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Oldtimer Mercedes 190 – Kulturrevolution mit dem Baby-Benz

Mercedes 190 E Elektro
Mercedes 190 E Elektro
© press-inform - das Pressebuero
Mit dem 190er bot Mercedes erstmals eine Kompaktlimousine für Einsteiger an – zuerst wurde der kleine Mercedes nicht für voll genommen. Doch mit seinen Fahrleistungen konnte er fast zwei Millionen Käufer überzeugen.

In den 1960er-Jahren wollte man bei Mercedes nur noch dicke Autos bauen, so verlockend war die Marge in der Oberklasse. Dann kam 1975 der BMW 3er. Er bewies, dass große Stückzahlen nur zu erreichen waren, wenn die Preise etwas günstiger werden. Zusätzlich zwang die Ölkrise zum Umdenken. 1974 wurde das Lastenheft für die Kompaktlimousine festgelegt. Zwei Dinge waren entscheidend: Bei der Sicherheit durfte es keine Kompromisse geben. Und tatsächlich blieb dem 190er so ein Debakel, wie der späteren A-Klasse erspart, die beim sogenannten Elch-Test umkippte.

Hohe Masstäbe

Und dann sollte der Kompakte zwar günstiger sein, aber doch das gediegene Mercedes-Gefühl transportieren – keine leichte Aufgabe. "Ihr werdet an der S-Klasse gemessen", schärfte der Technikchef und spätere Vorstandsvorsitzende Werner Breitschwerdt seiner Truppe ein. Mercedes nahm sehr viel Geld und Know-how in die Hand. Um dem Fahrwerk der 3er Paroli bieten zu können, wurde die Raumlenker-Hinterachse weiterentwickelt.

Der Innenraum wirkt heute etwas karg, aber mit seinen geraden Linien und ausgesuchten Luxuselementen spiegelte er die damals angesagte Sachlichkeit. Nur die Plätze im Fond litten merklich unter der Größe des Fahrzeugs. Der 190er war eben kein Chauffeurswagen mehr. Das keilförmige Design stammte von Bruno Sacco, der das Spiel mit trapezförmigen Kanten vom futuristischen Prototypen C 111 in die Kompaktklasse brachte. "Diamantschliff" nannte sich das Konzept. Vor dem Hintergrund der Ölkrise – die Klimakrise war damals noch unbekannt – spielte der Verbrauch eine große Rolle. Der Cw-Wert betrug nur 0,33, für einen Wagen mit reduzierter Stirnfläche ist das ein sehr guter Wert. Dazu kam der konsequente Leichtbau. Der 190 wog nur rund 1100 Kilogramm. Das ging nur mit minutiöser Arbeit am Detail. Verschlussdeckel für das Öl wurde aus Kunststoff gemacht, das brachte 41 Gramm.

Relativ teuer

Geringes Gewicht führte zu flotten Fahrleistungen – gemessen an den damaligen Maßstäben. Die Basisversionen hatten einen Reihen-Vierzylinder (M102) verbaut. Der Mercedes 190 verfügte über 90 PS und schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von beachtlichen 175 km/h, der 190 E mit 122 PS blieb nur 5 km/h unter der 200 km-Marke. Als der Mercedes 190 Ende 1982 vorgestellt wurde, war die Presse vom Baby Benz begeistert, BMW beeindruckt, doch die Kunden blieben zunächst skeptisch. Mit einem Preis ab 25.538 D-Mark war der 190er dann doch ziemlich teuer. Besonders übel, der größere Mercedes der Baureihe W123 kostete kaum mehr. Die Autoverkäufer mussten sich umorientieren. Wurden Mercedes Limousinen bislang nach Lieferzeit zugeteilt, musste man nun die Käufer vom 190 überzeugen.

Image durch Motorsport

Erst neue Motoren wie beim Mercedes 190E 2.3-16 V mit 185 PS oder ein Flüsterdiesel im 190D änderten das. Dazu kamen spektakuläre Aktionen, die Langzeitqualität zu bewiesen, wurde 190 E 2.3-16 50.000 Kilometer über Hochgeschwindigkeitsteststrecke in Nardo geprügelt. Er stellte die Rekordzeit von 201 Stunden, 39 Minuten und 43 Sekunden auf. Im Rennsport saßen Legenden wie Niki Lauda, Alain Prost, Jack Brabham, die ehemaligen Titelträger Phil Hill, John Surtees, Denny Hulme, James Hunt, Jody Scheckter, die ehemaligen Mercedes-Werksfahrer Hans Herrmann und Stirling Moss sowie ein junger Brasilianer namens Ayrton Senna am Steuer.

1988 kam das erste Facelift, dem die berüchtigten Plastikplanken an die Seiten geheftet wurden. Unter der Haube stieg die Leistung weiter an. Berühmt-berüchtigt ist der 204 PS starke 190E 2.5-16 Evolution, der in einer limitierten Auflage von 500 Stück produziert wird. Darauf folgte der Evo II mit einem riesigen Heckspoiler und 235 PS. Zum Ende der Baureihe kam dann 1992 der Mercedes 190 E 3.2 AMG mit 234 PS. Bis zum August 1993 wurden 1879.629 Mercedes 190 gebaut. Es gab aber auch Modelle, die nie Serie wurden und nur als Prototypen unterwegs waren. Etwa die Oben-Ohne-Version des Mercedes 190.

Kr mit Pressinform

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