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VW Up Fahrbericht: Zurück in die Zukunft

VW schickt den Minivolkswagen Up auf die Straße. Der Kleinstwagen gilt als großer Hoffnungsträger des Konzerns. Wir sind ihn bereits gefahren.

Kurz vor der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt holt VW den neuen Kleinen aus dem Labor. Der dreitürige Up gilt als neuer Hoffnungsträger des Konzerns. Er soll mit seiner Länge von 3,54 Metern möglichst viele Neukunden locken und das immer wichtigere Kleinstwagensegment, das seit Jahrzehnten hauptsächlich von asiatischen Herstellern dominiert wird, zurückerobern. Und, frei nach dem Motto "Zurück in die Zukunft" an die Zeiten erinnern, wo VW noch echte Volkswagen, klein und günstig, baute.

Hergestellt wird der Viersitzer allerdings nicht in der deutschen Zentrale, sondern in Bratislava, wo er sich zusammen mit Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne die Fertigungshallen teilt. Die Motoren werden sie sich jedoch nicht teilen können. Der up! kommt Ende des Jahres mit drei Ein-Liter-Dreizylindermotoren auf die Straßen. Zwei Benziner mit 44 kW/ 60 PS und 55 kW/ 75 PS sowie ein 50 kW/ 68 PS starker Erdgasmotor (CNG) treiben die Vorderachse des ab 929 Kilogramm leichten Cityflitzers an.

Dem 3,2 kg Gas/100 km verbrauchenden Up wird sich noch eine BlueMotion-Variante hinzugesellen, welcher mit einem CO2-Ausstoß von 79 g/km eine ordentliche Duftmarke im Kleinstwagensegment setzt. Fest eingeplant für das Jahr 2013 ist zudem eine Elektroversion. "Der Up Blue-e-Motion wird das Elektroauto für die Großstadt – technisch ausgereift, alltagstauglich und bezahlbar", schwärmt Martin Winterkorn. Warum der völlig neu konzipierte Kleinstwagen keinen sparsamen Dieselmotor bekommt, liegt zum Einen an den auftretenden Kosten und am Raumangebot. Oder kurz gesagt, er wäre zu teuer und außerdem passt er gar nicht unter die Motorhaube.

Normverbrauch und Wirklichkeit

Der große Benziner verbrauchte während der ersten Testfahrt rund um Wolfsburg knapp 5,5 Liter und somit leider gut einen Liter mehr als er laut Normzyklus verbrauchen sollte. Das leisten heute auch andere Kleinwagen, manche sind dabei deutlich größer als der Up. Seine fünf Gänge lassen sich gut durchschalten und dank einer angenehmen Dämmung ist der typische Dreizylinder-Sound nur beim starken Beschleunigen zu hören. Die Sitze lassen alle vier Insassen vergessen, dass sie in einem Kleinstwagen sitzen, denn sie sind gemütlich. Und auch die hinteren zwei Passagiere, sofern sie unter dem Gardemaß von 1,90 Meter liegen, können sich nicht über zu wenig Platz beschweren.

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Einem Stadtauto angemessen ist die gute Rundumsicht. Die kurzen Überhänge an Front und Heck machen das Einparken leicht. Damit während der Parkplatzsuche nicht aus Versehen dem Vordermann ins Heck gefahren wird, kann die optionale City-Notbremsfunktion geordert werden. Sie wird automatisch bei Geschwindigkeiten von unter 30 km/h aktiv. Wird per Lasersensor die Gefahr einer drohenden Kollision registriert, bremst sie vollautomatisch. So leicht das Einparken mit dem nur 1,64 Meter schmalen Up ist, so schwierig gestaltet sich das Aussteigen. Nicht, weil der Sitz zu tief oder der Fahrer zu unbeholfen ist, sondern, weil die Tür im Vergleich zum Rest des Autos gewaltige Ausmaße annimmt und nahezu bis zu 90 Grad aufschwingen kann.

Besonders schade für Fahrer mit kurzen Armen ist die fehlenden Bedienbarkeit des Beifahrerfensters. In der Fahrertür befindet sich nämlich lediglich der Kippschalter für das eigene Fenster. Positiv überrascht ist die 3xBlinkenfunktion beim Betätigen des Blinkers und der leichte Einstieg in die zweite Reihe durch ein schnelles Zurückgleiten des Vordersitzes. Der Kofferraum bietet Platz für eine große Sporttasche beziehungsweise 251 Liter. Nach Zurückklappen der Rücksitzbank erhöht sich das Volumen auf 951 Liter.

Zusätzlich ist es VW gelungen, den Innenraum so zu gestalten, dass er auf den ersten Blick verständlich ist. Soll heißen die Bedienung der Klimaanlage befindet sich klar gegliedert in der Mittelkonsole, der zwischen dem Drehzahlmesser und der Tankanzeige mittig positionierte Tacho ist groß und deutlich und die Materialauswahl wirkt trotz des "niedrigen" Grundpreises alles andere als billig. Für ca. 355 Euro zusätzlich ist das abnehmbare Informations-System des neuen Kooperationspartners Navigon mit an Bord. Mit seiner Hilfe lässt sich die Navigation, das Telefon sowie das Radio bedienen. Gleichzeitig verfügt das PID (portable infotainment system) über alle wichtigen Fahrzeuginformationen wie Spritverbrauch und Abstandsregelung beim Einparken. Der App-Zeit angemessen, kann das PID mit eigens für den Up entwickelten Applikationen gezielt erweitert werden.

Preis unter 10.000 Euro

Zu den Grundpreisen wird in Wolfsburg übrigens bis zum jetzigen Zeitpunkt lediglich in Floskeln gesprochen: "Er wird weit unter 10.000 Euro, aber über 9500 Euro kosten", heißt es aus Führungskreisen. Dass die Mehrheit der Up-Kunden auf ihrer Rechnung dennoch eine fünfstellige Zahl wiederfinden werden, dürfte klar sein. Denn allein der Aufpreis von ca. 600 Euro für die stärkere PS-Variante sprengt bereits die 10.000er-Schallmauer. Und die Tatsache, dass der up1 in den drei Versionen take up!, move up! und high up! sowie zwei weiter veredelten Versionen up! black und up! white erscheint, untermauert nur diese Spekulation.

Wem das noch zu viel ist, der sollte auf die günstigeren Ableger von Seat und Skoda warten. Es ist jedoch nur schwer vorstellbar, dass die Qualität bei einem noch geringeren Preis annähernd dem VW-Standard entsprechen wird. Doch da gibt man sich bei VW optimistisch: "Volkswagen kann auch klein", meint Chef Winterkorn. Abwarten.

Marcel Sommer/Press-Inform

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