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Lieferfristen bei Neuwagen: Droht Deutschland ein Automangel?

Dem Autoland Deutschland geht der Nachschub aus: Weil Chinesen und Amerikaner Neuwagen wie wild kaufen, fehlt angeblich rund eine Viertelmillion Pkw, um die hiesige Nachfrage befriedigen zu können. Was Kunden tun können, um lange Lieferzeiten zu umgehen.

Von Gernot Kramper

In Deutschland fehlen 264.000 Neuwagen, das zumindest hat die Beratungsgesellschaft PwC geschätzt. Sichtbares Zeichen des Automangels: Bei einzelnen Modellen müssen Kunden inzwischen drei Monate bis zur Auslieferung warten, in Einzelfällen kann es sogar ein halbes Jahr dauern, bis man sein Wunschauto vor der Tür stehen hat. Ursache ist die brummende Autokonjunktur in China und den USA. Denn das gute Geschäft in Übersee wirkt sich auch auf den deutschen Markt aus.

Auch die deutschen Hersteller wie Mercedes und BMW produzieren ihre SUVs mittlerweile zumeist in den USA. Und da das einstige Autostammland Deutschland schon lange nicht mehr der wichtigste Markt ist, wird die Nachfrage in Übersee vorrangig bedient. "Ein ausreichendes Angebot auf den weltweit größten Märkten China und USA ist unabdingbar, um langfristig Marktanteile zu gewinnen, daher ist eine gewisse Bevorzugung dieser Länder nachvollziehbar", sagt Felix Kuhnert, Leiter des Automobilbereichs bei PwC.

Kleine Kompromiss verkürzen Wartezeit

Doch von der internationalen Nachfrage profitieren nur einige Autobauer, vor allem die Premiummarken. Hersteller wie Opel, Fiat und Renault gehören eher nicht dazu, Lieferengpässe gibt es deshalb hier nicht. Längere Wartezeiten entstehen ohnehin nur, wenn das Fahrzeug direkt beim Kauf individuell konfiguriert wird, und der Kunde nicht auf ein im Lager verfügbares Fahrzeug zurückgreift. In Deutschland ist der Anteil an solchen "Build-to-Order"-Fahrzeugen traditionell hoch, speziell bei den Premium-Herstellern, hier beträgt er 80 bis 85 Prozent. Aber auch im Volumensegment macht er 50 bis 60 Prozent aus.

Dabei haben die meisten Kunden hierzulande einen ähnlichen Geschmack, der sich oft nur in Nuancen unterscheidet. Sie könnten - wenn sie kleine Kompromisse eingehen - leicht auf ein Auto "von der Stange" ausweichen und so lange Lieferzeiten verkürzen. Schwierig wird es allerdings bei besonderen Ausstattungswünschen und extravaganten Farbkombinationen. Exotische Ausstattungen gibt es im Lagerpool nämlich nicht.

"Es gibt einzelne Schwierigkeiten, aber es gibt keine generellen Engpässe", beruhigt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Im Moment erleben wir eine Überbrückungsphase von zwei bis drei Monaten, danach normalisiert sich das." Schon immer habe es Lieferschwierigkeiten bei einzelnen Modellen gegeben. Beispiel: der Tiguan von Volkswagen. Von ihm hätte VW immer mehr Modelle verkaufen, als bauen können. Der kompakte SUV war seit Erscheinen begehrter, als man bei der Planung der Produktion gedacht hatte. Anderes Beispiel aus dem Haus Volkswagen: Die Nachfrage nach dem 1.4 TSI Motor überschritt regelmäßig die Kapazitäten. Wer diesen Motor haben wollte, musste länger warten und sich mit einem geringeren Rabatt zufriedengeben.

Lieferzeit ist nicht Lieferzeit

Dudenhöffer hält es deshalb für einen "Witz, dass es generell einen Automangel geben soll". Er verweist darauf, dass in den letzten Monaten enorme Mengen an Pkw direkt auf die Hersteller und Händler zugelassen worden sind. Im Dezember 2010 seien es 63.500 Stück gewesen, im Dezember 2009 nur 46.600. Diese Eigenzulassung sind Kosmetik für die Zulassungsstatistik, außerdem bieten viele Hersteller lieber günstige Tageszulassungen an, als größere Rabatte bei Neuwagen einzuräumen. Selbst die Premiummarke Audi wies im Dezember einen Anteil von weit über 30 Prozent an sogenannten taktischen Zulassungen auf. "Wenn es zum Listenpreis Neuwagenkäufer für diese Audis gegeben hätte, hätte man die Wagen direkt an die Endkunden verkauft, anstatt sie nun als junge Gebrauchte oder Tageszulassungen anzubieten", argumentiert Dudenhöffer.

Wer nicht auf ein Lagerfahrzeug ausweichen will, sollte sich nicht von einer langen Lieferzeit einschüchtern lassen. Viel Kunden ahnen nicht, dass die lange Wartezeit, die ein Händler nennt, beim nächsten Autohaus schon viel kürzer sein kann. Jeder Händler hat nämlich einen eigenen Verkaufsplan und für diesen Plan sind auch entsprechende Plätze in der Produktion vorgesehen. Solange einen Händler seinen Plan noch nicht ausgeschöpft hat, kann man sehr zeitnah sein Wunschfahrzeug geliefert bekommen. Hat ein Händler seine Planautos aber bereits verkauft, wird sein nächstes Fahrzeug ans Ende der Warteschlange platziert. Doch kein Verkäufer wird offen zugeben, dass man bei ihm sechs Monate warten muss, aber bei einem Konkurrenten in sechs Wochen seinen Wunschwagen bekommt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.