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"Wiihabilitation": Wenn Spiel zur Therapie wird

Das neuartige Bedienkonzept von Nintendos Wii-Spielkonsole sorgt nicht nur für Bewegung vor heimischen Fernsehern. Auch in Krankenhäusern und Altenheimen wird virtuell gebowlt, Golf oder Tennis gespielt. Krankengymnastik getarnt als Videospiel - das ist "Wiihabilitation"

Die Nintendo-Spielkonsole Wii setzt ihre Erfolgsgeschichte als Therapiegerät fort: Übungen mit dem bewegungssensitiven Controller werden in den USA für die Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall, Knochenbruch oder nach einer chirurgischen Operation eingesetzt. Therapeuten sprechen bereits in Anlehnung an den Begriff der Rehabilitation von der "Wiihabilitation".

Die Dehn-, Streck- und Hebe-Übungen der herkömmlichen Krankengymnastik werden von den Patienten oft als qualvoll und langweilig empfunden. Viele Patienten lösten die Abkürzung PT für den Fachbegriff "Physical Therapy" nur mit "pain and torture" (Schmerz und Folter) auf, sagt der Leiter der Reha-Abteilung am Herrin-Hospital im US-Staat Illinois, James Osborn. Verbinde man die Bewegungsübungen mit dem Video-Spiel, seien die Patienten ganz anders bei der Sache. "Wenn sie mit einem elektronischen Gegner boxen oder Tennis spielen, ist es erstaunlich, wie viele unserer Patienten dann gewinnen wollen", sagt Osborn. Daher bemühten sie sich viel mehr als ohne den zusätzlichen Spielanreiz, die geforderte Bewegung zu meistern.

Die südöstlich von St. Louis gelegene Klinik schaffte im vergangenen Jahr eine Wii-Spielkonsole für die Reha-Patienten an. Die beliebtesten Wii-Sportarten in der Klinik sind Baseball, Bowling, Boxen, Golf und Tennis. Mit dem Arm steuern die Patienten den drahtlosen Controller, dessen Sensor die Bewegungen auf die Konsole und den Bildschirm überträgt.

Auch das Hines Veterans Affairs Hospital in der Nähe von Chicago hat kürzlich eine Wii angeschafft, um Patienten mit Wirbelsäulen-Verletzungen zu behandeln. Dort spielt der 22-jährige Matthew Turpen in seinem Rollstuhl sitzend Golf und Bowling. Im vergangenen Jahr wurde der in Deutschland stationierte Soldat bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass er nun von der Brust abwärts gelähmt ist. Das Spiel sei eine angenehme Abwechslung von der Monotonie des Reha-Alltags und tue ihm richtig gut, sagt Turpen.

Im Walter Reed Army Medical Center kommt die Spielkonsole auch bei Patienten zum Einsatz, die im Irak-Krieg verletzt wurden. "Sie denken, es ist für ihre Unterhaltung, aber wir wissen, dass es Therapie ist", sagt die Leiterin der Abteilung für Beschäftigungstherapie, Stephanie Daugherty.

Auch im hohen Alter

In einem Krankenhaus in Raleigh, North Carolina, wird die Spielkonsole bei Patienten von neun bis weit über 80 eingesetzt. "Sie verbessern so ihre Ausdauer, Kraft und Koordination", erklärt Therapeutin Elizabeth Penny. "Es hilft, den Körper zu lockern, damit er tun kann, was von ihm verlangt wird", hat der 64-jährige Billy Perry festgestellt, der an Weihnachten einen Schlaganfall erlitten hat. Beim virtuellen Tennis habe er das Gefühl in seinem linken Arm zurückerlangt.

Um jenseits der einzelnen Erfahrungsberichte eine wissenschaftliche Grundlage für die "Wiihab" zu erhalten, hat Lars Oddsson am Sister Kenny Research Center des Abbott Northwestern Hospitals in Minneapolis eine Studie begonnen. Dabei sollen die Erfahrungen der Wii-Therapie an denen einer Vergleichsgruppe gemessen werden. Das richtige Maß zu wahren, dazu rät der Mediziner Julio Bonis in Madrid. Er beschrieb in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine", dass exzessives Wii-Spielen zu andauernden Schmerzen in der Schulter führen kann. Bonis stellte dies an sich selbst fest und beschrieb die Schmerzen als "Wiiitis". Er überwand diese neue Krankheit mit Hilfe eines Antirheumatikums und einer Woche Wii-Verzicht.

Lindsey Tanner/AP / AP