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Retromodelle für die USA Kleine Revolution in Amerika


Mit einer neuen Generation von Kultautos wollen die deutschen Autohersteller in den USA ein Marktsegment erobern, das es eigentlich noch gar nicht gibt: kleine, exklusive Retromodelle.

Rund um Beetle und Mini sollen in den kommenden Jahren ganze Produktfamilien entstehen. Zudem schicken die Italiener ihren Fiat 500 ins Rennen - die US-Marken bleiben außen vor.

Als Pionier der neuen Generation kommt der winzige Fiat 500 im Dezember in den US-Handel. Wenig später folgt der neue VW Beetle. Parallel bringt Mini weitere Modelle. Der Smart von Daimler , der als Einziger keine jahrzehntelange Geschichte aufweisen kann, lässt noch drei Jahre auf sich warten. Er wird ab 2012 auch mit Elektromotor angeboten.

Gemessen an ihrer Größe sind die kleinen Europäer im Vergleich zu amerikanischen Mittelklassewagen relativ teuer. Sie zielen daher auf Kunden ab, die Wert auf ausgefallenen Stil und Kultstatus legen. "Die Käufer für die europäischen Retromodelle sind eher gut betucht und besitzen ein höheres Bildungsniveau", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Damit sind sie empfänglich für Umweltschutz und moderne Technologie - und zugleich in der Lage, höhere Preise zu zahlen.

Lukrative Nische

"Seit drei Jahren gibt es in den USA einen neuen Trend: Wohnhäuser werden kleiner, Supermärkte werden kleiner - und die Autos auch", sagte Jim McDowell, Chef von Mini USA, der FTD. "Auch nach der Rezession wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Einige Kunden kaufen diese kleinen, europäischen Autos aus Vernunft, andere aus Nostalgie."

Beetle, Mini und Fiat 500 haben zwar technisch mit ihren Vorfahren aus den 60er-Jahren nicht mehr viel gemein, doch die Wurzeln zur ersten Generation lassen sich gut vermarkten. "Der neue Beetle soll sich wieder enger am alten Käfer orientieren", kündigte Volkswagen bereits an.

Vor 50 Jahren, als der erste Käfer in Amerika zum Kultauto wurde, gab es in seiner Klasse noch keine Konkurrenz. Heute drängen vor allem die Asiaten in die wachsende, lukrative Nische. Doch ebenso wie der Ford Fiesta haben sie einen schweren Mangel: Die Historie fehlt.

Konkurrenzkampf der Kleinen

Das große Potenzial der Marken Beetle, Mini, Smart und Cinquecento wollen die Hersteller künftig nutzen, um neben dem Klassiker und dem Cabrio weitere Derivate wie Kombis oder Geländewagen auf den Markt zu bringen. Hier gilt BMW mit Mini als Vorreiter: Der Geländewagen Countryman und ein Coupé kommen 2011 auf den Markt. Ein Roadster folgt 2012. "Wir werden damit in den kommenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsen", sagte McDowell voraus. "Der ganze Markt wird weiter wachsen, vor allem, wenn der Benzinpreis steigt." In diesem Jahr dürfte der Mini-Absatz dagegen nur geringfügig über den 45.000 Stück von 2009 liegen.

Für die Zukunft von Fiat in Amerika ist die Einführung des kleinen 500 von zentraler Bedeutung, denn die Marke ist hier seit den 70er-Jahren nicht mehr vertreten. "Symbolhafte Produkte wie der Beetle strahlen positiv auf die gesamte Marke ab", sagte Branchenexperte Bratzel. Dies haben die Italiener erkannt: "Die Erfolge von Beetle und Mini sind Motivation für uns, auch den Fiat 500 in den USA zu verkaufen", sagte ein Sprecher. Den Beetle hat Volkswagen seit 1997 weltweit 1,1 Millionen Mal verkauft, fast die Hälfte davon in Amerika. Die "Knuddeloptik" spreche vor allem Frauen an, heißt es bei VW. "Das war für viele Männer ein Hinderungsgrund, den Wagen zu kaufen." Der Nachfolger soll daher deutlich aggressiver gestaltet werden.

Im direkten Wettkampf mit Mini und Fiat will sich VW in den USA aber nicht sehen. "Das Tolle an diesen Markenikonen ist, dass sie Enthusiasten ansprechen", sagte ein VW-Sprecher. Viele Käufer würden treu zu ihrer Marke stehen. Neue Angreifer wie die Toyota -Tochter Scion haben es daher besonders schwer.

Matthias Ruch, New York und Margret Hucko, Hamburg FTD

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