Apple, Google und Microsoft Die großen Gleichmacher


Microsoft, Apple und Google wildern mit wachsender Dynamik in ihren gegenseitigen Märkten. Mit einem starken Geschäft allein können sie bei Investoren längst nicht mehr punkten. Wie die fortschreitende Digitalisierung alte Grenzen durchlässig macht.
Von Helene Laube und Jörn Paterak

Am 5. Januar präsentierte Google das erste Stück Hardware, das der Webkonzern je ersonnen hat. Das Google-Handy ist kein iPhone-Killer, aber eine gleichwertige Antwort auf das Apple-Smartphone. Am gleichen Tag wagt sich der Hardwarekonzern Apple in Googles Domäne vor und schluckt einen Spezialisten für Onlinewerbung. Tags darauf präsentiert Microsoft einen Tablet-Rechner, den der Softwarekonzern mit Hewlett-Packard entwickelt. Vergangene Woche konterte Apple mit dem iPad, das gegen Netbooks und damit auch gegen die Betriebssysteme Windows von Microsoft und Googles Chrome OS antritt.

Die Nachrichten eines Monats über die nach Marktkapitalisierung größten IT-Konzerne machen klar, wie sehr sich ihre Geschäftsfelder überlappen. "Es gibt in der Technologiebranche keine Unternehmen, die sich mehr aufeinander zubewegen", sagt Zukunftsforscher Paul Saffo, der als einer der Ersten den steilen Aufstieg des World Wide Web vorhergesagt hatte. Kein weiterer Rivale prägt und kontrolliert die IT-Branche derart umfassend - obwohl Nokia , Sony , Yahoo oder vor einigen Jahren auch Time Warner mit AOL die Voraussetzungen dafür durchaus gehabt hätten. Seien es Hardware, Software, Onlinewerbung, Onlineservices wie Websuche, Navigation und Cloud-Computing oder das Angebot von Mediencontent wie Spiele, Musik oder Bücher - das Dreigespann ist schon da. Diese Macht ist an Voraussetzungen geknüpft, die nur Microsoft, Apple und Google erfüllen und die wir auf den folgenden Seiten genauer vorstellen.

Marktbeherrschung

"Alle drei kontrollieren Plattformen und ein Betriebssystem", sagt James McQuivey vom Marktforscher Forrester Research. Google, Apple und Microsoft haben sich damit zu Gatekeepern entwickelt, die Märkte fast nach freiem Ermessen ausschlachten können. Microsoft mit Windows im PC-Markt. Apple mit iTunes, iPod, iPhone und App Store im Musik- und Smartphone-Geschäft und Google im Suchgeschäft. "Und wer erst einmal über ein erfolgreiches Fundament verfügt, wäre töricht, es nicht auszudehnen, um mächtiger zu werden", so McQuivey. Microsoft hat Windows vom PC auf Server, Handys und Netbooks übertragen. Google expandiert mit Android von Handys auf Netbooks, der Chrome-Browser wurde zu Chrome OS für Netbooks umgerüstet und soll später auch auf Desktops laufen. Apple fing mit dem Betriebssystem für Rechner an, drang dann mit dem iPhone-Betriebssystem mitsamt App Store in den Handymarkt ein und optimiert das System nun für das iPad.

Jede Menge Cash

Apple verfügt mit 39,8 Millarden Dollar über den größten Bargeldbestand aller IT-Unternehmen. An zweiter Stelle folgt Microsoft mit 27,2 Millarden Dollar, dann Google mit 24,5 Millarden Dollar. Die Erwartungen der Anleger an einen innovativen IT-Konzern, der derartige Beträge nicht ausschüttet, sind hoch. "Alle drei suchen Wachstumsmärkte, um ihre Erlöse deutlich steigern zu können. Das ist angesichts ihrer beträchtlichen Größe nicht einfach", sagt Brian Marshall, Analyst beim Investmenthaus Broadpoint Amtech. "Microsoft, Google und Apple sind so dominant in ihren angestammten Märkten, dass sie es sich erlauben können, laufend in neue Bereiche zu investieren", sagt Ned May, Analyst beim US-Marktforschungsunternehmen Outsell. "Sie reüssieren nicht immer, können sich diese Fehlschläge aber leisten." Microsoft etwa investiert Milliarden in seine Suchmaschine, ohne wirklich Boden gegen Google gutzumachen.

