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Auto-Sicherheit: Tödlicher Crashtest: Alt- gegen Neuwagen - doch nur ein Fahrer überlebt

Fieser Versuch: Ein nagelneuer Nissan prallte auf ein altes Nissan Modell von 1992, das noch unverändert gebaut wurde. Ein Fahrer käme mit dem Schreck davon, der andere wäre tot.

Im Versuch wird eine schwerer Unfall simuliert.

Im Versuch wird eine schwerer Unfall simuliert.

Wie sich die Unterschiede bei einem Unfall "Alt gegen Neu" konkret auswirken, hat das Insurance Institute For Highway Safety an einem Beispiel für Amerika demonstriert. Auch in Deutschland sollte der Crashtest zu denken geben, denn auch hier sind mehr alte Autos unterwegs, als man zuerst annimmt. Der Versuch fand im Jahr 2016 statt, die Ergebnisse geben aber auch heute noch zu denken. Hier wurden zwei US-Fahrzeuge gecrasht, die Ergebnisse von "Alt gegen Neu"-Zusammenstößen sind auch mit europäischen Autos ähnlich desaströs -für die Fahrer der Atwagen.

Flotte an Altwagen

Der deutsche Pkw hat im Durchschnitt bereits 9,2 Dienstjahre auf dem Buckel. In diesem Wert sind Händlerzulassung, Gewerbefahrzeuge und Dienstwagen bereits inbegriffen. Sie sind meist keine vier Jahr alt, der durchschnittliche Privat-Pkw dürfte daher eher 12 als 9,2 Jahre alt sein. So oder so: Das ist ganz schön alt. Es bedeutet, dass für jeden neuen Wagen auch ein fast 20-jähriges Vehikel um die Ecken schleichen muss, um diesen Durchschnittswert zu erreichen.

Sicherheit auf dem Stand an anno dazumal

Für die Sicherheit der Insassen bedeutet dieses Alter nichts Gutes, denn eine Sicherheitsausstattung eines zehn oder 20 Jahre alten Wagens kann sich nicht mit der neuer Modelle messen. Hinzu kommt noch eine Verschärfung, die den wenigsten Autofahrern klar ist. Sicherheitstest und die dazu gehörigen Sternchen werden für ein Fahrzeug nicht in jedem Baujahr neu wiederholt: In aller Regel wird das Prozedere nur einmal bei der Erstzulassung des Typs absolviert. Schärfere Normen sitzt man danach einfach aus.

Der Sharan I wurde bis 2010 gebaut, die Typzulassung erfolgte allerdings 15 Jahre früher. Der Touran lief bis 2015 vom Band, er ging aber schon 2003 in den Verkauf. Wer einen Gebrauchtwagen fährt, dem kann es also durchaus passieren, dass sein 15 Jahre altes Fahrzeug den Sicherheitsnormen von vor 25 oder 30 Jahren entspricht. Ein Mangel, den man erst bemerkt, wenn es zu einem Unfall kommt. 

Die Zelle um den Fahrer im roten Nissan Tsuru kollabiert, der Fahrer hätte keine Chance.

Die Zelle um den Fahrer im roten Nissan Tsuru kollabiert, der Fahrer hätte keine Chance.

Mexikos beliebtestes Taxi

Das Insurance Institute For Highway Safety testete einen Nissan Sentra, der in Mexiko Tsuru heißt, und dort das Herz der Taxiflotten bildet. Das Auto stammt aus Mexiko und wurde im Jahr 2015 gebaut, die Modellreihe wurde allerdings schon 1992 aufgelegt. Im Test musste der Mexiko-Tsuru gegen den neuen Nissan Versa von 2016 aus den USA antreten. Beides sind einfache Mittelklassewagen von Nissan, praktisch neu und doch liegen Welten dazwischen.

Mit etwa 60 km/h fuhren Tsuru und Versa aufeinander los und stießen versetzt – also nicht komplett frontal – zusammen. Wenn sich zwei Mal 60 km/h addieren, ist das ein schwerer Unfall. Auch der moderne Nissan Versa war danach nur noch Schrott. Dem Fahrer dürfte aber kaum etwas passiert sein. Die Sicherheitszelle hielt, mehrere Airbags schützten den Fahrer. Der Fahrer des Tsuru hingegen hatte keine Chance. Es gibt keinen Airbag. Aber auch ein Airbag hätte ihn nicht retten können. Die Sicherheitszelle zerbarst und der Fahrer hätte sich direkt auf die Trümmer der A-Säule zubewegt.

Nissan stellt Modell ein

Die Auto-Sicherheitsfirma NCAP berichtete, dass der Tsuru zwischen 2007 und 2012 für mehr als 4000 Tote in Mexiko verantwortlich sei. Nach dem spektakulären Test hat sich Nissan entschieden, die Produktion der Todesfalle einzustellen. Damit setzte sich die #NoZeroStarCars-Kampagne von NCAP durch. In Lateinamerika hält die Sicherheitsfirma die üblichen "Spielregeln" nicht ein. Sie schickt alte Modelle, die noch gebaut werden, durch einen modernen Crashtest. Der Tsuru erreichte dabei – wenig verwunderlich – null Sterne.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.