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Tagfahrlicht: Mehr Licht, weniger Sicherheit

Die Tage werden länger. Trotzdem sollen wir, wenn es nach dem Verkehrsminister Tiefensee geht, auch bei hellstem Sonnenschein mit Licht fahren. Angeblich würde das erheblich zur Verkehrssicherheit beitragen.

Von Walter Hasselbring

Die Zahl der Verkehrstoten soll sich durch mehr Licht enorm senken lassen. Sagt man. Skandinavien wird dabei gerne als leuchtendes Beispiel genannt. Doch statistisch stichhaltiges Material für diese These gibt es nicht. Zwar sind im hohen Norden nach Einführung des Tagfahrlichtes die Unfallzahlen hier und da zurückgegangen. Oft sind aber gleichzeitig noch andere Maßnahmen eingeführt worden. In Finnland beispielsweise ein allgemeines Tempolimit. In anderen Ländern sind ohne Lichtpflicht die Unfallzahlen sogar noch stärker gesunken. So stellt der ADAC fest, dass bei keiner einzigen Studie bislang stichhaltig eine Korrelation zwischen Lichtpflicht und sinkenden Unfallzahlen auszumachen sei.

"Licht, immer!"

Denkbar schlechte Erfahrungen hat Österreich mit der Vorfahrt für die Dauerbrenner gemacht. Zum Jahresanfang ist die Lichtpflicht dort wieder abgeschafft worden. Zwar nahm die Zahl der Verletzten gleich nach der Einführung 2006 um 2,5 Prozent ab, die Zahl der Getöteten verringerte sich sogar um fünf Prozent. Deutschland glänzte im selben Zeitraum mit annähernd den gleichen Zahlen. Während hierzulande 3,6 Prozent mehr Fußgänger im Straßenverkehr getötet wurden, waren es in der Alpenrepublik 13,4 Prozent. Und in Deutschland sank sogar die Anzahl der getöteten Radfahrer um 15,5 Prozent, in Österreich waren es 2,1 Prozent mehr. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend. Das Licht lenkt die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer vom Verkehrsgeschehen ab. Mit Abblendlicht oder speziellen Tagfahrleuchten ausgestattete Fahrzeuge werden zwar besser wahrgenommen, dabei werden aber die unbeleuchteten Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Fahrradfahrer eher übersehen. Das gilt auch für Motorradfahrer, denen das Lichtprivileg genommen worden sei.

Trotzdem gilt mittlerweile in 21 europäischen Ländern die Tageslichtpflicht. Bei uns nicht, trotzdem sind auch hierzulande die meisten Automobilisten mit Licht unterwegs. Nach dem Motto: "Der Strom kommt aus der Batterie und kostet nichts." Mit großflächige Plakaten entlang der Straßen werden Autofahrer beispielsweise in Mecklenburg - Vorpommern und Schleswig- Holstein aufgefordert die Lampen auch bei Tag einzuschalten. "Licht, immer!" heißt die Devise. Dabei gibt es den Lichterglanz am Auto nicht zum Nulltarif. Bis zu 200 Watt muss die Lichtmaschine für die Rundumbeleuchtung erzeugen, was auf einen Kraftstoffmehrverbrauch von rund 0,3 Litern pro 100 Kilometer hinausläuft. Bei einem Personenwagenbestand von rund 45 Millionen Fahrzeugen mit einer durchschnittlichen Kilometerleistung von 16.500 pro Jahr und einem Abzug von 20 Prozent Nachtfahrten kommen gut 1,4 Milliarden Liter an Mehrverbrauch jährlich zusammen.

Keineswegs zum Nulltarif

Und natürlich fallen rund drei Milliarden Tonnen zusätzliches Kohlendioxyd an. Mit den Spritkosten von knapp 40 Euro zusätzlich pro Jahr ist es für den Autofahrer nicht getan. Nachträglich eingebautes Tagfahrlicht kann leicht bis zu 150 Euro kosten. Normale Halogenlampen halten zwischen 400 und 700 Stunden. Bei der durchschnittlichen Fahrleistung müssten alle Lampen rechnerisch einmal pro Jahr gewechselt werden. Eine Aktion, die früher mühelos an der Tankstelle bewerkstelligt werden konnte, zu der aber heutzutage bei neuen Autos oft die Werkstatt angesteuert werden muss. Um Klarheit in die Sache zu bringen und die Autofahrer nicht unnötig mit erheblichen Kosten zu traktieren , fordern Verkehrsexperten deshalb einen wissenschaftlich begleiteten Großversuch.

Dabei sollte man es vielleicht erstmal mit deutlich sichtbaren Lackierungen versuchen statt der Farben Grau und Schwarz, die bei deutschen Automobilisten in der Beliebtheitsskala ganz oben stehen.

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