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Skoda Octavia RS 4x4: Handlungsreisender

Skoda verpasst dem Octavia RS endlich den lang ersehnten Allradantrieb. Allerdings kommt nicht der Power-Benziner in den Genuss der Zusatz-Traktion, sondern der stärkste Diesel. Eine Idealbesetzung.

Die Limousine schlägt mit 34.890 Euro zu Buche

Die Limousine schlägt mit 34.890 Euro zu Buche

Skoda Octavia plus Combi ergibt einen beliebten Dienstwagen. Diese Gleichung geht durchaus auf. Schließlich greifen auch die sogenannten Flotten-Kunden gerne zu den Modellen der tschechischen VW-Tochter, die sich vor allem durch einen hohen Nutzwert auszeichnen. Die Herren in den karierten Hemden dürfen sich freuen. Das Kilometerfressen auf Landstraßen und Autobahnen wird jetzt sicherer und dynamischer, da die Tschechen dem Handlungsreisenden-Bestseller den Allradantrieb aus dem VW-Technikregal spendiert haben: also eine elektronisch geregelte Haldex-Kupplung, die mit einer elektronischen Differenzialsperre für zusätzliche Querdynamik sorgt. Dieses XDS+ ist im Grunde nichts anderes als ein erweitertes ESP, das versucht mit gezielten Bremseingriffen an einzelnen Rädern die Kurvendynamik zu erhöhen.

Handlungsreisender
Die Limousine schlägt mit 34.890 Euro zu Buche

Die Limousine schlägt mit 34.890 Euro zu Buche

Das gelingt gut, wobei der Haldex-Antrieb ist als Hang-On-Allrad konzipiert ist, der nur dann eingreift, sobald die Traktions-Not auftritt. Die meisten Fahrten absolviert der 135 kW / 184 PS-Diesel als kreuzbraver Fronttriebler und spart so Sprit. Sobald es zur Sache geht, kommandiert die Elektronik die Hinterräder zum Einsatz und steigert so den Grip. Allerdings dauert es bisweilen einen Wimpernschlag, eher alle vier Räder für Vortrieb sorgen. Nach 7,7 Sekunden knackt der Combi die 100-km/h-Marke und fräst sich auch bei rutschigen Straßenverhältnissen bis zu 224 km/h schnell. Auf die etwas gesteigerte Fahrt-Lust folgt aber nicht gleich der Frust, denn der Combi hält sich mit einem Durchschnittsverbrauch von fünf Litern pro 100 Kilometer vornehm zurück.

Einmal in Bewegung, reagiert der Allrad-Antrieb souverän auf die Lenkrad-Befehle des Fahrers und hält den Tschechen-Combi zuverlässig in der Spur. Im RS-Sport-Modus lässt der Software-Wachtmeister das Heck etwas von der Leine und sogar kleine Schwenks zu. Das führt zu einem Grinsen, aber wer jetzt glaubt, dass man querstehend durch jede Kurve räubern kann, hat die Rechnung ohne den E-Wirt gemacht. Der Octavia ist keine brachiale Heckschleuder, die Software fängt das Hinterteil ein, sobald der Driftwinkel zu groß wird. Schließlich sollen alle Familien-Mitglieder mit dem Allrad-Mobil klarkommen. Das gelingt auch ohne große Probleme. Selbst bewusst provozierte Lastwechsel stellen die Elektronik nicht vor unlösbare Probleme.

Der Allradantrieb vertuscht die Kernkompetenzen eines Skodas nicht. Neben dem Anzug-Sakko des Fahrers finden locker drei weitere Erwachsene im tschechischen Brot und Butter-Auto Platz. Im Fond kommt sogar Business-Class-Feeling auf und der Kofferraum ist mit einem Volumen von 610 bis 1.740 Litern über jeden beengenden Zweifel erhaben. Doch mit dem reinen Nutzwerk-Image soll es bei Skoda in Zukunft vorbei sein. Der neue Skoda-Chef Bernhard Maier will der tschechischen VW-Tochter mehr Emotionalität verpassen. Dies scheint derzeit das Motto bei vielen Automobilherstellern zu sein. Bedenken an eine drohende Kannibalisierung mit Seat oder gar VW selbst, wischt der ehemalige Porsche-Vorstand für Marketing und Vertrieb vom Tisch. "Man macht keine Familie stärker, indem man ein Kind absichtlich schwach hält." Das klingt ganz nach Ferdinand Piëch, der einen gesunden Marken-Wettbewerb begrüßt. Der Preis von 35.550 Euro für den Combi (Limousine 34.890 Euro) ist dabei durchaus hilfreich.

Damit Skoda auch da mithalten kann, tut sich bei den Modellen auch etwas, da ist der Skoda Octavia RS 4x4 nur die Speerspitze: Es ist kein großes Geheimnis, dass die Tschechen noch in diesem Jahr einen großen SUV auf den Markt bringen werden. Dabei soll es nicht bleiben. Global wollen sich die Tschechen ebenfalls breiter aufstellen. Maier hat China als Baustelle ausgemacht und in diesem Jahr wird sich Skoda in die Höhle des Löwen nach Südkorea wagen. "Wir schauen uns Märkte und Segmente an, in denen wir bislang nicht zu Hause waren", erklärt Maier, der bereits an der "Strategie 2025" feilt. Ein wichtiger Pfeiler wird die E-Mobilität sein, bis Ende des Jahrzehnts sollen die Tschechen auch da konkurrenzfähiger sein.

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