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ADAC-Berater: Gelassen durch den Super-Stau

Obst, Spielzeug und Karten: Die mobilen Stauberater des ADAC Hansa packen ihre Motorräder voll, denn in Deutschland droht eines der größten Stau-Wochenenden des Jahres. stern.de traf die aktiven Helfer und holte Tipps für eine entspannte Fahrt ein.

Von Christoph M. Schwarzer

Das Wichtigste zuerst: "Wie lang ist der Stau, auf welche Wartezeit müssen sich die Fahrer einstellen, und warum steht der Verkehr?" Information - das ist die beste Waffe von Christian Schäfer, mobiler Stauberater beim ADAC Hansa in Hamburg, im Kampf gegen Stress und Streit.

Er belädt seine 110 PS starke BMW mit aktuellen Straßenkarten, gekühlter Limonade und Spielzeugautos. "Wenn die Leute wissen, was vor ihnen liegt, sind sie sofort ruhiger", erklärt Schäfer, der sich bis Ende August ehrenamtlich mehrere Wochenenden ans Bein binden wird, um zu helfen. Am Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag von 9 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 15 Uhr. Sein Lohn und seine Motivation sind die Freude und die direkte positive Wirkung, die diese Arbeit hat.

Kriegen wir die Fähre noch?

Typisch für den Großraum Hamburg, in dem er und seine 14 Kollegen sich zwei BMW R 1200 RT teilen, ist die Frage nach dem Abfahrtstermin der Fähre in Travemünde. Kein Problem für die Engel auf zwei Rädern. Mit einer Freisprecheinrichtung im Helm rufen sie im Hafen an, um zu prüfen, wann das Schiff genau ablegt. Das Ergebnis auch hier: Beruhigung.

In den drei Koffern an der 330-Kilo-Maschine gibt es aber auch Handfestes. Rechts zum Beispiel sind die Getränke mit den Kühlelementen - das wird vor allem beim erwarteten Wetterumschwung an diesem Wochenende wichtig. Und natürlich Spielzeug. Kinderbücher, Puzzle und sogar die CD für eine mobile Playstation haben die Stauberater dabei: "Aber nicht mit Ballerspielen, sondern mit Lernsoftware", erklärt Christian Schäfer, der normalerweise Leiter Technik und Verkehr ist und im Büro sitzt.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Stausicherung zur Gefahrenabwehr

Aber die Stauberater entlasten nicht nur Eltern von quengelnden Kindern oder Terminsorgen. Sie geben vor den risikoreichen Stauenden Handzeichen an die Autofahrer, damit die bremsbereit sind. Und sie geben aktuelle Staulängen an die Zentrale des ADAC durch. Der Dienst der Berater funktioniert durch die Regionalzentren bundesweit und ist kostenlos für alle, also auch für Nicht-Mitglieder. Und alles, was an kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten in den Koffern des Motorrads wartet, ist von den Herstellern gesponsert.

Werkzeug haben die Stauberater zwar kaum dabei, aber bei kleinen Pannen können sie oft helfen. Darüber hinaus haben alle nicht nur ein Fahrsicherheitstraining, sondern auch einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Nothammer, Verbandszeug und Beatmungsmaske fahren im Topcase mit: "Einen Toten hatte ich noch nie", sagt Christian Schäfer erleichtert, "und auch bei unseren Fahrern ist noch keiner ernsthaft verunfallt." Nur die einzige Frau im Team ist nicht mehr dabei - sie ist Mutter geworden.

Einfach gelassen bleiben

Viele der Möglichkeiten der mobilen Stauberater können sich Autofahrer durch gute Vorbereitung auch selbst schaffen: Im Verkehrsfunk wird die Länge der Staus durchgesagt. Aktuelle, nicht veraltete Straßenkarten helfen bei eventuellen Umleitungen. Getränke und Obst sind wichtig, damit der Körper fit bleibt. Und wer dann pinkeln muss, sollte das entweder rechtzeitig tun oder im Notfall nicht panisch über die Leitplanke springen und die Fahrertür offen lassen.

"Und wenn es auf den Engpass, zum Beispiel ein liegengebliebenes Auto in einer Baustelle, zugeht, bitte immer bis zum Ende fahren und dann das Reißverschlussverfahren anwenden!", mahnt Schäfer. Auch überflüssiges Fahrstreifenspringen verlängert den Stau. Morgen, ganz früh, geht's noch mal zum Großmarkt. Die Kiwis und Bananen sollen frisch sein an diesem Mega-Wochenende.

Mit dem Ferienbeginn in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg haben jetzt neun Bundesländer Sommerferien. Dazu kommt der Urlaub in den Opel-Werken Bochum und Rüsselsheim sowie Teilen der Niederlande. Der ADAC prognostiziert darum Staus auf diesen Strecken:
Fernstraßen zur Nord- und Ostsee
A 7 Hamburg - Flensburg
A 1 Köln - Bremen - Lübeck - Puttgarden
A 2 Berlin - Hannover - Dortmund
A 24 Berlin - Hamburg
A 19 Wittstock - Rostock
A 10 Berliner Autobahnring
A 3 Oberhausen - Köln - Frankfurt - Nürnberg
A 4 Großraum Köln
A 5 Kassel - Frankfurt - Karlsruhe - Basel
A 6 Saarbrücken - Kaiserslautern - Mannheim
A 7 Hamburg - Hannover - Würzburg - Kempten
A 8 Karlsruhe - Stuttgart - München - Salzburg
A 9 Berlin - Nürnberg - München
A 93 Inntaldreieck - Kufstein
A 99 Umfahrung München
Darüber hinaus werden folgende Baustellen besondere Stau-Schwerpunkte sein:
A 1 Hamburg - Bremen zwischen Hamburg-Harburg und Horster Dreieck
A 2 Dortmund - Hannover zwischen Bad Eilsen und Rehren
A 8 Stuttgart - München zwischen Augsburg-West und Augsburg-Ost
A 6 Mannheim - Heilbronn zwischen Wiesloch/ Rauenberg und Sinsheim-Steinsfurt
A 8 Karlsruhe - Stuttgart zwischen Pforzheim-Ost und Heimsheim
A 8 Stuttgart -Karlsruhe zwischen Dreieck Leonberg und Heimsheim
A 9 Halle/ Leipzig - Nürnberg zwischen Kreuz Rippachtal und Naumburg
A 7 Kassel - Würzburg zwischen Bad Hersfeld-West und Kirchheimer Dreieck
A 9 Halle/ Leipzig - Nürnberg zwischen Eisenberg und Hermsdorfer Kreuz

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