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Automesse IAA 2011 Große Bühne für viel Blech


Die Automesse IAA beginnt am Dienstag. Die protzige Schau der PS-Branche kann aber nicht verdecken: Attraktive Modelle für das nächste Jahr fehlen. Star wird ein kleiner VW.
Von Gernot Kramper

Mit strahlenden Augen blickt die Autobranche vor der IAA nach Frankfurt: Die Autokonjunktur brummt, nicht nur im Ausland, sondern auch im deutschen Markt. An die Stelle von Kurzarbeit sind Sonderschichten getreten – bei vielen Modellen ist die Nachfrage so groß, dass Kunden lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Also lädt die Branche zu einem Jubelfest nach Frankfurt. Die Publikumstage dauern vom 17. bis 25. September, für Journalisten öffnet die Messe bereits am kommenden Dienstag.

Tatsächlich aber verliert die Leitmesse IAA an Bedeutung. Wirkliche Neuheiten sind selten. Daran sind zum Teil die Messen in China Schuld, die ihren Anteil an prestigeträchtigen Neuheiten fordern. Vor allem aber höhlen die Autohersteller selbst die einst zentrale Bedeutung der Messe aus. Anstatt mit den eigenen Modellen nur einen kleinen Funken zum großen Messefeuerwerk beizutragen, zeigen sie immer mehr Neuheiten bereits vorab der Fachöffentlichkeit – das große Staunen findet dann nicht mehr in Frankfurt statt.

Prachtbauten für den Messezirkus

Einen Ausgleich für das Publikum sollen gigantische Messepavillions bieten. Seit mehr als zwei Monaten wird auf dem Messegelände Tag und Nacht gebaut. Besonders die deutschen Hersteller lassen es richtig krachen. Nachdem BMW sein überdimensionales Zelt auf der mittigen Agora vor zwei Jahren gegen einen imposanten Auftritt in der neuen Halle 11 eingetauscht hat, zieht es nunmehr Audi nach außen. Mit dem größten Messeengagement der Firmengeschichte gibt es eine Themenwelt mit den vier Ringen. Innen gibt es nicht nur gigantische Ausstellungsflächen in einem eigens für die Messe kreierten Temporärgebäude, sondern auch eine überdachte Teststrecke. Kosten: im zweistelligen Millionenbereich. Daimler zieht es mit seinen vier Marken Mercedes, Smart, AMG und Maybach traditionell in die Frankfurter Festhalle. Dort, wo sonst kulturelle Hochgenüsse oder Sportveranstaltungen stattfinden, können die erwarteten 900.000 Besucher in eine Mercedes-Welt eintauchen.

Die protzige Leistungsschau täuscht dabei über den tatsächlichen Zustand der Branche hinweg. Auch die beeindruckenden Zuwachszahlen bei den Autozulassungen sagen nur die halbe Wahrheit. Das Wachstum orientiert sich an den Vorjahreszahlen, dem schlechtesten Autojahr seit der Wiedervereinigung. Es handelt sich im Automarkt um eine Erholung und nicht um einen Höhenflug. Und diese Erholung ist in Gefahr: Im August 2011 wurden die Autoverkäufe in Deutschland mit sehr hohen Rabatten am Markt erkauft. "In dem Monat vor der IAA geben die Hersteller mit Rabatten und Aktionen wie Tageszulassungen in der Regel noch mal Gas, um sich auf der Messe mit Marktanteilsgewinnen präsentieren zu können", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Und die Zukunft sieht düster aus. Eurokrise und nachlassendes Wirtschafswachstum trüben die Aussichten für das Jahr 2012: Es droht Stagnation.

Kein neuer Top-Seller

Von der IAA selbst werde kein größerer Wachstumsimpuls ausgehen, fürchtet Dudenhöffer. Die vorgestellten Neuheiten sind zwar sehenswert, aber ihnen fehlt die Kraft, wirklich Impulse für den Markt zu setzen. Das liegt nicht an fehlender Kreativität der Branche – eher im Gegenteil. Viele Neuheiten zielen auf eine entfernte Zukunft wie der VW Nils oder sind zu anspruchsvoll, um schnell große Stückzahlen zu erreichen, so wie die i-Familie von BMW. Schmerzlich wird sich für den Verkauf auswirken, dass keine attraktiven Neuerungen in den Fahrzeugklassen angeboten werden, von denen tatsächlich große Stückzahlen abgesetzt werden. Dieses Mal wird in Frankfurt kein neues Modell vom Kaliber eines Golf oder Astra gezeigt, dieses Manko kann ein neuer Porsche 911 nicht ausgleichen. In der höheren Klasse der Dienstwagen, der mittleren und gehobenen Dienstwagen, wird immerhin der nächste 3er BMW erwartet. Und der Audi A6 von 2011 wird auch noch im nächsten Jahr für frischen Wind sorgen.

Verkaufsimpulse müssen MiniVans wie der neue Opel Zafira und die neue B-Klasse von Mercedes auslösen. Im Bereich der Premium-Kompakten treten immerhin der neue 1er BMW und der neue Audi A3 im Jahr 2012 an. Das wichtigste Modell der Messe ist der kleine Up von Volkswagen. Nach der gelungenen ersten Fahrpräsentation ist zu erwarten, dass der Up für Volkswagen ein Erfolg wird und den Markt der Kleinstwagen erobern wird. Wenn es im Automarkt zu einem nennenswerten Wachstum kommt, dann nur dort, wo die Wagen wenig kosten.

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