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Detroit Motor Show: Triumph der Größe

Umweltfreunde müssen in Detroit tapfer sein: Der Verkauf von Autos steht auf dem Messeprogramm und nicht die Rettung des Weltklimas. Der Kunde in den USA hat klare Vorstellungen: Er will möglichst viel Auto für sein Geld.

Von Gernot Kramper

Der GMC Sierra All Terrain HD Concept ist das Sinnbild der diesjährigen Motor Show in Detroit. Groß, gewaltig, unbezwingbar – so feiert Amerika die Rückkehr der Pick-Ups. Der sechs Meter lange Sierra ist ein Aushängeschild und wird Auto für jedermann, aber die Pick-Up-Klasse hat sich nach der Krise eindrucksvoll zurück gemeldet – die bulligen Allzweckmobile bilden das größte Segment im US-Fahrzeugmarkt. Ford zum Beispiel konnte 2010 im ganzen Land von seinem populären Pick-Up der F-Serie mehr als eine halbe Million Stück verkaufen, das sind als 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu Erinnerung: Im vergangenen Jahr stand Detroit noch im Bann der Elektrofahrzeuge. Besucher konnten mit zum Teil winzigen Elektromodellen auf einem Parcour selbst in die emmissionsfreie Zukunft starten. Diese Anwandlungen sind vorbei. Natürlich stromert es auf der Messe weiter, ber anders als in Europa sind Elektromodelle klar ein Nischenthema.

Bigger is better

Die Messe in Detroit konzentriert sich auf das Verkaufen von Fahrzeugen und damit auf den Kunden. Und was der will, lässt sich ziemlich genau am Stand von Volkswagen ablesen. Die Wolfsburher wollen in den USA große Volumen absetzen, und im Massengeschäft gelten andere Regeln als beim Verkauf in der Oberklasse. "Made in USA" ist unverzichtbar. Das liegt am teuren Euro und am patriotischen Käufer. 12.000 Jobs sind durch das neue VW-Werk in Tennessee entstanden, mit dieser Botschaft trommelt Volkswagen.

Der US-Passat muss ein Erfolg werden und wurde für den US-Markt maßgeschneidert. Der Wagen ist noch einmal zehn Zentimeter länger als der Europa-Passat. Als Einstiegsmotor dient ein Benziner mit 170 PS, im Basispaket ist eine solide Komfort und Sicherheitssaustattung enthalten. Kostenpunkt: 20.000 Dollar, umgerechnet etwa 15.000 Euro. Mehr rückt der Amerikaner auch für vergleichbare Limousinen nicht heraus. Dass es dafür nicht die neueste Motorengeneration gibt, an der Fahrwerkstechnik gespart wird und die Kunststoffe nicht ganz so edel sind, fällt beim pragmatischen US-Kunden nicht ins Gewicht.

Der Preis entscheidet

Im Punkt "nice price"-Auto könnten sich die USA durchaus zum Leitmarkt entwickeln. Denn in Schwellenländern ticken die Kunden ähnlich. Aber auch in Deutschland gibt es Kunden, die auf die neuesten Innovationen verzichten könnten. Das beweist Dacia seit Jahren. Käufer für einen Low-Tech-Passat gäbe es hier auch, doch VW bringt die Billig-Konkurrenz – natürlich - nicht nach Deutschland. Doch der künstliche Preisdamm wird nicht ewig halten, irgendein Konkurrent wird ein US-Auto mit US-Technik und US-Preisen nach Europa bringen. Der Markt dafür ist bereitet. Anders als die Marketingabteilungen glauben lassen wollen, dürstet keineswegs jeder deutsche Kunde nach immer neuen, den Preis treibenden Assistenten, Lichtanlagen und Fahrwerksfähigkeiten für die Rennstrecke.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Kleiner ist nicht immer billiger

Sicher gibt es in Detroit auch das Thema "Downsizing" – aber in den USA lässt man die Kirche im Dorf. Wo in Europa Drei- und Zweizylinder mit Mini-Hubräumen entwickelt werden, kommen in den neuen US-Pick-ips aufgeladene Sechszylinder zum Einsatz.

Echte Kleinwagen habe es im Land der ungegrenzten Möglichkeiten schwer, dass hat nicht nur der Smart erfahren. Wer auf Öko schwört, fährt Hybrid. Ein Toyota-Prius bietet Mittelklassen-Komfort und ein gutes Gewissen. Klassische Kleinwagen können in den USA kaum punkten. Mit dem Sonic wagt sich Chevrolet nun auf den US-Markt – entwickelt wurde der schicke Kleinwagen aber für die restliche Welt. US-Kunden leiden besonders unter beengten Platzverhältnissen und bescheidenen Lademöglichkeiten. Vor allem aber haben sie schnell bemerkt, dass ein Miniwagen nicht so viel Geld einspart, wie erhofft. Wenn 15.000 Euro für ein Fast-Fünf-Meter-Schiff von Volkswagen aufgerufen werden, wird die Luft für Kleinwagen dünn. 11.300 Euro soll ein Fiat 500, kosten – für den Retro-Winzling werden sich nur besonders italienverrückte Amerikaner entscheiden.

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