Ausschlachten der Digitalisierung

Microsoft-Gründer Bill Gates stellte schon 2004 klar: "Es wird keine Konvergenz stattfinden, bis nicht alle Inhalte in einer digitalen Form vorliegen, die der Verbraucher einfach auf allen Geräten nutzen kann." Zwar ist die Digitalisierung von Musik, Fotos, Videos, Landkarten, TV und Werbung sechs Jahre später noch nicht vollständig. "Vor allem bei Büchern und dem Telefon gibt es viel aufzuholen", sagt Analyst Tim Bajarin. Microsoft-Chef Steve Ballmer prophezeit die "Digitalisierung von allem" gar erst für das Jahr 2017. Aber sie ist so weit fortgeschritten, dass medienübergreifende Geschäftskonzepte via Internet sich jetzt erfolgreich umsetzen lassen. "Microsoft, Apple und Google verfügen über weltweit etablierte Marken und die Technologien, die sich über die meisten Geräte erstrecken", sagt Bajarin, Analyst der Analysefirma Creative Strategies. Microsoft ist erfolgreich mit Xbox Live, einer Onlinecommunity, über die 23 Millionen Mitglieder Spiele oder Video-on-Demand kaufen. Google hat mit Onlinewerbung ein hochprofitables Geschäft aufgebaut, die Tochter Youtube ist das mit Abstand größte Videoportal. Und Apple ist mit dem Onlineshop iTunes zum größten Musikverkäufer avanciert.

Chancen des Breitbandwebs nutzen

Bis 2013 soll sich die Anzahl der globalen Breitbandkunden bis auf eine Milliarde fast verdoppeln, so Marktforscher. "Apple, Microsoft und Google sind in der Lage, nicht nur irgendeine Komponente für das Breitbandweb zu liefern, sondern so viel Hardware, Software, Onlineangebote wie möglich - und dazu die Onlinewerbung", sagt Creative-Strategies-Analyst Bajarin. Geräte, Software und Onlinedienste würden eng integriert, so Bajarin, um einfache Produkte und Dienste zu bieten.

Externe Programmierer einspannen

Wer Betriebssysteme für mehrere Gerätekategorien anbietet, ist im Vorteil. "Das überzeugt Entwickler, denn sie können ihre Programme ohne großen Zusatzaufwand auf vielen Plattformen verkaufen", so Marktforscher McQuivey. Apple hat innerhalb von 18 Monaten 120.000 Programmierer für das iPhone gewonnen. Auf die Programmierer warte dank des iPads ein "nächster Goldrausch", prophezeite gerade Apple-Manager Scott Forstall. Für Konkurrenten der drei ist es schwierig, ein optimal integriertes Angebot an Geräten, Software und Webdiensten mitsamt Entwicklern zu kreieren.

Investoren beschweren sich durchaus, dass die großen drei massiv in Produkte und Dienste investieren, die sie vielleicht nie beherrschen werden. Viele wollen lieber Dividenden sehen. Nur Microsoft schüttet seit sieben Jahren aus - nicht unbedingt freiwillig, sondern einer wenig aufregenden Kursentwicklung geschuldet. "Ich erwarte nicht, dass Microsoft Google oder Apple ist", sagt William Smead von Smead Capital Management. Er hält immerhin gut 300.000 Microsoft-Aktien. "Ballmer soll sich darauf konzentrieren, was Microsoft kann, nämlich Unternehmenskunden beliefern", also in diesem Segment zukaufen - oder die Microsoft-Milliarden in Dividenden oder Aktienrückkäufe pumpen.

Google und Apple dagegen haben in bislang noch nie einen Cent ausgeschüttet - und sparen Gewinne für Investitionen. Die Aktionäre lassen sich dies angesichts vergleichsweiser hoher Kurssteigerungen bislang gefallen. "Man weiß nie, wohin sich die Dinge entwickeln, also muss man viel säen und sehen, was sprießt", sagt Outsell-Analyst May. Neue Offensiven werden nicht lange auf sich warten lassen. Microsoft soll angeblich bald ein Smartphone enthüllen, Google an einem Tablet-Computer werkeln - und Apple an einer Suchmaschine.

FTD

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