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Autokrise: US-Leasinglawine überrollt deutsche Hersteller

In den USA haben es die deutschen Autohersteller zur Zeit besonders schwer. Zu den Absatzproblemen für Neuwagen kommen Altlasten aus besseren Tagen. Die Rückläufe der Leasing-Programme drohen die Höfe der Händler zu verstopfen. Die Flucht aus dem Leasing hat begonnen.

Von Helmut Werb

Ein großer Teil der Leasing-Kunden mag aus Finanznot geneigt sein, auf einen kleineren fahrbaren Untersatz umzusteigen - der kommt jedoch oft aus Asien

Ein großer Teil der Leasing-Kunden mag aus Finanznot geneigt sein, auf einen kleineren fahrbaren Untersatz umzusteigen - der kommt jedoch oft aus Asien

Vor einigen Jahren, als die Finanzwelt in den USA noch in Ordnung war und die Autoindustrie sich von einem Hoch zum anderen hangelte, traten vor allem die deutschen Hersteller in Amerika eine Lawine los, an deren Folgen sie heute arg zu leiden haben. Leasing, jahrelang das Zauberwort sowohl für Endnutzer als auch für Autohersteller, verhalf Mercedes, BMW und - in deutlich geringeren Quoten - auch dem Volkswagenkonzern zu immer neuen Verkaufsrekorden zwischen Los Angeles, Boston und Miami. Der Laden brummte, die Käufer hatten zwar kein Geld, dafür umso mehr Kredit, und um die Konkurrenz auszustechen, wurden mit den Möchtegernen schon mal Leasing-Raten vereinbart, die aufrechten Finanzbuchhaltern die Tränen in die Augen getrieben hätten.

"Leasing ist ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts, eine bevorzugte Anschaffungsart für viele Luxus-Käufer, und besonders für jene, die sich sonst wohl kein Luxusauto leisten könnten", umschreibt Michael Slagter, Verkaufschef bei Mercedes Benz USA, elegant das Phänomen. Kein Wunder also, dass noch vor zwei, drei Jahren auf dem US-Automarkt jährliche Zuwachsraten von zehn bis zwanzig Prozent nichts Außergewöhnliches mehr waren. "Wir hatten über sechzehn Jahre lang stetiges Wachstum in Nordamerika", erinnerte sich Jim O’Donnell, Vorstand der BMW USA Holding, gegenüber einer US-Zeitschrift noch im Januar dieses Jahres.

Folgelasten der Leasing-Lawine

Doch ach, die guten Zeiten sind vorbei, und auf dem Hof amerikanischer Autohändler türmen sich die Folgelasten der Leasing-Lawine nun zur immensen Halde: die Verträge aus den Jubeltagen laufen aus, und die verehrte Kundschaft bringt die Autos massenhaft zurück. Folge: die Händler haben den Laden voller Gebrauchter, und das in einer Zeit, in der eh fast nix geht. "Ich kann ihnen so viele C-Klassen anbieten wie noch nie. Ich ersticke fast an den Dingern", stöhnt der Manager eines Mercedes Autohauses in Tacoma, im US-Bundesstaat Washington, am Telefon. Vor zwei, drei Jahren hatte Mercedes Benz vor allem die C-Klasse durch äusserst attraktive Lease-Pakete gepusht. "Und jetzt habe ich hier jede Farbe rumstehen, jede Ausstattung, und zu jedem Preis."

Beispiel: Wer im Internet einen zwei Jahre alten BMW 328 in einem engen 50-Meilen-Umkreis von Los Angeles sucht, hat die Auswahl an über fünfhundert Angeboten, zum Teil zu Preisen von unter 20.000 Dollar! Wer eine E-Klasse will, laut Michael Slagter das Brot-und-Butter-Fahrzeug des Mercedes-Leasing-Programms, findet immer noch über zweihundertfünfzig Gebrauchte - ups, sorry, "Certified-Pre-Owneds" - innerhalb des 50-Meilen-Radiusses. Zu Preisen um die 25.000 Dollar.

Das Geschäft ist in den roten Zahlen

Diese Schwemme gebrauchter Premiumfahrzeuge schaukelt sich zum Leidwesen der Hersteller nun auf. Die Leasingrate eines Fahrzeugs berechnet sich aus dem sogenannten Restwert, also dem Gebrauchtwagenpreis. Fällt dieser auf Grund übergrossen Angebotes, reicht die vorab vereinbarte Monatsrate nicht aus, um den Wertverlust auszugleichen - das Geschäft ist in den roten Zahlen. Zwar verkaufen sowohl Mercedes als auch BMW ihre als "Certified Pre-Owned"veredelten Gebrauchten noch ganz anständig, allein die Münchner konnten im Lauf der letzten zwölf Monate 19.000 "CPOs" an den amerikanischen Mann bringen, immerhin vierundzwanzig Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Aber die Profitmarge für Neue - selbst bei den grossen Modellen - schrumpft auf Grund der sinkenden Restwerte in gefährliche Tiefen. Höhere Leasing-Raten, die den realen Restwert mit einberechnen würden, sind auf dem jetzigen Markt jedoch kaum durchzusetzen.

Kein Wunder also, dass sich die deutschen Hersteller am liebsten ein wenig aus dem amerikanischen Leasing-Geschäft zurückziehen würden. "Unsere Wunschquote liegt bei unter fünfzig Prozent", sagt Birgit Diller von BMW. Die Quote liegt um einiges höher. Auf der Los Angeles Auto Show im Januar war vor allem bei den in den USA beliebten Siebener-Modellen von einer Leasing-Quote von mehr als sechzig Prozent gemunkelt worden. "Eine Quote zwischen vierzig und fünfzig Prozent wäre eine gesunde Balance für uns", nennt Michael Slagter von Mercedes eine Zahl, von der auch die Schwaben noch entfernt sind. Bei etwas mehr als fünfzig Prozent läge die Stuttgarter Firma in den USA, "...manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger, je nach aktueller Martklage". Zumindest in der Vergangenheit tendierte die Zahl wohl eher zu mehr.

Keiner will Leasing-Modell aufgeben

"Verglichen mit dem Wettbewerbsumfeld schlagen wir uns recht gut", sagt Birgit Diller, vor allem die X5-Modelle und der Mini könnten dem düsteren Restwert-Trend Widerstand leisten. Das zitierte Wettbewerbsumfeld hingegen streicht da schon mal die Segel. Vor wenigen Monaten nahm zum Beispiel der arg gebeutelte Chrysler Konzern das Leasing-Angebot ganz aus dem Programm, weil für die Rückläufe kein müder Dollar zu erzielen war. Und die Kollegen von General Motors versuchen, den Leasing-Anteil am arg geschrumpften Verkauf auf unter zwanzig Prozent zu senken. Good luck.

Ganz aufgeben will - und kann - das Leasing-Modell keiner. "Auslaufende Leasing-Veträge bringen die Kunden nach zwei, drei Jahren zurück zum Händler", erklärte Mr O’Donnell im US-Interview. Ausserdem tendieren Leasing-Kunden immer noch zu deutlich üppigeren Ausstattungspaketen, an denen Hersteller prächtig verdienen. "Wir wissen zum Beispiel, dass im Dezember 13,000 Leute in unsere Showrooms kommen werden und sagen, ,Mein Vertrag geht zu Ende'."

Solche Erwartungen sind vielleicht ein wenig optimistisch angesichts der derzeitigen Lage. Ein großer Teil der Leasing-Kunden mag aus Finanznot durchaus geneigt sein, auf einen kleineren fahrbaren Untersatz umzusteigen. Und der kommt oft aus Asien.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.