 5000 Euro gekauft werden. 

Kein Pkw für Ärmere

Der Plebs wird in Zukunft in Paris auf ein eigenes Auto verzichten müssen. Bitter wird es für die, die ein eigenes Fahrzeug für die Arbeit oder zum Transport der Kinder benötigen, sich aber kein neues Modell leisten können. Das Ganze wird sicher positive Wirkungen für die Luftverschmutzung haben, zeigt aber auch überdeutlich, wem im Zukunft der öffentliche Raum in den Metropolen gehören wird. Den Reichen nämlich. Weltweit werden immer mehr Bereiche der städtischen Flächen von Einkaufspassagen bis hin zu Parks privatisiert – mit der Folge,  dass unerwünschte Personen ausgesperrt werden. Die Pariser Regelung privatisiert nicht, aber sie gibt den öffentlichen Raum an die weiter, die ihn sich leisten können. Und im Vergleich zu einem Park oder einem Einkaufszentrum geht es hier um gewaltige Flächen. Das Straßennetz macht in den Städten den größten Teil der öffentlichen und zugänglichen Flächen aus. In Zukunft wird man sich in Paris nur noch neue Wagen oder wenige Jahre alte Gebrauchte kaufen, wenn man vorhat, das Fahrzeug ein paar Jahre zu fahren. Personen, die 2000 bis 5000 Euro investieren können, müssen dann zu Fuß gehen. Sicher, auch der  öffentliche Nahverkehr soll ausgebaut werden, das ändert aber nichts an der Vision eine Zwei-Klassen-Stadt: Die einen stehen im Bus und die privilegierten Neuwagenfahrer werden paradiesischen Zustände vorfinden. Sie werden mit einer staufreien Stadt und mit freien Parkplätzen belohnt.

 

Sozial gesehen, ist das der falsche Weg. 

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