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Toyota Corolla: Missachteter Weltmeister

Auf der New York Auto Show glänzt der neue Toyota Corolla im Scheinwerferlicht. Der Kompaktwagen ist das meistverkaufte Auto der Welt, nur in Deutschland kräht kein Hahn nach dem Nippon Golf. Daran sind die Japaner nicht ganz unschuldig - eine Bestandsaufnahme.

Mit dem Toyota Corolla E10 begann 1966 die Erfolgsgeschichte

Mit dem Toyota Corolla E10 begann 1966 die Erfolgsgeschichte

Die Zahl müsste eigentlich jeden VW-Manager blass um die Nase werden lassen: Ein Modell, dass seit seiner Einführung vor 52 Jahren über 44 Millionen Mal verkauft wurde, ist ein echter Weltmeister, ein Bestseller auf den jeder Autobauer stolz sein kann und sich die Chefs freudig die Hände reiben. Nur dass es sich dabei eben nicht um den VW Golf handelt, sondern um den Toyota Corolla. Doch in Deutschland und selbst in Europa wird der Golf-Gegner kaum als solcher wahrgenommen. Sei es als Auris oder eben als Corolla. Daran dürfte auch die neueste Generation, die in Genf als Auris und in New York als Corolla debütierte, nur wenig ändern. Trotz neuer Plattform (TNGA), viel Platz, einigen Assistenzsystemen und Hybridisierung - in der Welt hui, in Deutschland... Sie wissen schon. Die Zahlen zeichnen ein eindeutiges Bild: Im Februar 2018 wurden hierzulande 924 Toyota Auris zugelassen, vom VW Golf waren es im gleichen Zeitraum 18.170. Bei der Stufenhecklimousine, die jetzt wieder Corolla heißt, waren es ganze sieben Exemplare.

Missachteter Weltmeister
Mit dem Toyota Corolla E10 begann 1966 die Erfolgsgeschichte

Mit dem Toyota Corolla E10 begann 1966 die Erfolgsgeschichte

Es ist ja nicht so, als ob die Japaner es nicht probiert hätten, den Nippon-Golf auch in Deutschland zum Bestseller zu machen. Vor elf Jahren, als aus dem Corolla (dt. Blumenkrone) plötzlich der Auris wurde, haben die Asiaten in allen deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern jede verfügbare Plakatwand gebucht und mit dem Kompaktmodell bestückt. Egal, ob man auf dem Weg zur U-Bahn war oder im Stau stand, der Asiate mit dem neuen Namen war allgegenwärtig. Heute würde jedem Controller bei einer solchen Werbekampagne der Rotstift aus der Hand fallen. Der Erfolg dieser nicht kleckern, sondern klotzen-Aktion war eher überschaubar und der Namenswechsel eher kontraproduktiv. Schließlich begründete der Toyota Corolla bei allem Schattendasein, auch in Deutschland den guten Ruf der japanischen Autos, solide und verlässlich zu sein.

Aus rationellen Gründen spricht wenig gegen den Corolla beziehungsweise Auris. Die Qualität passt im Großem und Ganzen und die Preise schießen nicht unbedingt durch die Decke. Doch der Auris ist eben ein kreuzbraves Auto, manche würden auch sagen "langweilig". Beim Vorgänger des jetzt vorgestellten Auris überkam jeden Italiener beim Anblick des tristen Cockpits, das Bedürfnis, sich einen doppelten Espresso zu ordern. Das ändert sich zwar beim Neuen, doch eine Endorphin-Quelle ist das Fahrzeug dennoch nicht: Fahrdynamisch bringt der Auris niemanden dazu, ein Jahresticket für die Nordschleife des Nürburgrings zu buchen.

Doch das war nicht immer so. Der Toyota Corolla AE86 war Mitte der 1980er Jahre ein echter Herausforderer für den VW Golf GTI. Lössige 124 PS und Heckantrieb waren auch triftige Gründe, um sich hinter das Steuer des Japaners zu schwingen. Trotz des leichten Mehrgewichts gegenüber dem Volkswagen fuhr der Japaner Kreisel um den Wolfsburger, der mit 110 PS zum Duell antrat. Doch bald kam die Umstellung auf Frontantrieb: In der Konzernzentrale in Toyota herrschte schon damals das kühle Kalkül und diese Architektur bringt finanzielle Vorteile. Allerdings ging damit auch ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den meisten anderen Kompakt-Konkurrenten flöten. Dabei waren die Hoffnungen, als die Japaner ihr kleines Erfolgsmodell nach Deutschland brachten, noch sehr groß. Immerhin hatte sich die erste Corolla-Generation, die 1966 auf den Markt kam schon ziemlich gut verkauft. Im Jahr 1971 schaffte der Corolla II den Sprung nach Deutschland, noch bevor der VW Golf in den Kampf um die Krone im Kompaktwagensegement eingriff.

Die Anzahl an Karosserieformen und Varianten war groß und in den 1990er Jahren erlebte der Corolla auch in Deutschland eine Blütezeit. Die Toyota-Werbung titulierte den kleinen Japaner sogar als "König der Kompakten" und verpflichtete Werbebotschafter, wie den damals sehr populären Fernseh-Komiker Wigald Boning. Doch am Ende des Jahrzehnts war es mit der Verkaufsherrlichkeit vorbei. Allerdings nur in Deutschland, global ging der Siegeszug weiter. Schließlich versprach der biedere aber meistens zuverlässige Toyota genau das, was vielen Autofahrern auf der Welt wichtig ist: solide, möglichst sorgenfreie Mobilität. Nur im Land der Quer- und Längsdynamiker gab man sich damit nicht zufrieden.

Jetzt will Konzernchef Akio Toyoda mit neuen Emotionen an die guten Zeiten vergangener Jahre anknüpfen. Das Design ist schon mal deutlich frischer als bisher, aber momentan markiert eine Hybridversion mit 132 kW / 180 PS die Leistungsspitze. Ein bisschen mehr Dampf täte dem Auris/Corolla gut, dass er vom Nebendarsteller zum Hauptdarsteller wird.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.