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Apple-Markencheck Fauler Apfel


Viel heiße Luft: Der Apple-Markencheck in der ARD brachte wenig Skandalöses ans Tageslicht. Dabei gibt es zunehmende Kritik an den Arbeitsbedingungen in deutschen Apple Stores.
Von Christoph Fröhlich

Die ARD hat mit der Sendung "Markencheck" am Montagabend einen Skandalbeitrag zur Kultmarke Apple angekündigt, doch am Ende entpuppte sich die 45-minütige Dokumentation nur als heiße Luft. Neben einigen belanglosen Tests und dem Aufwärmen altbekannter Fakten sorgten lediglich einige mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen in chinesischen Fabriken für einen Hauch von Skandal. Denn dass die Arbeitsbedingungen bei Foxconn und Co. schlimm sind, ist längst bekannt.

Doch der "Markencheck" zeigte ein unvollständiges Bild: Nicht nur Apple lässt in den Fabriken des weltweit zehntgrößten Arbeitgebers bauen, sondern auch die Konkurrenten von Sony, Microsoft, Nokia oder Google lassen dort ihre Geräte zusammenschrauben. Auch eine aktuelle Meldung schienen die Redakteure für ihren Beitrag nicht mehr verwenden zu können: Apple hat seinen wichtigsten Auftragsfertiger so unter Druck gesetzt, dass bei Foxconn nun ein Betriebsrat gegründet werden soll.

Und: Einige Macs tragen seit Ende des vergangenen Jahres - erstmals seit zehn Jahren - wieder den Schriftzug "Made in USA". Apple-Chef Tim Cook versicherte mehrfach glaubhaft, die Arbeitsbedingungen der Zulieferbetriebe weiter verbessern zu wollen.

In deutschen Apple Stores brodelt es

Dabei hätten die Filmmacher nicht einmal bis nach Asien reisen müssen, um die Arbeitsbedingungen beim wertvollsten Tech-Konzern anzuprangern. Denn auch hinter den Hochglanzfassaden deutscher Apple Stores am Münchner Marienplatz, Hamburger Jungfernstieg oder in der Dresdner Altmarkt-Galerie brodelt es seit geraumer Zeit, glaubt man Medienberichten. Viele Mitarbeiter beklagen darin geringe Gehälter, stören sich an der Dauerüberwachung des Konzerns und den Zwang zur guten Laune. Zwar sind die Zustände nicht mit denen in China vergleichbar - Betriebsräte und faire Arbeitsbedingungen sucht man aber auch hierzulande oft vergebens.

Ein Blog namens "About Apple" behauptet, Einblicke in die Verkaufsmethoden des extrem profitablen Konzerns zu geben - oder in die "Zwangsspaß - und Ausbeutungshölle", wie es der Blog ausdrückt. Zu den Löhnen schreibt der angebliche Insider: "Wenn Du einen Apple Store besuchst, dann kannst Du davon ausgehen, dass die meisten Apple-Mitarbeiter, die Dir begegnen werden, für Löhne arbeiten, die deutlich unter dem liegen, was tarifvertraglich für andere Einzelhändler ausgehandelt wurde." Er findet harte Worte: "Es ist moderne Sklaverei." Es gäbe Bücher mit Vorschriften, was Apple-Mitarbeiter öffentlich sagen dürfen - und was nicht.

Streit ums Gehalt

Die ungleichen Löhne seien ungerecht, schreibt der Blogger. Nicht nur innerhalb der Apple Stores würden für die gleiche Tätigkeit unterschiedliche Gehälter gezahlt, auch in den einzelnen Läden sei das Lohnniveau sehr unterschiedlich. Denn: Die deutschlandweit gezahlten Löhne würden in Dresden festgelegt, schreibt der anonyme Autor. "Und was in Dresden ein gutes Einkommen sein mag, das ist es in Hamburg auf jeden Fall nicht." Erst nachdem Mitarbeiter des Münchner Apple Stores einen Betriebsrat gründeten, erhöhte sich das Lohnniveau für die dort Beschäftigten. Auch in anderen Filialen sollen nun Betriebsräte gegründet werden.

Das Blog wirft dem Tech-Konzern zudem schwere Rechtsverstöße vor. So soll der Konzern Kameras in den Pausenräumen und vor den Toiletten installiert haben, um zu überprüfen, wie oft Mitarbeiter auf Toilette gehen - und wie lange sie dort bleiben. Diese Art der Mitarbeiter-Kontrolle ist in Deutschland nicht erlaubt. Auch Tonaufnahmen sollen in einigen Läden zum Alltag gehören. Ausgewertet werden die Aufnahmen laut den Berichten in einer Sicherheitszentrale in England.

Auch das Nachrichtenmagazin "Spiegel" widmete sich im vergangenen November den Arbeitsbedingungen in deutschen Apple Stores - und kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In dem Beitrag wird ein Apple-Mitarbeiter namens Oliver zitiert, der fragt: "Was ist das für eine Firma, in der ich betteln muss, etwas trinken zu dürfen?" Apple will sich zu den Vorwürfen des Blogs nicht äußern. Der Konzern kommentiere solche Sachen nicht in der Öffentlichkeit, heißt es auf Nachfrage von stern.de.

Laut "About Apple" sollen unbezahlte Überstunden eher zur Regel als zur Ausnahme gehören. Schlimmer noch: Arbeiten die Mitarbeiter bis spät in die Nacht, wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren, hätte einige Mitarbeiter bereits nach Hause laufen müssen. "Die Nutzung eines Taxis, im Notfall, wie es rechtlich vollkommen korrekt ist, war ihnen verboten worden, sie würden das Geld nicht von Apple zurückbekommen", #link;an.blogsport.de/2013/01/20/the-dark-knight-rises/;schreibt der Blogger#.


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