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Auto-Rückrufe: Austauschen, bevor es brennt

Die Zahl der Rückruf-Aktionen von Autos ist hoch. Allein in diesem noch jungen Jahr wurden bereits hunderttausende Fahrzeuge zurückgepfiffen. Am häufigsten hakt es bei der Mechanik, manchmal ist gar die Sicherheit der Passagiere bedroht. Einige Hersteller reagieren schnell - andere lassen sich Zeit.

Ob Franzosen, Deutsche, Japaner oder Italiener - praktisch alle Marken sind von den Rückrufen betroffen

Ob Franzosen, Deutsche, Japaner oder Italiener - praktisch alle Marken sind von den Rückrufen betroffen

Das Jahr 2009 ist noch jung, und schon wurden hunderttausende Autos diverser Marken in die Werkstatt zurückgepfiffen. Arnulf Volkmar Thiemel von der Abteilung Fahrzeugtechnik des ADAC nennt als aktuelles Beispiel einen Rückruf des Toyota Yaris im Februar 2009. "In der B-Säule des Fahrzeugs befindet sich in der Nähe der Gurtstraffer Dämmmaterial. Dieses kann in Brand geraten, wenn die pyrotechnischen Gurtstraffer zünden", beschreibt Thiemel die mögliche Folge des Mangels. Ein weiteres Beispiel sei der Rückruf des Alfa Romeo 8c, bei dem sich die unteren Federbeinaufnahmen lösen können. "In der Folge kann es passieren, dass das Fahrzeug unkontrollierbar wird", so Thiemel.

"Den Kunden entstehen keine Kosten"

Von der weltweiten Rückrufaktion des Yaris sind in Deutschland 44.578 Fahrzeuge betroffen, sagt Toyota-Sprecher Karsten Rehmann. Auslöser für den Rückruf seien zwei Vorfälle in Japan und einer in Australien. Die vom Rückruf betroffenen deutschen Fahrzeughalter würden vom Kraftfahrtbundesamt angeschrieben. "In der Werkstatt wird das betroffene Dämm-Element entfernt, den Kunden entstehen keine Kosten", so Rehmann.

Selbst wenn es sich nicht um sicherheitsrelevante Mängel handelt, kratzen Rückrufe am Image der Autobauer. Ob Franzosen, Deutsche, Japaner oder Italiener - praktisch alle Marken sind betroffen. Insgesamt beobachte der ADAC, dass sich die Zahl der Rückrufe in den vergangenen Jahren zwar erhöht, aber inzwischen auf "einem bestimmten Niveau eingependelt" habe, sagt Arnulf Volkmar Thiemel. 1998 verzeichnete die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) noch 55 Rückrufaktionen, 2007 waren es 157. "Drei von vier Aktionen betrafen Fahrzeuge, die 3 Jahre oder jünger waren", berichtet das KBA. Obwohl moderne Autos mit Elektronik und komplexer Software-Steuerung voll gestopft sind, haben 75 Prozent der Mängel immer noch eine mechanische Ursache. Gefährliche Mängel treten vor allem bei Bremsen, Lenkung, am Fahrwerk sowie bei Airbags und Sicherheitsgurten auf.

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Bis zur Stilllegung

Rückrufe starten die Autohersteller zunächst einmal freiwillig. Das Kraftfahrtbundesamt untersucht aber, wie gefährlich die herstellerbedingten Mängel sind. Die Grundlage dafür ist das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz. Im Jahr 2007 hat das KBA nach eigenen Angaben 371 Hinweise über Produktmängel erhalten, 8 Prozent mehr als im Jahr davor. "In 99 Fällen waren die möglichen Gefährdungen so ernst, dass sich das KBA einbinden und die vom Hersteller ergriffenen Maßnahmen überwachen musste", berichtet die Behörde.

Das KBA ermittelt die Halter der betroffenen Fahrzeuge und hakt nach, wenn Fahrzeughalter nicht auf die Rückrufaktion reagieren. Auch Halter von Importfahrzeugen werden bei sicherheitskritischen Mängeln informiert. Wer die Schreiben des KBA stumpf ignoriert, kann unter Umständen zu Fuß gehen: Im Jahr 2007 hat die Behörde nach eigenen Angaben in 3369 Fällen bei den örtlichen Zulassungsbehörden veranlasst, dass ein Auto stillgelegt wird.

Datenbank aller Rückruf-Fahrzeuge

Autohersteller sind übrigens nicht unbedingt dazu verpflichtet, bei Nachbesserungen die Kosten zu übernehmen. Nur im Rahmen der Sachmängelhaftung (bei Neuwagen beträgt die Frist zwei Jahre) darf man eine kostenlose Nachbesserung erwarten. In der Regel zeigen sich die Hersteller aber auch bei älteren Autos kulant, denn durch Rückrufe wird ihr Image ohnehin schon genug angekratzt.

Gebrauchtwagenkäufer sollten ebenfalls das Thema Rückrufe im Hinterkopf behalten. Wenn das gebrauchte Objekt der Begierde von einem Rückruf betroffen war, muss der Verkäufer nachweisen können, dass der Fehler auch wirklich abgestellt wurde. Manche Hersteller bringen dazu einen Aufkleber in der Reserveradmulde an oder vermerken es in Datenbanken, auf die die Werkstätten zugreifen. "Man sollte vor dem Kauf mit der Fahrgestellnummer des Wagens zu einer Hersteller-Werkstatt gehen und fragen, ob die Rückrufaktion am Fahrzeug durchgeführt wurde", rät Arnulf Volkmar Thiemel. Der ADAC führt im Internet eine Datenbank aller zurückgerufenen Fahrzeuge, die auch für Nicht-Mitglieder zugänglich ist.

Verantwortungsbewusstsein der Hersteller

Aus einer hohen Anzahl von Rückrufen eines Herstellers solle man allerdings nicht immer schließen, dass es sich um schlechte Produkte handle, sagt Thiemel. "Es kann auch ein Zeichen dafür sein, dass ein Hersteller verantwortungsbewusst mit Rückrufen umgeht. Insbesondere bei Herstellern mit großer Modellpalette und hohen Verkaufszahlen sind meist mehr einzelne Fahrzeuge betroffenen als bei kleineren Mitbewerbern. Einige Hersteller behandeln das Thema mittlerweile offener als früher, andere lassen sich allerdings viel Zeit", berichtet der Fahrzeugtechnik-Experte. Er nennt das Beispiel eines französischen Kompaktwagens, bei dem im Jahr 2005 in skandinavischen Ländern in Verbindung mit Streusalz aufgrund eines technischen Defektes mehrfach Brände aufgetreten waren. "Der Wagen wurde zunächst nur in Skandinavien zurückgerufen. Erst auf Druck hin wurde die Rückrufaktion auf Deutschland ausgeweitet", so Thiemel.

Sebastian Viehmann/Press-Inform

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