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IAA 2009: Die Ankündigungsmesse

In Frankfurt loben die Konzerne die umweltfreundlichen Modelle, die schon morgen in den Autohäusern stehen sollen. Doch der Fortschritt in dieser Branche ist eine Schnecke und kein Rennwagen.

Schon auf der IAA 1995, also vor 14 Jahren, zeigte die Autoindustrie das Drei-Liter-Auto und versprach vollmundig, dass es bis zum Jahr 2000 vom Band rollen sollte. Daraus wurde nichts. Schon damals kritisierte der Umweltschutzverband BUND das Modell als "Feigenblatt" der Autoindustrie. Der 3-Liter-Lupo von VW und der sparsame Audi A2 kamen zu früh, sagt die Branche. Sie waren zu teuer, sagten die Verbraucher, die keinen Aufpreis von 3000 Euro zahlen wollten. Nur etwa 30 000 Wagen fanden in fünf Jahren einen Abnehmer und Volkswagen musste Lehrgeld zahlen.

"Der Kunde zahlt für PS, der Hersteller zahlt für einen eingesparten Liter Sprit", lautete das Fazit der Autoindustrie. Deshalb hat die deutsche Industrie heute Nachholbedarf: Nach einer Studie des Europäischen Verbandes für Verkehr und Umwelt (T&E) haben die im Jahr 2008 EU-weit verkauften Autos im Schnitt 153 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausgestoßen - die Autoflotten deutscher Hersteller lagen um 10 Gramm höher.

Zu lange glaubten die heimischen Hersteller an den Diesel als umweltfreundlichen Antrieb der Zukunft. So ließen sie sich beim Hybrid - der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor - von den Japanern überholen. Bei den Batterien für vollelektrische Autos sind die Chinesen bereits vorne. Für die gerade einsetzende Elektrifizierung der Antriebe fehlt einigen Marken schlicht das Wissen. Anderen fehlt in der schwersten Krise der Branche seit dem Zweiten Weltkrieg das Geld für die notwendigen Investitionen. Nach Schätzungen könnte in der deutschen Autoindustrie mit 721 000 Mitarbeitern in den nächsten fünf Jahren jeder fünfte Job wegfallen.

Warum reagiert die Branche, die sich ihrer Innovationsfähigkeit rühmt, so langsam? "Nur politischer Druck bringt die Autoindustrie auf Spur", sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Bestes Beispiel ist der Schadstoff-Ausstoß: Jahrelang hielten die Hersteller ihre Selbstverpflichtung nicht ein, erst als die EU im vergangenen Jahr ein verbindliches Ziel von 120 Gramm CO2 pro Kilometer für den Flottendurchschnitt bis 2015 vorschrieb, reagierte die Industrie.

Ein anderer Grund sind die langen Entwicklungszeiten. Vom ersten Entwurf bis zum Modell im Autohaus dauert es vier bis sechs Jahre. "Die Autohersteller haben erst vor einem Jahr bei der Entwicklung umweltfreundlicher Autos Gas gegeben - also werden wir die ersten Serienfahrzeuge erst auf der nächsten IAA 2011 sehen", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. "Die jetzt versprochene grüne Revolution findet erst in zwei Jahren statt."

Viele Studien, aber wenig Konkretes ist dieses Mal zu sehen. Eine Ausnahme bilden Modelle mit Hybrid - also einer Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor. Grün ist schick - deshalb setzen selbst die deutschen Premiumhersteller auf Elektroautos. Mit der Serienproduktion wird allerdings frühestens 2010 begonnen. Noch reicht der Akku kaum weiter als 160 Kilometer, es fehlen die Steckdosen an der Straßenecke und das Ganze ist teuer.

Ein Grund ist aber nach wie vor der Preis. Das Institut für Automobilwirtschaft hat berechnet, wie viel ein batteriebetriebener Elektro-Auto Golf mehr kosten würde als ein Golf Diesel: Der Aufpreis beträgt rund 18.000 Euro. Erst nach einer Fahrleistung von 200 000 Kilometern hätte sich diese Summe amortisiert. Vorausgesetzt der Autostrom bleibt steuerbegünstigt. Bei Brennstoffzellen wäre der Aufpreis exorbitant hoch. Das zahlt kein Kunde.

Marion Trimborn/DPA

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.