Ford-Strategie Stylingkur für den Biedermann


Kölner Biedermann war gestern: Mit schickem Design, feiner Technik und günstigen Preisen möchte Ford sich zukünftig als "Smart Premium" darstellen. Alle Hoffnungen ruhen dabei auf Focus und Fiesta.
Von Michael Specht

Ein bisschen ärgert sich Jürgen Stackmann schon. Am liebsten hätte er längst den neuen Focus sowie den Fiesta-Nachfolger auf der Straße. "Damit die Leute uns wahrnehmen, erkennen, wie sich die Marke gewandelt hat", sagt der Ford-Deutschland-Geschäftsführer für Marketing und Verkauf. Der Profi weiß: Nur die Volumenmodelle bringen den Durchbruch. Doch derzeit ist nur der Mondeo als Design- und Qualitäts-Botschafter unterwegs - dies allerdings sehr erfolgreich.

Ford durchläuft eine Rosskur. Die Marke mit der blauen Pflaume im Grill hat ein Image-Problem. Den Namen bringt kein Mensch weder mit tollen Autos, noch mit technischer Innovation in Verbindung. Wen wundert’s? Jahrzehntelang servierten die Kölner vom Ka bis zum Scorpio optisch nur in Blech gepresste Langeweile. Bauchkribbeln? Fehlanzeige. Erst mit dem, wie Ford es nennt "Kinetic-Design" haftet dem Blech auch ein Stück Emotion an.

Gute Qualität, hoher Nutzwert

Bestes Beispiel: der Mondeo. Besonders der Kombi gefällt durch schickes Aussehen, gute Qualität und hohen Nutzwert. Stackmann nennt das "Smart Premium" und übersetzt den Begriff mit Top-Qualität und fortschrittliche Technik zu erschwinglichen Preisen.

All dies soll natürlich auch der neue Focus bieten, der in vier Wochen zu den Händlern rollt. Er ist das meist verkaufte Kompaktmodell in Europa und fähig, den Imagewandel spürbar zu beschleunigen. Dafür legten sich Entwickler wie Designer mächtig ins Zeug. "Alles, was der Fahrer im Innenraum anschaut und anfasst, haben wir bearbeitet", sagt Stackmann. "Stellen Sie sich vor, ein Kunde steigt zum ersten Mal ein, schaut sich kurz um, nimmt das Lenkrad in die Hände, streicht übers Armaturenbrett und vergleicht in Gedanken. Schon sind 60 Sekunden vorbei. Meistens ist in dieser kurzen Zeit die Entscheidung gegen oder für das Auto gefallen. Deswegen muss der Wagen einen perfekten, ersten Eindruck hinterlassen."

Ehrgeizigere Werte für Fiesta-Nachfolger

Auch in Sachen Umwelt will Ford die erste Geige im Segment spielen. So erreicht der 109 PS starke Focus Diesel einen Verbrauch von nur 4,5 Liter, entsprechend einem CO2-Ausstoß von 119 g/km. Die optimierte "Econetic"-Variante kommt gar auf 4,3 Liter, nach Angabe von Ford der "Bestwert im Markt". Noch ehrgeizigere Werte künden die Kölner für den Fiesta-Nachfolger an. Er soll einen CO2-Ausstoß von unter 100 g/km schaffen. Der Kleinwagen wird erstmals in Genf zu sehen sein und kommt im Herbst in den Handel. Mit der Studie "Verve" hat Ford auf der IAA vergangenen September bereits gezeigt, in welche Richtung der neue Fiesta fährt.

Knapp kalkulierte Preispolitik

Mit S-Max, C-Max, Galaxy, Mondeo und Focus hat Ford nicht nur ein modern aufgestelltes Portfolio, sondern nach eigenen Angabe mit 2,9 Jahren (bislang 5,4 Jahre) auch das jüngste aller Zeiten. Und mit Fiesta und dem Kompakt-SUV Kuga kommen zwei weitere Vertreter des Kinetic-Designs hinzu. Ford verkaufte im vergangenen Jahr über 1,5 Millionen Autos und ist in Europa nach Volkswagen zwar die Nummer 2, aber nur hauchdünn vor Opel. Um diese Position zu halten, fahren die Kölner eine äußerst knapp kalkulierte Preispolitik. Zentrale Rolle spielt dabei der neue Focus.

Die Einstiegsvariante "Ambiente" beginnt bereits bei 15.000 Euro. Der Aufpreis zwischen Drei- und Fünftürer und zwischen Fünftürer und Turnier wurde um 175 auf 750 Euro gesenkt. Konzentriert hat man sich jedoch auf die meistverkaufte Variante. Gut zwei Drittel aller Focus-Kunden greifen zum Turnier in der Ausstattung Style und wählen den 1.6-Liter-Diesel mit 109 PS. Sie belohnt Ford mit einer Preissenkung von 500 Euro.


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