HOME

Peking Auto Show 2014: Am Rande des Chaos

Auf der Peking Auto Show lohnt der Blick neben und zwischen die großen Weltpremieren. Ob klein oder gestreckt - hier ist für jeden etwas dabei und einiges irgendwie auch schon bekannt.

Automobilmessen in China sind für Plagiatsjäger nahezu jedes Mal wie ein frisch gedeckter Tisch. An jeder Ecke sind kleine Kostbarkeiten oder auch größere Happen zu finden. Ob nun eine Mercedes G-Klasse im Kleid eines Baica Motor-Fahrzeugs oder ein Modell des chinesischen Herstellers Leopaard, das genauso gut Opel E-Klasse beziehungsweise Mercedes Insignia heißen könnte - Autokenner finden in so manch chinesischem Kleid europäische Stoffe wieder. Besonders schön ist das London Taxi des Herstellers Geely gelungen. Doch neben den kopierten Autos sind auch Lackierungen zu sehen, die für Europäer mehr als nur fremd erscheinen. Der Changan XT erinnert in seinem pinken Farbton stark an den privaten Bentley der Milliardärs-Tochter Paris Hilton. Und auch der in Gold foliierte Lotus zeigt Mut zur Geschmackslücke.

Da auch im fernen China Länge eine große Rolle zu spielen scheint, haben sich unter diesem Motto ein paar Veredler, oder besser gesagt Veränderer, an Fahrzeuge aus dem Hause Rolls-Royce und Land Rover gewagt. Ok, dass beim überlangen Rolls-Royce Phantom die Firma Star Custom es nicht so genau mit den verwendeten Materialien nimmt und selbst die Chromapplikationen in verschiedenen Schattierungen mit der Messehostess um die Wette strahlen macht ja nichts. Schon gar nicht, wenn im selben Moment eine nur mit einem Bikini bekleidete Dame auf einem Segway ähnlichen Gefährt an den Besuchern vorbeirollt. Und das alles unter den von einer Sonnenbrille verborgenen Augen unzähliger chinesischer "Geheimagenten".

Die Peking Auto Show bietet aber auch für die jüngeren Besucher ein paar schöne Erlebnisse. In nahezu jeder Halle tauchen Transformers-Kostümträger oder andere seltsam verkleidete Menschen auf. Auf dem großen Freigelände, auf dem gern auch mal ein mit Müll überladener LKW prominent vor einer Halle parkt, warten kleine Autos, die von Kindern durch einen Parcours pilotiert werden können. Gleichzeitig wirkt die Messe mit ihren unzähligen Besuchern in Verbindung mit einem Lärmpegel, der dem einer Autobahnbaustelle gleichkommen dürfte, wie der kinderfeindlichste Platz auf Erden. Fast zu jeder halben Stunde findet auf mindestens zwei Herstellerbühnen in jeder der insgesamt sieben Messehallen zur gleichen Zeit eine Produktvorstellung in ohrenbetäubendem Lärm statt. Unterm Strich bietet sich der Besuch der Peking Auto Show nur für echte Autofans oder Touristen an, die innerhalb weniger Stunden einen Einblick ins chinesische Leben werfen wollen - und ihn auch ungefiltert bekommen.

Press-Inform / pressinform

Wissenscommunity