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Abwrackprämie: Regierung trifft den Nerv

Anstatt nach "Brot und Spielen" wie in der Antike verlangt das Volk nach Neuwagen. Wenn Konsum die erste Bürgerpflicht in der Krise ist, hat die Regierung richtig gehandelt, als sie sich entschloss, die Mittel für die Abwrackprämie aufzustocken.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Es ist populistisch und es ist richtig, dass die Regierung die Mittel für die Abwrackprämie aufstocken will. Der überraschende Erfolg der Maßnahme wird dazu führen, dass Deutschland frei von Altautos wird, und er wird die Folgen der weltweiten Absatzkrise für die Branche deutlich mindern. Natürlich leidet nicht nur die Autoindustrie unter der Wirtschaftskrise, andere Branchen darben genauso. Aber in diesem Jahr wird es an schlechten Nachrichten keinen Mangel geben, umso wichtiger, dass wenigstens aus einer Ecke Positives kommt. Und dafür wird die Abwrackprämie weiterhin sorgen. Einst von der SPD ersonnen, hat die Prämie die Republik offenbar elektrisiert. Mit wem man auch spricht, jeder kennt jemanden, der die Prämie in Anspruch genommen hat oder sich den Autokauf dringend überlegt. Wenn denn Konsum erste Bürgerpflicht ist, ist das ein sehr gutes Ergebnis.

Viele Maßnahmen zur Krisenbekämpfung müssen sich noch beweisen, ihre Wirksamkeit ist ebenso ungewiss, wie die Kosten, die am Ende entstehen. Daneben steht die Abwrackprämie in eleganter Schlichtheit. Dass sie funktioniert, hat sie bereits bewiesen, und ihre Kosten sind exakt zu beziffern. Für die Prämie spricht zudem die Hebelwirkung des Anreizes: Auf die 2500 Euro vom Staat packt der Käufer mindestens 5000 Eurodrauf, häufig auch deutlich mehr. Populistisch könnte man rechnen: Der Staat verzichtet einfach mal auf die Mehrwertsteuer für Neuwagen und schon brummt der Laden.

Durch Aufstockung der Mittel wird ein Chaos vermieden, das gedroht hätte, wenn der Topf zu Ostern leer geworden wäre. Die positiven Signale der Prämie hätten sich ins Gegenteil gewendet, wenn Tausende Autokäufer tränenreich vor die Kamera getreten wären und erklärt hätten, dass sie um ihre Prämie "betrogen" worden seien. Tatsächlich legen sich nicht allein die mittelosen Autohalter jetzt einen neuen Kleinwagen zu. Auch durchaus begüterten Zeitgenossen gibt die Prämie den richtigen "Kick" – Deutschland ist ein Land der Schnäppchenjäger, und dieses Schnäppchen will sich offenbar niemand entgehen lassen. Es kommt selten vor, dass eine Regierung den Nerv ihrer Bürger so gut trifft.

Von der Prämie profitieren die Massenhersteller in Deutschland, allen voran Volkswagen. Aber natürlich verkaufen auch fernöstliche und europäische Importeure beflügelt durch deutsche Steuergelder mehr Autos. Aber spricht das gegen diese Maßnahme? Nein, denn anders ist es in der vernetzten Weltwirtschaft gar nicht möglich und sollte von einem Exportland wie Deutschland auch nicht gewünscht sein.

Nebenbei bewirkt die Prämie auch etwas für die Umwelt, und wird helfen den CO2-Ausstoß des Verkehrs zu senken. Auch wenn nicht gezielt die umweltfreundlichsten Wagen gefördert werden, verbessert allein der Austausch "alt" gegen "neu" die Gesamtbilanz erheblich. Denn eines haben Krise und Prämie gemeinsam geschafft: Der Trend zum "größer, schneller, schwerer" ist gebrochen. Der Kunde kauft inzwischen Kleinwagen, die er sich auch leisten kann, anstatt dem Traum von PS und Fahrleidenschaft hinterzulaufen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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