ADAC-Test Viele Raststätten kaum pausentauglich


An den wichtigsten Fernstraßen in Europa weisen viele Raststätten erhebliche Mängel auf. Der ADAC kritisierte vor allem mangelnde Familienfreundlichkeit, zu hohe Essenspreise und Hygieneprobleme.

Auf den Raststätten an den europäischen Autobahnen erwartet Urlaubsreisende oft mehr Ärger als Erholung. Jede vierte Anlage fiel beim jüngsten ADAC-Raststätten-Test glatt durch, die Hälfte erfüllte lediglich die Mindestanforderungen. Kein einziges Mal konnte die Note "sehr gut" vergeben werden, wie der Autoclub am Dienstag in München mitteilte. Mit Abstand am besten schnitten die deutschen Raststätten ab: Sie belegten die sieben ersten Plätze.

Testsieger wurde die Raststätte Vogtland Süd an der A 72 bei Plauen mit einem "gut". Die moderne Anlage erreichte in puncto Verkehrssicherheit, Gastronomie, Kiosk, Service und Familienfreundlichkeit Bestnoten und kommt nach dem ADAC-Urteil "der idealen Anlage am nächsten". Neben Picknickplätzen biete sie einen Spazierpfad und einen abwechslungsreichen Spielplatz.

Schlusslicht England

Aber fast die Hälfte der 62 getesteten Raststätten in zehn Staaten ist für Familien ein Reinfall - sie waren "mangelhaft" oder sogar "sehr mangelhaft". Spielplätze seien nicht abgesichert gegen den Autoverkehr, Spielgeräte defekt, im Restaurant liege die Spielecke in der Raucherzone, und Babys müssten im Gedränge auf der Damentoilette gewickelt werden, kritisierte ADAC-Vizepräsident Max Stich. Am besten waren auch hier die deutschen Raststätten - Bedburger Land Ost, Köckern West und Vogtland Süd waren sogar "sehr gut". Um italienische Raststätten dagegen sollten Familien einen großen Bogen machen, riet Stich: Sie nähmen "auf die Bedürfnisse von Kindern praktisch keine Rücksicht". In den acht getesteten Anlagen gab es nicht einmal einen Spielplatz oder einen Picknicktisch.

Absolutes Schlusslicht im europäischen Raststättentest aber war England, wo sechs von acht Anlagen glatt durchfielen. Zu teuer und oft schmutzig, lautete das Urteil der Tester. Den Vogel schoss die Raststätte Sandbach bei Birmingham ab: Sie stehe vor Dreck, sei unsicher, biete keinen Spielplatz und nur ein dürftiges und unappetitliches Speisenangebot - "aber dafür teuer".

Vereinzelt gute Noten

"Insgesamt ist das Ergebnis ernüchternd", sagte Stich. "Außerordentlich erfreulich" aber sei das Ergebnis der deutschen Anlagen: Von 15 getesteten Raststätten und Autohöfen waren sieben "gut", sieben "ausreichend" und nur eine "mangelhaft": Stillhorn West bei Hamburg.

Mit "gut" wurden die Raststätten Vogtland Süd (A72), Köckern West (A9), Herford Nord (A2), Bedburger Land Ost (A61) sowie die Autohöfe Berg (A9), Wörnitz (A7) und Waldlaubersheim (A61) bewertet. Nur drei ausländische Anlagen erreichten ebenfalls ein "gut": Bellinzona Nord in der Schweiz, Les Garrigues Süd in Spanien und Suben West in Österreich.

Gepfefferte Preise

Lediglich "ausreichend" waren 38 Raststätten, darunter alle Testanlagen in Belgien, den Niederlanden und Slowenien. In Frankreich und den Niederlanden sei das Niveau auf Mittelmaß gesunken. In Spanien waren die Unterscheide zwischen den einzelnen Anlagen am größten. In Belgien wurden allgemein vor allem Hygiene und Außenanlagen bemängelt.

Der ADAC kritisierte auch die Preise auf vielen Raststätten. Das gleiche Glas Wasser koste mal 90 Cent, mal fast drei Euro. Vor allem England und die Schweiz seien teuer. Wenn ein einfaches Nudelgericht mit Salat, einem Glas Wasser und Kaffee 18 Euro koste, könne das einem die Urlaubsfreude schon vermiesen, sagte Stich.

Die deutschen Raststätten seien in den letzten Jahren deutlich besser geworden, vor allem beim Service, lobte Stich. Auch die Autohöfe holten auf und seien nicht länger alles "kleine billige Brüder mit Truckerimage".

Roland Losch/AP AP DPA

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