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Winterreifen: Brems lass nach, der Winter kommt

stern.de erklärt, was dran ist am Winterchaos und wie man sich wappnen kann.

Von Gernot Kramper

Einmal im Jahr macht sich der Autofahrer Gedanken um seine Reifen. Immer dann, wenn der erste Schnee fällt. Panisch bricht er dann auf, um die nächstgelegene Werkstatt zu stürmen. Und da steht er stundenlang in einer Schlange mit Gleichgesinnten. Am nächsten Tag ist die Rede vom Schnee- und Winterreifenchaos, wo eher vom Planungschaos des Kunden gesprochen werden sollte.

Trotz der seit 2006 geänderten Gesetzeslage - ungeeignete Bereifung kann zu Verwarngeldern und eventuell zu einem Punkt im Flensburger Zentralregister führen - kann von einem allgemeinen Winterreifenmangel keine Rede sein. Richtig ist, dass wie in jedem Jahr bei speziellen Reifen Lieferprobleme gibt. Insbesondere günstige Billig-Reifen, die in Tests gut abgeschnitten haben und stark nachgefragt werden, sind irgendwann ausverkauft. Nachlieferungen gibt es bei ihnen häufig nicht. So ein Engpass bedeutet aber nur, dass dieser günstige Reifen nicht mehr oder nur noch schwer zu bekommen ist. Winterreifen anderer Hersteller gibt es sehr wohl. Auch wer spezielle Reifen für sein Fahrzeug benötigt, kann nicht davon ausgehen, dass jeder Händler von diesem Typ Reifen liegen hat. Besondere Größen, teure, schnelle Winterreifen oder Reifen für SUV gibt es entweder beim Markenhändler oder man muss sich auf eine Vorbestellung einstellen.

Die richtige Saison für Winterreifen ist vor dem Wintereinbruch und nicht danach. Wer für einen späten Skiurlaub im Januar oder Februar Winterbereifung sucht, wird es immer erleben, dass die meisten Händler ihre Lager komplett geräumt haben. Denn Reifen lassen sich nicht beliebig lagern. Winterreifen sollten nach vier Jahren ausgetauscht werden. Ein guter Händler wird die überlagerten Reifen der Vorsaison im nächsten Jahr nicht mehr montieren.

Termin vereinbaren

Um Wartezeiten und Probleme zu vermeiden, muss sich jeder Fahrzeughalter entscheiden, welche Bereifung er im Winter fahren will. Nur eines ist sicher: Der Winter kommt mit dem Kalender, er bricht nicht unvorhergesehen herein. Wer bereits Winterreifen besitzt, sollte sie spätestens jetzt montieren oder einen Montagetermin in der Werkstatt machen. Wer die Winterbereifung zunächst kaufen möchte, kann sich telefonisch ein Angebot und einen Termin machen lassen. Wichtig ist dabei, dass man am Telefon Fahrzeugschein und die bereits montierte Reifengröße parat hat. Nur so kann man sicher sein, dass die richtigen Reifen zum gewünschten Termin auch vorrätig sind. Wie bei anderen Werkstattbesuchen auch ist es bei der Reifenmontage besser, nicht auf Erledigung zu warten. Wenn man es einrichten kann, einen Tag auf das Fahrzeug zu verzichten, schont man seine Nerven, und stellt das Fahrzeug auf den Hof, um es abends wieder abzuholen.

Service und Kosten

Wird der Reifenwechsel von einer Vertragswerkstatt der Automarke durchgeführt, kann für den Montagetag ein Ersatzfahrzeug gestellt werden. Gleichzeitig kann die Werkstatt einen allgemeinen Wintercheck an Bremsen, Lichtanlage, Batterie und Scheibenreiniger durchführen. Dafür entstehen allerdings weitere Kosten. Eine Vertragswerkstatt und auch ein Reifenhändler lagern den zweiten Reifensatz gegen Gebühr ein. Derjenige, der seine Sätze im Frühjahr nicht selbst zurückwechseln will oder kann, sollte ein derartiges Angebot annehmen. Macht er das nicht, muss er die überzähligen Reifen selbst transportieren, zu Hause ausladen, in Garage oder Keller unterstellen und im Frühjahr wiederum zur Werkstatt bringen. Die Reifen für SUVs und schwere Limousinen sind ohnehin nur von zupackenden Fahrern zu bewältigen. Spezielle Kleidung beim Transport ist wegen der Verschmutzung der Reifen notwendig. Dieses Hin und Her ist immer aufwendiger, als die Lagergebühr beim Händler zu zahlen. Pfennigfuchser, die den günstigsten Reifen beim Discounter suchen, müssen auf solchen Service meist verzichten. Bei den Winterreifen selbst herrscht das gleiche Preisgefälle wie bei allen Reifen. Die Ware für die normalen Massenautos ist bezahlbar. Für große, schnelle Wagen wird es merklich teuerer und bei SUVs mit schnellen Maschinen schmerzt es richtig.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Kauf im Internet

Am günstigsten kauft man Reifen - wie kann es anders sein - im Internet. Wird ein normaler Werkstatttermin über das Netz gebucht, spricht nichts gegen diese Form des Reifenkaufs. Wenn die Pneus aber tatsächlich im Webshop gekauft und per Zustellung geliefert werden, sollten alle Laien die Finger davon lassen. Reifenauswahl und Montage in Eigenregie ist etwas für Schrauber mit eigener Werkstatt.

Müssen Winterreifen wirklich sein?

Sowohl technisch, wie auch gesetzlich ist die Antwort ein klares "Jein". Das Gesetz spricht lediglich von "geeigneter" Bereifung. Ein Test des stern im Jahr 2006 zeigte, dass die "sieben Grad Regel", wonach unterhalb dieser Temperatur ein Winterreifen generell besser bremse als ein Sommerreifen, nicht zutrifft. In Wirklichkeit gibt es einen fließenden Übergangsbereich, der von den jeweiligen Reifen und deren spezifischer Gummimischung bestimmt wird. Beim stern-Test auf kalter und trockener Fahrbahn schnitten die Sommerreifen sogar besser ab.

Richtig bleibt aber: Bei Eis und Schnee helfen nur Winterreifen. Sie krallen sich mit ihren beweglichen und scharfen Einschnitten auf der Profiloberseite fester in den glatten und matschigen Untergrund, als es der beste Sommerreifen kann. Da niemand bei Schneefall spontan die Reifen wechselt, empfehlen sich Winterreifen für die kalte Jahreszeit. Der Gesetzeslage trägt man auch mit Allwetterreifen oder M+S-Reifen Rechnung, solange sie eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern aufweisen. Sie sind deutlich besser als Sommerreifen, erreichen die Bremseigenschaften bzw. die Haftung von Winterreifen allerdings nicht. Vor allem in extremen Situationen - dicker Schneematsch über Eis - ergibt sich deutlicher Unterschied.

Same procedure as every year

Ändern wird sich nichts, auch im nächsten Jahr wird es beim ersten Glatteis lange Schlangen vor den Werkstätten geben. Und wieder werden verärgerte Fahrer stundenlang bei ihrem Gefährt ausharren und böse Worte vom Winterchaos dem Reporter ins Mikro schnauben. Mitleid muss man nicht haben, das gehört zum deutschen Winter dazu und die Fahrer brauchen diese aufgeheizte Warte-Atmosphäre.

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