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Los Angeles Autoshow 2010 Heidi-Lächeln oder Zukunftstechnik


Alles dreht sich um "green mobility". Ganz vorn dabei: die Asiaten und Amerikaner. Die deutschen Autobauer rollen technisch weiter hinterher, haben dafür aber Heidi Klum mitgebracht.
Von Michael Specht/Los Angeles

Viel besser in Szene setzen können hätte Volkswagen seinen Eos nicht. Schließlich erhielt das Cabrio-Coupé nur ein so genanntes Facelift. Doch VW weiß: There is so business like show business. Erst recht in der Hollywood-Metropole Los Angeles. Und so setzten die Wolfsburger geschickt ihre Markenbotschafterin Heidi Klum hinters Lenkrad. Brav erzählte das Topmodell – klick, klick, klick – im Blitzlichtgewitter der Fotografen etwas von – klick, klick – "how beautiful und stylish" die Autos von VW sind und – klick, klick – wie gern sie als L.A.-Bewohnerin im Cabrio doch durch Beverly Hills flaniert.

L.A. ist Hochburg der Hybride

Doch neben der fast immer scheinenden Sonne bestimmen in der "Stadt der Engel" Stau und Smog den Autoalltag. Daher hat Kalifornien weltweit die strengsten Abgasgesetze und fördert wie kein anderes Land massiv alternative Antriebe. Auch wenn es neben all den dicken SUV und Pick-ups noch homöopathische Dosen sind, Los Angeles gilt als Hochburg der Hybride, nirgendwo rollen mehr umher. Und schlendert man durch die beiden Messehallen der LA Auto Show am Convention Center bekommt man schnell den Eindruck, dass die Hersteller unisono das Lied vom sauberen Autofahren pfeifen und sich dem Spritsparen verschrieben haben. Von fast jedem Stand trällert es was von "zero emission", von "fuel-efficiency" und von "green technology". Alle wollen die Welt verbessern. Buick zeigt in der Mittelklasse den LaCrosse Hybrid (Markteinführung Sommer 2011), Hyundai im gleichen Segment den Sonata Hybrid, Honda das Chassis eines Plug-in-Hybrids und Nissan eine äußerst schnittige Hybridlimousine namens Ellure. Kia präsentiert seinen Optima Hybrid. Der schicke Passat-Gegner, gezeichnet von Ex-Audi-Designer Peter Schreyer, kommt Mitte nächsten Jahres als normale Version, Anfang 2012 auch als Hybridmodell zu uns.

Mercedes mit Brennstoffzelle und E-Smart

Mercedes fährt emissionsfrei mit der B-Klasse Brennstoffzelle auf die Bühne, verspricht, noch in diesem Jahr die ersten "unter Serienbedingungen hergestellten" Wasserstoff-Fahrzeuge an "ausgesuchte Kunden" zu übergeben. Mehr als ein Versuch ist das nicht. Bis Ende 2011 sollen 70 Fuel-Cell-Cars auf dem Highway unterwegs sein. Das Problem ist nur: Wasserstoff-Tankstellen sind dünn gesät, gerade mal acht Stück sind im gesamten Gebiet von L.A. County öffentlich zugänglich. Dann schon lieber Strom in der heimischen Garage tanken. Großserien-Elektroautos stehen in Kalifornien unmittelbar vor der Markteinführung. Den Anfang machen noch in diesem Jahr Nissan mit dem Leaf und Chevrolet mit dem Volt. Letzterer bekam im Rahmen der LA Auto Show sogar den Preis "Green Car of the Year 2011" verliehen. 220.000 Kundenanfragen lägen vor, heißt es bei GM. Um letzte Zweifler davon zu überzeugen, wie alltagstauglich der Volt ist, ließ General Motors seine E-Limousine die 2290 Meilen von Detroit nach Los Angeles auf eigener Achse anreisen und rollte sie verschmutzt auf die Bühne.

Erstmals vertreten auf der Automesse in Los Angeles ist Smart. Die Mercedes-Tochter plant, bis zum Ende nächsten Jahres zunächst eine Testflotte von 250 Elektro-Zweisitzern auf die Highways zu bringen und ab 2012 den City-Stromer regulär zu verkaufen. Auf reinen Batterieantrieb setzen auch Honda mit dem Fit EV sowie Toyota mit RAV4 EV. Der Fit basiert auf dem Jazz und soll ebenfalls 2012 in den Verkauf gehen. Das gleiche Datum nennt Toyota für den vom kalifornischen Unternehmen Tesla aufgebauten Elektro-Softroader.

Die Amis lieben noch immer ihre Muscle Cars

Hybrid hin, Elektroauto her. Neben all der politisch korrekten automobilen Öko-Zukunft erinnert man sich in Amerika auch noch gern an die unbeschwerten Zeiten der Muscle-Car-Ära in den "Roaring Sixtees" und lässt entsprechend die Muskeln spielen. Die Chrysler-Marke Dodge macht das mit dem Challenger, Ford mit dem Mustang und Chevrolet mit dem Camaro, dem GM nun eine Cabrioversion zur Seite stellt. Wie sehr die Amis weiterhin auf diese Art Autos abfahren – der Sprit ist mit 63 Euro-Cent noch immer spottbillig – beweist das Camaro-Coupé. Seit der Markteinführung 2009 fuhr es an die Spitze der best verkauften Sportwagen Amerikas.


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