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Jaguar-Interview: Edelkatze auf dem Sprung

Der indische Hersteller Tata arbeitet mit allen Mitteln daran, das ausgemusterte Ford-Doppel aus Jaguar und Land Rover zu adoptieren. stern.de sprach mit Jeffrey L. Scott, dem Geschäftsführer von Jaguar Deutschland, über das neue Oberklassemodell XF, die indische Lebensart und eine Raubkatze jenseits von 300 km/h.

Herr Scott, wenn Sie für die Marke Jaguar einen Wunsch frei hätten. Was würden Sie sich wünschen?

Gehen auch zwei Wünsche? Zum einen würde ich gerne einen Jaguar-Sportwagen im Portfolio haben, der über 300 km/h fährt. Das könnte schon bald Realität werden. Zum anderen würde ich mir eine besonders edel ausgestattete Luxuslimousine wünschen. So eine Art Nobel-Daimler, der die exklusiven Wünsche spezieller Kunden besonders befriedigt. Das ist unsere Zukunft.

Wie sehen Sie das starke Bemühen, das Tata für den Kauf der Marken Jaguar und Land Rover hat?

Das sehe ich durchweg positiv. Tata ist ein finanzstarker und internationaler Konzern, der sich hinter Ford oder anderen Industrieriesen nicht verstecken muss. Wenn Tata bei uns einsteigen sollte, können wir uns auf unsere Stärken besinnen und weiter an unserer Profitabilität arbeiten. Unsere Umsatzrendite ist in den vergangenen Jahren von minus 2,5 auf plus 1,5 Prozent gestiegen. Die Jaguar-Händler sind wieder zufrieden und verdienen wieder Geld. Wir haben letztes Jahr 30 Prozent mehr Fahrzeuge als 2006 verkauft. Damit sind wir so langsam wieder da, wo wir im Jahre 2000 waren.

Wie groß sind die Erwartungen an den neuen Jaguar XF, den Konkurrenten von 5er BMW und Audi A6?

Wir erwarten uns vom neuen Jaguar XF einiges, wobei sich die Marke Jaguar in Deutschland als Nischenanbieter von exklusiven und luxuriösen Fahrzeugen positioniert. Mit dem XF als Nachfolger des S-TYPE führen wir konsequent fort, was wir mit dem XK vor zwei Jahren begonnen haben, sowohl was die Technik als auch das Design betrifft. Als geräumige viertürige Sportlimousine mit coupéhaftem Styling steht der neue XF im Wettbewerb zu den klassischen Limousinen der oberen Mittelklasse und Oberklasse aber auch gegen Modelle wie den Mercedes CLS. Wir wollen mit dem XF 60 Prozent Neukunden gewinnen. Die ersten Vorbestellungen zeigen, dass viele Kunden aus dem BMW-Lager kommen, doch auch sonst haben wir die deutsche Premiumkonkurrenz im Blick.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Mit dem neuen XF bringt Jaguar ein komplett neues Auto, verzichtet jedoch darauf neue Technologien wie Turbo-Benziner, Start-Stopp-Automatik und Benzindirekteinspritzung einzuführen. Wann werden diese Technologien bei Jaguar Einzug halten?

Jaguar und Land Rover haben in 2006 ein gemeinsames Entwicklungsprogramm von alternativen Antrieben angekündigt, dass eine Investition von einer Milliarde Euro umfasst. Erste Technologien, wie z.B. einen Hybrid mit elektrischem Hinterachsantrieb oder eine Start-Stopp-Automatik haben wir bereits in einer Land Rover Studie gezeigt. Diese Technologien können auch bei Jaguar umgesetzt werden, wann und wie steht aber zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Der kleine X-Type hat den Sprung als echtes Jaguar-Modell zumindest in Deutschland nie geschafft. Wird es einen Nachfolger nach gleichem Vorbild geben?

Dass es Jaguar Deutschland so gut geht, liegt insbesondere an dem gesunden Modellmix, den wir hierzulande haben. In keinem anderen europäischen Land in Europa verkaufen wir so viele XJ und nirgends so wenige X-Type. Trotzdem ist der X-TYPE ein wichtiger Bestandteil unserer Modellpalette und wir möchten nicht auf den X-Type verzichten. Nach der jüngsten Modellpflege und längst überfälligen Kombination aus Diesel und Automatikgetriebe orientiert er sich mehr denn je am erfolgreichen Luxusmodell XJ. Über die Zukunft eines Nachfolgers ist jedoch noch nicht entschieden. Das aktuelle Modell bleibt mindestens bis 2010 aktuell.

Was ist dran an dem schon längere Zeit präsenten Gerücht von einem kleinen Jaguar-Sportwagen, wie einem F-Type?

Derzeit gibt es keine aktuellen Planungen nach einem kleinen XK. Doch kein Zweifel daran, dass ein kleiner Sportwagen sehr gut zu unserer Marke passen würde. Doch anders als bei Land Rover sind wir bei Jaguar noch nicht so weit mit unseren Planungen. Dass der Land Rover LRX in Serie gehen wird, steht für mich fest. Wenn ich noch einen Wunsch frei hätte: Den LRX hätte ich gerne so früh wie möglich. Außerdem könnte ich mir auch einen sehr sportlichen Luxus-SUV vorstellen. Und mit unserem Urgestein Defender müssen wir uns ebenfalls etwas einfallen lassen. Alternativen gibt es einige: Angefangen von einer völligen Neukonstruktion bis zu einem Fahrzeug auf Basis der Discovery-Plattform. Entschieden ist noch nichts.

Das Interview führte Stefan Grundhoff

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