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Schwerer Unfall: Radfahrer knallt gegen Autotür und stirbt - Verursacher kommt als Diplomat wohl davon

Ein Autofahrer reißt in Berlin plötzlich die Tür seines Fahrzeugs auf. Ein Radfahrer knallt dagegen und stirbt später. Da der Verursacher einen Diplomatenstatus hat, kommt er wohl um ein Verfahren herum.

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Ein sogenanntes Geisterfahrrad in Berlin erinnert an die Gefährdung von Radfahrern im Straßenverkehr

Ein 51-jähriger Autofahrer hat in Berlin-Neukölln auf der Hermannstraße die Fahrertür seines im absoluten Halteverbot auf einem Radweg geparkten Porsche Cayenne, ein saudi-arabisches Diplomatenfahrzeug, unvermittelt geöffnet und dabei einen Radfahrer übersehen. Der 55-Jährige konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und knallte gegen die Tür. Er wurde in eine Klinik gebracht, wo er am Mittwoch seinen schweren Verletzungen später erlag. 

Normalerweise würden nach einem solchen Unfall Ermittlungen wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung aufgenommen, sagte ein Polizeisprecher. In diesem Fall gebe es aber nur eine Verkehrsunfallermittlung für Versicherungszwecke. Auch Zeugen würden befragt. Der Verursacher selbst könne nicht geladen werden. Ein Strafverfahren ist wegen der Immunität ausgeschlossen.

Diplomaten sind vor Strafverfolgung geschützt

Diplomaten seien uneingeschränkt vor Strafverfolgung geschützt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Strafverfahren gegen Diplomaten würden normalerweise sofort eingestellt. Diplomaten stehen unter besonderem Schutz, um nicht aus politischen Gründen belangt werden zu können.

Das Auswärtige Amt versicherte aber, dass es Einzelfällen immer wieder nachgehe. Das Amt weise einzelne Botschaften regelmäßig auf die Pflicht zur Beachtung inländischer Gesetze hin. Auch Diplomaten seien "ungeachtet ihrer Privilegien verpflichtet, die im Empfangsstaat geltende Rechtsordnung zu beachten".  

Die saudische Botschaft drückte Medienberichten zufolge der Familie des Getöteten ihre Anteilnahme aus und kündigte an, künftig eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Botschaftsmitarbeitern zu fahren, die hierzulande die Verkehrsregeln verletzen. Sollte sich im konkrenten Fall die Schuld des Autofahrers bestätigen, ist er seinen Job wohl los.

Aktivisten hielten Mahnwache ab

Akitivisten der Gruppe "Volksentscheid Fahrrad" riefen zu einer Mahnwache auf. Die Sicherheit für Radfahrer werde auf Berlins Straßen immer noch nicht ernst genommen, hieß es in dem entsprechenden Facebook-Post. Und weiter: Ein baulich getrennter Radweg hätte so einen Unfall möglicherweise verhindern können. Die Infrastruktur der Hauptstadt sei für Radfahrer nicht sicher genug. Nun wolle man ein sogenanntes "Geisterfahrrad" aufstellen, um daran zu erinnern, dass an der Stelle ein Mensch gestorben sei.

"Niederländischer Griff" könnte Unfälle vermeiden

Autofahrern könnte indes der sogenannte "Niederländische Griff" bei der Vermeidung solcher Unfälle helfen. Im Nachbarland lernen angehende Autofahrer diesen bereits in der Fahrschule: Man öffnet die Tür nicht mit der linken, sondern mit der rechten Hand. Da man dafür den Oberkörper drehen muss, sieht man, was sich neben dem Auto auf der Fahrbahn abspielt.

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rös/jek / DPA

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