Abwrackprämie Run auf die Automeilen


Die Aussicht auf 2500 Euro aus der Staatskasse treibt die Deutschen am Wochenende auf die Automeilen. Nach neuen Berechungen sind mehr als eine Million Bürger aufgrund der Abwrackprämie an einem neuen Wagen interessiert. Welche Marken sind jetzt besonders günstig zu haben?
Von Gernot Kramper

Volkswagen profitiert am stärksten von der Abwrackprämie. Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Puls beabsichtigen 17,2 Prozent der Verschrottungswilligen den Kauf eines Pkw des Wolfsburger Autobauers. Dicht verfolgt wird VW von einem Exoten: 11,5 Prozent liebäugeln mit einem Auto der Renault-Tochter Dacia. Je acht Prozent planen den Kauf eines Fiat- oder Ford-Modells. Laut Stefan Reiser von Puls gibt es hochgerechnet etwa 1,2 Millionen Interessenten.

Um von der Maßnahme zu profitieren, müssen die Hersteller stark im Kleinwagensegment sein. Reiser: "In dieser Zielgruppe ist das Budget für ein Neufahrzeug begrenzt, da passen die Modelle von Dacia wie die Faust aufs Auge. Die Kunden können sich überlegen, ob sie einen Gebrauchtwagen kaufen - oder eben Dacia. Ähnliches gilt für Fiat. Die Prämie gibt jetzt den entscheidenden Anstoß." Auch wenn es nicht zu 1,2 Millionen zusätzlichen Autoverkäufen kommen wird, an dem Ergebnis der Umfrage zeigt sich, wie heiß das Thema Autokauf diskutiert wird.

Attraktive Angebote

Auch die Autohändler kommen den Preisvorstellungen der Fahrer betagter Wagen weit entgegen. Richtige Preisschnäppchen kann der Kunde machen, der bei der Wahl des neuen Wagens flexibel und bereit ist, seine Entscheidung von den höchsten Rabatten abhängig zu machen.

Zu den absoluten Preiskrachern gehört der Straßenfloh Chevrolet Matiz. Rabatt und Prämie abgerechnet, bekommt man den Kleinwagen für 5000 Euro. Bei einem Skoda Fabia zum Listenpreis von etwa 13.000 dürfte ein Rabatt von 1000 Euro realistisch sein, mit der Prämie sinkt der Kaufpreis dann auf etwa 10.000 Euro. Zum gleichen Preis geht es auch eine Nummer größer. Richtig sparen kann der Kunde bei Marken und Produkten, die es schwer im Markt haben. Der Opel Astra muss sich etwa gegen den brandneuen Golf VI behaupten, das geht nur mit massiven Rabatten. 3.500 Euro Rabatt plus Prämie verbilligen einen 16.5000 Euro Astra auf runde 10.000 Euro. Wenn es etwas teuerer und gewagter sein darf, lockt der futuristisch gestylte Honda Civic. Ihn machen etwa 3500 Euro zusätzlicher Rabatt bezahlbar. Auch Fiat ist mit einer eigenen Kampagne auf den Abwrackzug aufgesprungen, bei einzelnen Fiatmodellen lassen sich bis zu 45 Prozent Rabatt heraushandeln. In der Summe der Anstrengungen bewegt sich der ganze Markt.

Billigautos liegen im Trend

Reinhard Zirpel, Deutschland-Vorstand für Kommunikation bei Dacia und Renault, sagte stern.de, dass er im Gesamtmarkt mit 200.000 bis 300.000 zusätzlich verkauften Fahrzeugen rechnet. Bei den Billigautos von Dacia sieht es mit Sonderrabatten zwar eher schlecht aus. Dafür sind die Wagen von Haus aus scharf kalkuliert. Der Sandero - ein Wagen der Kompaktklasse – kostet abzüglich der Prämie nur 5000 Euro, einen Logan gibt es ab etwa 6000 Euro. Zirpel: "Seitdem es die Prämie gibt, macht sich das in den Verkaufsräumen von Dacia und Renault bemerkbar. Das sind nicht ein, zwei Interessenten mehr, die Häuser sind voll."

Der größte Anbieter Volkswagen gehört nicht zu den ganz Billigen im Land. Aber für viele Kunden gilt der Slogan "Volkswagen, das Auto" – sie suchen zunächst eine Filiale der Wolfsburger auf. Christina Merzbach, von der Konzernkommunikation für Vertrieb und Marketing, sagt, dass die neue Stimmungslage zusätzliche Kunden in die VW-Häuser bringe. "In Berlin sind es zehn bis 15 Prozent zusätzlich." Kein Wunder, dass Volkswagen die Initiative der Regierung begrüßt. Mit dem "Fox" bietet selbst Volkswagen ein Billigmodell an. Daneben lassen sich weitere Schnäppchen entdecken. 2009 wird der Polo abgelöst, das aktuelle Modell schwächelt entsprechend. Das gleiche gilt für den Golf Plus. Die höchsten Nachlässe kann man bei Restbeständen des Golf V erwarten.

Wie hoch ist die Belastung wirklich?

Eine wichtige Frage ist, mit welchen Kosten ein Käufer rechnen muss, der außer seinem Altwagen keine Eigenmittel mitbringt. Die monatlichen Belastungen eines Autokaufs sind wegen der guten Bedingungen bei Kundenkrediten relativ gering. Mit einem guten Kredit zum attraktiven Satz von 5 Prozent effektiver Verzinsung sind 10.000 Euro mit einer Monatsrate von etwa 230 Euro in vier Jahren abgetragen (6 Prozent führen zu einer Rate von 235 Euro). Ein Betrag von 5.000 Euro (5 Prozent Verzinsung) führt zu einer Belastung von 115 Euro im gleichen Zeitraum. Gegenzurechnen wären die Ersparnisse gegenüber dem Altwagen bei Steuer, Verbrauch und Reparaturen.

Besonders sparsame Kunden können von der Großzügigkeit der Bundesregierung profitieren, die bereit ist, die Prämie auch beim Kauf von Jahreswagen und Tageszulassungen auszuzahlen. Auch ein Jahreswagen mit einer Fahrleistung von 6000 Kilometer ist praktisch neu und verbilligt sich noch einmal massiv. Und eines spart man hier noch mal obendrein: Die Überführungskosten von etwa 500 Euro fallen bei Jahreswagen und Tageszulassungen nicht an.


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